Moderatorin Anke Engelke (li.) spricht am 21.02.2016 mit den Mitgliedern der Berlinale-Jury (Quelle: dpa)

Kommentar | Berlinale-Bilanz - Besser kann es keine Jury machen

Die Berlinale hatte in diesem Jahr wieder großartige Filme im Angebot. Die Jury war - mit Meryl Streep als deren Präsidentin - hochkarätig und charismatisch besetzt.  Doch ein Schwachpunkt war der Wettbewerb. Daraus treffsichere Entscheidungen zu treffen, verdient auch eine Auszeichnung meint Reiner Veit.

Präsentierte und repräsentierte diese 66. Berlinale nun einen guten Kino-Jahrgang - oder war es damit eher nicht so weit her? Das Festival als solches war wieder mal ein Großartiges mit großartigen Filmen. Der größte Schwachpunkt war - wieder mal – der Wettbewerb. Und aus diesem diversen, bisweilen kruden Angebot an Zufälligkeiten und Unzulänglichkeiten, zielsicher jene Berlinale-Bären zu wählen, die die Jury am Ende verteilt hat -  das ist großartig. Die Wahl der Jury war perfekt. Richtig. Wichtig. Besser kann man die Essenz der Filme nicht treffen, als mit dieser Preis-Auswahl. 

Auch wenn die Wahl des Goldenen Bären für "Fuocoammare" sicher weniger dem Kino-Sach-Verstand denn der Gefühlslage und der Empathie für die Flüchtlinge geschuldet ist. Aber wer könnte das - auch angesichts der letzten hässlichen Bilder aus Clausnitz - nicht verstehen?  

Gescheite und glaubhafte Entscheidungen

Aber für alle anderen vergebenen Silbernen Bären möchte man die Jury einfach küssen. Sie hat unglaublich gescheit und wahrhaftig entschieden. Sie hat immer das Beste an den jeweiligen Filmen gesucht, gefunden und prämiert:  Die unglaublich intensive Kamera beim chinesischen Film, das klug komponierte, wenn auch eher schlecht als recht umgesetzte Drehbuch aus Polen, den wunderbaren Schauspieler aus dem tunesischen Film, die überwältigende Trine Dyrholm aus "Kommune". Die Regisseurin Mia Hansen-Löve, die mit einer unglaublichen Mischung aus Leichtigkeit, Tiefsinn und Philosophie "L' Avenir" inszenierte.

Ohne die Kraft und künstlerische Wirkung des achtstündigen Films von den Philippinen schmälern zu wollen, aber es hat schon eine gewisse Ironie, dass ausgerechnet der Alfred-Bauer-Preis für "Neue Perspektiven im Kino" - schon länger für Filme reserviert scheint, deren Perspektiven eher der alten Schule und dem konventionellen Kino verpflichtet sind. Acht Stunden hin oder her. Mehr als ein Fleißpreis ist es allemal.

Große Kunst der Berlinale-Jury

Eine Frage, die sich mir in jedem Jahr neu stellt ist die, ob der "Große Preis der Jury" nicht der eigentliche Hauptpreis ist? Und wenn das der große Preis ist, sind dann die anderen nicht eher die "kleinen Preise der Jury"?  Der Große Preis der Festivaljury, ging an "Tod in Sarajevo" von Danis Tanovic. Eine komische Tragödie über Ethnien und Deutungshoheiten auf dem Balkan. Auch das ist mehr als eine nur gute Wahl.

Besser kann es keine Jury machen! Wer immer die Kraft hinter diesen überaus klugen und sensiblen und treffsicheren Entscheidungen gewesen ist - alle Hochachtung - denn es war eine große Kunst aus vielen nicht so großen Filmen, das Wahre, das Wesentliche und das Eigentliche zu kristallisieren.

Und dafür müsste diese Berlinale-Jury - unter Meryl Steeps Vorsitz - eigentlich ausgezeichnet werden.

Beitrag von Reiner Veit, Inforadio-Filmkritiker

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