Ai Weiei (Quelle: Ruth Kirchner)

Große Werkschau des chinesischen Künstlers - Ai Weiwei hat die Koffer für Berlin gepackt

Chinas berühmtester Künstler Ai Weiwei ist seit Jahren mit einem Reiseverbot belegt. Doch er hofft, zur Eröffnung seiner Werkschau am Mittwoch nach Berlin kommen zu können. Er ist auf alles vorbereitet, sagt Ai Weiwei. Doch er braucht seinen Pass, den ihm die chinesischen Behörden bislang verweigern.

Der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei hofft, doch noch zur Eröffnung seiner großen Werkschau nächste Woche nach Berlin kommen zu können.

In einem ARD-Hörfunkinterview in Peking sagte der 56-Jährige, er sei jederzeit zur Abreise bereit. "Ich habe meinen Koffer bereits gepackt. Sobald ich meinen Reisepass bekomme, fahre ich nach Berlin, um an meiner Ausstellung teilzunehmen."

Neuer Antrag auf Pass gestellt

Noch habe er seinen Pass nicht bekommen, sagte Ai. Die Behörden hätten sich nicht eindeutig geäußert, ob er fahren darf oder nicht. Vor drei Wochen habe er einen neuen Antrag gestellt.

Generell sei die Situation für ihn etwas einfacher geworden. Zwar dürfe er seine Kunst im Land selbst nicht zeigen, aber niemand hindere ihn daran, im Ausland Ausstellungen zu organisieren. Auch die Sicherheitshörden würden ihn nicht mehr regelmäßig vorladen.

Ai Weiwei wurde vor drei Jahren von den chinesischen Behörden festgenommen und für drei Monate an einem unbekanntem Ort festgehalten. Dabei wurde ihm auch der Reisepass abgenommen. Trotz mehrerer Anträge wurde ihm die Rückgabe des Passes bisher verweigert. Seit  seiner Freilassung wird er von den Behörden in China überwacht.

"Ai Weiwei kennt den Gropius-Bau überhaupt nicht."

Im Berliner Martin-Gropius-Bau wird am kommenden Mittwoch (2. April) die bislang größte Einzel-Werkschau des renommierten Künstlers eröffnet. Schwer wiegt die Kunst, die Ai Weiwei nach Berlin geschickt hat - nicht nur im übertragenen Sinne. Die Ausstellung, die derzeit im Martin Gropius Bau aufgebaut wird, soll 18 Räume füllen.

Im Lichthof sind hunderte Holzhocker aufgereiht, die einst in alten Bauernhäuser standen, die von ihren ehemaligen, in die Städte abgewanderten Bewohnern zurückgelassen werden - eine für Ai Weiwei typische Metapher für China als Land zwischen Tradition und Moderne. In einem Saal entsteht derweil ein leuchtend blaues Meer mit Inseln, die auf Stelzen und damit auf dem Trockenen stehen - Ai Weiweis Kommentar auf den chinesisch-japanischen Streit um die Diaoyu-Senkaku-Inseln im Pazifik.

Der Leiter des Berliner Martin-Gropius-Bau, Gereon Sievernich - Foto: Hans Scherhaufer
Gereon Sievernich, Direktor des Martin-Gropius-Baus, besuchte Ai Weiwei mehrmals in China.

Der Martin Gropius Bau arbeitet trotz räumlicher Distanz eng mit dem Künstler zusammen. Museumsdirektor Gereon Sievernich war mehrfach in Peking, um mit Ai Weiwei über die Ausstellung zu beraten. "Ai Weiwei kennt den Gropius-Bau überhaupt nicht, er war nie hier, so dass wir ihm alle Räume, die Wände und die alten Decken erklärt haben. Er hat lange als Architekt gearbeitet und über 60 Häuser gebaut. Er kann also Pläne lesen und hat sich so für jeden Raum etwas ausgedacht", sagt Sievernich.

Chinesische Präsident Xi Jinping zu Besuch in Berlin

Am Freitag ist der chinesische Präsident Xi Jinping zu einem Staatsbesuch in Deutschland eingetroffen. Bei einem Empfang im Berliner Schloss Bellevue hat Bundespräsident Joachim Gauck Xi Jinping für seinen Reformwillen gelobt und zugleich auf die Bedeutung der Menschenrechte verwiesen. Am Nachmittag stand ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem Programm.

Anlässlich des Besuchs der chinesischen Regierung in Berlin appellierte ein hochrangiger Freundeskreis des Künstlers am Freitag in einer ganzseitigen Zeitungsanzeige an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), sich für Reisefreiheit für Ai Weiwei einzusetzen.

Ai Weiwei selber hatte Xi eingeladen, sich seine Ausstellung im Gropius-Bau anzusehen. "Dort lauert keine Gefahr", sagte Ai Weiwei in einem dpa-Interview in Peking. Überhaupt hätten sie viel gemeinsam. Ihre Väter, der berühmte Poet Ai Qing und der legendäre Vizepremier Xi Zhongxun, hätten sich als Revolutionäre sehr nahe gestanden, so Ai Weiwei. Die beiden Söhne zählen zur zweiten Generation der "roten Aristokratie" in China, sind aber völlig unterschiedliche Wege gegangen.

Mit Informationen von Barbara Wiegand und Ruth Kirchner

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