Berlinale-Chef Dieter Kosslick auf der Pressekonferenz der Internationalen Filmfestspiele Berlin (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 02.02.2016 | Robert Frenz

Programm der Berlinale 2016 steht - Der große Wunsch nach Heimat

Das Rennen um die Berlinale-Bären ist vorbereitet. Direktor Dieter Kosslick hat das Programm der 66. Berliner Filmfestspiele vorgestellt. Die Wettbewerbsfilme spiegeln den "großen Wunsch" nach Heimat und damit auch das große aktuelle europäische Thema der Flüchtlinge. Deswegen ruft das Festival auch das erste Mal zum Spenden auf.  

"Recht auf Glück" ist das Motto der diesjährigen 66. Berliner Filmfestspiele. Berlinale-Chef Dieter Kosslick gab am Mittwoch das Programm und die Jury bekannt. Er erläuterte, viele Wettbewerbsfilme kennzeichne der "große Wunsch" nach Heimat, Selbstverwirklichung und Leben und beziehe damit das Anliegen der Flüchtlinge ein. An der Flüchtlingskrise komme man als politisches Filmfestival nicht vorbei - "und das wollen wir auch gar nicht", sagte Kosslick am Abend dem rbb.

19 Weltpremieren, aber nur ein deutscher Film

Zwischen dem 11. und dem 21. Februar kommen auf der Berlinale insgesamt 434 Filme zur Aufführung. 23 werden im Wettbewerb aufgeführt, davon 19 als  Weltpremieren. 18 Filme konkurrieren um den Goldenen und die Silbernen Bären. Insgesamt sind Beiträge aus 20 Ländern im Wettbewerb. Gut die Hälfte kommt aus europäischen Staaten, davon vier aus Frankreich.

Deutschland ist nur mit "24 Wochen" von Anne Zohra Berrached vertreten. In dem Drama spielt Julia Jentsch eine Kabarettistin, die im sechsten Monat schwanger ist. Als sie und ihr Mann (Bjarne Mädel) erfahren, dass das ungeborene Kind das Down-Syndrom und einen schweren Herzfehler hat, denkt das Paar über eine Abtreibung nach.

"Jeder stirbt für sich allein" Verfilmung von Hans Falladas Buch steht im Berlinale-Wettbewerb (Quelle: dpa)
Brendan Gleeson, Emma Thompson und der Schweizer Regisseur Vincent Perez von "Alone in Berlin"

"Jeder stirbt für sich allein" neu verfilmt

Auch zwei deutsche Koproduktionen sind im Wettbewerb vertreten. Die Neu-Verfilmung des Buches von Hans Fallada "Jeder stirbt für sich allein" ist unter der Regie des Schweizers Vincent Perez im Rennen um die Bären dabei. In der Geschichte um den Widerstand eines Berliner Ehepaars gegen die Nazis spielen Emma Thompson, Brendan Gleeson und Daniel Brühl. Auch der neue Film des aus dem Iran stammenden Regisseurs Rafi Pitts ("Zeit des Zorns"), "Soy Nero", entstand mit deutscher Beteiligung.

Der längste Wettbewerbsfilm der Festivalgeschichte ist auf den Philippinen entstanden: Regisseur Lav Diaz erzählt in "A Lullaby to the Sorrowful Mystery" vom Kampf gegen die spanische Kolonialmacht Ende des 19. Jahrhunderts. Der Film dauert gute acht Stunden.

"Hail, Caesar!" von den Coen-Brüdern

Eröffnet werden die Filmfestspiele am 11. Februar mit der Hollywood-Komödie "Hail, Caesar!" der Brüder Joel und Ethan Coen. Dazu erwartet das Festival George Clooney, Tilda Swinton und Josh Brolin auf dem roten Teppich am Potsdamer Platz. Brolin spielt in der "Hommage an die Filmwerkstatt" den PR-Agenten Eddie Mannix, der im Hollywood der 1950er Jahre Stars vor schlechten Schlagzeilen bewahren soll. Als weiterer US-Beitrag läuft der jüngste Film von Spike Lee "Chi-Raq" mit Nick Cannon, Wesley Snipes, Jennifer Hudson und John Cusack. Beide Filme starten außer Konkurrenz - im Gegensatz zu zwei weiteren US-Produktionen im Wettbewerb: dem Dokumentarfilm "Zero Days" von Alex Gibney und Jeff Nichols' "Midnight Special" mit Michael Shannon, Joel Edgerton und Kirsten Dunst.

