Der chinesische Künstler Ai Weiwei gibt am 25.03.2014 ein Interview in seinem Pekinger Studio. (Quelle: dpa)

Vor weltgrößter Ausstellung in Berlin - Ai Weiwei lädt Chinas Staatschef ein

Ein unbequemer Künstler ist Ai Weiwei - jedenfalls in den Augen der chinesischen Staatsführung. Die lässt den Regimekritiker seit Jahren nicht mehr aus dem Land. Es ist deshalb höchst unwahrscheinlich, dass Ai Weiwei Anfang April zu seiner weltgrößten Ausstellung in Berlin kommen kann. Nun schlug der Künstler vor, Staatschef Xi Jinping solle seinen Deutschlandbesuch nutzen, um sich mit seinem Werk auseinanderzusetzen.

Der chinesische Künstler Ai Weiwei hat Staats- und Parteichef Xi Jinping in seine weltweit größte Ausstellung in Berlin eingeladen. Der Präsident könne seinen Deutschlandbesuch am Freitag und Samstag nutzen, um sich mit seinem Werk auseinanderzusetzen, sagte der 56-jährige Künstler am Mittwoch in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa in Peking.

Die Ausstellung "Evidence" wird offiziell am 3. April im Martin-Gropius-Bau eröffnet. "Wir haben sehr viel gemeinsam", sagte Ai Weiwei über sich und den Präsidenten. Beide hätten den gleichen familiären Hintergrund. Ihre Väter, der Dichter Ai Qing und Vizepremier Xi Zhongxun, seien "sehr gute Freunde" gewesen.

Ai Weiwei bescheinigte seinem Land eine "schwere Identitätskrise". Die Gründe seien die mangelnde intellektuelle Auseinandersetzung und die gewaltsame Herrschaft der Kommunistischen Partei. Die Kommunisten müssten sich demokratisch dem Volk stellen, wenn sie Legitimität bekommen wollten. "Wenn sie durch echte Wahlen gewinnen, gratuliere ich ihnen, weil es die Entscheidung des Volkes ist." Die Partei traue sich aber nicht.

Tausende Schemel symbolisieren Verlust

Die weltweit größte Ausstellung von Ai Weiwei wird am 3. April eröffnet, auf den Tag genau drei Jahre nach seiner spektakulären Verhaftung. Allerdings ist sehr unwahrscheinlich, dass der Künstler und Regimekritiker ausreisen darf. Bei seiner Festnahme 2011 wurde ihm sein Pass abgenommen, seitdem kann Ai Weiwei China nicht verlassen. Er darf zwar weiter in seinem Atelier am Pekinger Stadtrand arbeiten und seine Werke im Ausland zeigen, nicht jedoch in seinem Heimatland.

Im Martin-Gropius-Bau zeigt der Künstler Werke und Installationen, die eigens für das Gebäude entstanden sind oder noch nie in Deutschland gezeigt wurden. So werden etwa im Lichthof des Ausstellungshauses 6.000 alte Hocker aus der Ming- und Qing-Dynastie aufgereiht. Die Schemel aus nordchinesischen Dörfern sollen symbolisieren, was die Menschen bei der Landflucht in ihrer alten Heimat zurücklassen müssen und verlieren.

In einer anderen Installation werden 3.500 Flusskrebse aus Porzellan in Reih und Glied gelegt. Die Flusskrebse heißen auf Chinesisch "Hexie", was etwa ausgesprochen wird wie "Harmonie". Es ist eine ironische Anspielung auf die chinesische Propaganda-Idee der "harmonischen Gesellschaft".

Mehr zum Thema

Wols im Martin-Gropius-Bau - Die namenlosen Bilder eines verkannten Berliners

Glück war etwas, das im Leben des Berliner Künstlers, der sich "WOLS" nannte, vermutlich nicht oft vorkam. Dabei war der 1913 geborene Wolfgang Schulze hochtalentiert: Er spielte virtuos Geige, interessierte sich für Sport und Naturwissenschaft. Doch sein Leben endete früh und tragisch. Jetzt erinnert der Martin-Gropius-Bau an sein bislang fast unbekanntes fotografisches Gesamtwerk.

David-Bowie-Ausstellung im Londoner Victoria and Albert Museum (Quelle: imago)

Ausstellung über den Musiker kommt nach Berlin - Gropius-Bau rollt David Bowie den roten Teppich aus

David Bowie kehrt zurück nach Berlin - allerdings nicht auf die Bühne, sondern ins Museum: Im Martin-Gropius-Bau ist ab Ende Mai eine Ausstellung zu Ehren des Musikers zu sehen. Die Schau, die bereits in London zum Publikumserfolg wurde, blickt auf Bowies gesamtes Schaffen zurück - und nicht zuletzt auf die produktive Phase, die er Ende der 1970er Jahre nur wenige Kilometer entfernt vom Ausstellungsort hatte.