Weitere Weltstars wie Julianne Moore, Emma Thompson, Isabelle Huppert, Jude Law, Channing Tatum, Colin Firth und Gérard Depardieu haben sich angesagt.

Mit Spannung erwartet - in der Jugendsektion Generation 14plus – wird Hans Steinbichlers Neuverfilmung des Tagesbuchs der Anne Frank. Lea van Acken spielt das 13-jährige jüdische Mädchen, das sich mit seinen Eltern Otto (Ulrich Noethen) und Edith Frank (Martina Gedeck) sowie ihrer Schwester Margot (Stella Kunkat) im von den Nazis besetzten Amterdam versteckt. Doris Dörrie stellt im Panorama ihren neuen Film "Grüße aus Fukushima" vor.

Preise werden in insgesamt 14 Sektionen vergeben. Der Goldene Ehrenbär geht in diesem Jahr an den auch in Hollywood erfolgreichen Kameramann Michael Ballhaus aus Deutschland. Eine Hommage zeigt eine Auswahl aus den mehr als 130 Filmen von Ballhaus. Weitere rund 700 Filme sind beim European Filmmarket für professionelle Filmeinkäufer zu sehen. Zudem werden drei in diesem Jahr verstorbene Künstler mit Sondervorführungen geehrt: der Schauspieler Alan Rickmann, der Regisseur Ettore Scola und der Pop-Künstler David Bowie.

Politisches Festival widmet sich der Flüchtlingsthematik

Die Gewinner der Goldenen und Silbernen Bären werden am 20. Februar bekanntgegeben. Auch die internationalen Filmorganisationen der evangelischen und der katholischen Kirche - Interfilm und Signis – verleihen Auszeichnungen, ebenso wie die Kritikervereinigung FIPRESCI und weitere Organisationen.  

Die Berlinale gilt als das politischste der drei großen Filmfestivals Berlin, Cannes und Venedig. Erstmals gibt es von den Machern der Filmfestspiele in diesem Jahr einen direkten Spendenaufruf an die Kinogänger zur Hilfe für Flüchtlinge. Das Geld wird laut Festival-Direktor Kosslick für eine Initiative gesammelt, die sich um traumatisierte Folteropfer kümmert.

"Viele Filmemacher suchen nach den Ursachen der Flüchtlingsströme", so Kosslick am Dienstag. Ganz nah dran an den Schicksalen der Geflüchteten sei Gianfranco Rosi mit "Fuocoammare" (engl. Titel "Fire at Sea"). "Der italienische Regisseur lebte mehrere Jahre auf Lampedusa, um diesen Film zu drehen", sagte Kosslick. Der Film sei eine Mischung aus Dokumentation und Inszenierung und erzählt vom Flüchtlingselend, im Kontrast gesetzt zum Leben eines ganz normalen Elfjährigen Bewohners von Lampedusa.

Eidinger wurde mit Berlinale-Film "Alle anderen" international bekannt

Der Theater- und Filmschauspieler Lars Eidinger sitzt in diesem Jahr als deutscher Vertreter in der Berlinale-Jury und entscheidet über die Gewinner des Goldenen und der Silbernen Bären mit. Der 40-jährige Eidinger hatte sich zunächst als Ensemble-Mitglied der Berliner Schaubühne einen Namen gemacht. Mit dem Film "Alle anderen" von Maren Ade wurde er 2009 international bekannt. Der Film wurde mit mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet, Hauptdarstellerin Birgit Minichmayr bekam den Silbernen Bären als beste Schauspielerin. Einem breiten Publikum ist Eidinger auch aus den Krimiserien "Tatort" und "Polizeiruf" bekannt.

Der Jury der 66. Berlinale steht die US-Schauspielerin Meryl Streep vor. Neben Eidinger und Streep gehören zur Berlinale-Jury der britische Schauspieler Clive Owen, die französische Fotografin Brigitte Lacombe, die italienische Schaupielerin Alba Rohrwacher, die polnische Filmemacherin Małgorzata Szumowska und der Filmkritiker Nick James aus Großbritannien.

Wettbewerbsfilme im Überblick

  • 24 Wochen

  • A Dragon Arrives!

  • A Lullaby to the Sorrowful Mystery

  • Alone in Berlin

  • Being 17

  • Boris ohne Béatrice

  • Briefe aus dem Krieg

  • Chang Jiang Tu

  • Death in Sarajevo

  • Die Kommune

  • Fire at Sea

  • Genius

  • Hedi

  • Midnight Special

  • Soy Nero

  • Things to Come

  • United States of Love

  • Zero Days

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