Grafik des Humboldtforums im Berliner Schloss: Idealisierte Darstellung auf Grundlage der Entwurfsplanung (Quelle: rbb/Golden Section Graphics)

Hintergrund - Wie wird das neue alte Schloss aussehen?

Seit Juni 2012 wird auf der Schlossplatzwiese gebuddelt und gegraben. Das sogenannte Humboldtforum soll das Stadtschloss beherbergen - mit Museen, Bibliotheken, Veranstaltungsräumen. Nichts Geringeres als ein Haus der Weltkulturen, Wissenschaften und Künste soll es werden - Doch wie wird das neue, alte Schloss überhaupt aussehen und für wen wird es gebaut?

Von außen soll das neue dem alten Schloss gleichen – zumindest von drei Seiten. Allein auf der östlichen Seite Richtung Spree und Alexanderplatz wird die Fassade schlicht und modern. Zur Prachtstraße Unter den Linden zeigt sich das Gebäude samt Kuppel von seiner barocken Seite.

Innen wird es eher modern zugehen: Rekonstruiert werden nur drei barocke Fassaden einer der beiden Innenhöfe, dem Schlüterhof. Andreas Schlüter hatte ab 1699 als Baumeister des preußischen Barock den Prachtbau für Preußenkönig Friedrich I. entworfen. Die Gestaltung der Innenräume dagegen wird auf die zukünftigen Nutzer abgestimmt, zu denen zwei Museen gehören. An den Details arbeiten derzeit noch die Planer für Museumsgestaltung und Möbeldesign.

Hingucker wird die Fußgängerpassage mitten durch das Gebäude sein, sie führt von Unter den Linden zum Werderschen Markt. Der Gedanke dieser Querung: Das Schloss und seine beiden Innenhöfe sollen zu einem öffentlichen Ort werden.

Wer zahlt was?

Geplante Gesamtkosten: 590 Mio. Euro

Anteil des Bundes: 478 Mio. Euro

Anteil Land Berlin: 32 Mio. Euro

Spenden (angestrebt): 80 Millionen Euro

Woher weiß man überhaupt, wie das Schloss früher aussah?

Die Baupläne zum Berliner Schloss sind bereits seit dem 18. Jahrhundert verschollen. Grundlage für die Rekonstruktion sind über 3.000 Schlossfotos aus historischen Archiven und fast 4.000 Bauakten aus allen Bauperioden des Schlosses.

Für die Rekonstruktion der Außenfassade ist das Architektenbüro Stuhlemmer & Stuhlemmer zuständig. Es hat das Archivmaterial digitalisiert, vermessen, Baupläne rekonstruiert und zahlreiche Fassadenmodelle erstellt. Das Büro hat bereits Erfahrung mit historischen Fassaden: Es war auch für die Rekonstruktion der Fassade der wieder aufgebauten Stadtkommandantur Unter den Linden zuständig, die heute die Bertelsmann-Repräsentanz ist.

Wer baut das neue Schloss wieder auf?

Bauherrin ist die Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum, sie wird später auch Eigentümerin des neuen Schlosses sein. Im 14-köpfigen Stiftungsrat stellen Vertreter des Bundestags und der Bundesregierung mit acht Sitzen die Mehrheit, hinzu kommen zwei Vertreter des Landes Berlin und jeweils die vier Entscheider der zukünftigen Nutzer, wie etwa die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Vertreter der Grünen, die zu den Kritikern der Schlossfassaden-Rekonstruktion gehören, sind nicht unter den Abgeordneten im Stiftungsrat. Eine Vertreterin der ebenfalls krtisch eingestellten Linken hat hingegen seit Amtsantritt der neuen schwarz-roten Bundesregierung Ende 2013 einen Sitz im Stiftungsrat.

Beschlossen hatte den Wiederaufbau der Bundestag bereits im Sommer 2002, damals hatte dort die Koalition aus SPD und Grünen die Mehrheit. Die öffentliche Debatte um den Wiederaufbau war rund zehn Jahre lang ausgesprochen kontrovers, die Abstimmung im Bundestag dann aber überraschend eindeutig. 384 Abgeordnete stimmten für "Schloss-Variante A". Sie besagt, dass das Schloss nach seinem historischen Vorbild gebaut wird: "Wo immer möglich, sollten historische Raumfolgen im originalen Format am alten Standort berücksichtigt werden." Antrag B - ein "offener Architekturwettbewerb, der ausdrücklich auch moderne Alternativen zulässt, das Schloss aber nicht ausschließt" – fand dagegen in der Abstimmung ohne Fraktionszwang nur 133 Anhänger. Den Architekturwettbewerb gewann 2008 der italienische Architekturprofessor Franco Stella.

Modellbild des Humboldt Forums vom Spreeufer aus (Quelle: bzz Architekten)
Zur Spree hin soll auf zwei Ebenen falniert werden.

Wie wird es rund ums Schloss aussehen?

Viel Stein und wenig Grün – so sieht es der Gewinnerentwurf für die Gestaltung der Schlossumgebung vor. Das Berliner Büro der bbz landschaftsarchitekten hatte Anfang 2013 den Wettbewerb gewonnen.

Die Nordseite Richtung Lustgarten soll den Entwürfen nach mit Stauden begrünt werden. Außerdem ist geplant, die Straße zwischen Lustgarten und Schlossplatz mit einem Plattenbelag leicht anzuheben, um sie damit in einen Übergang für Fußgänger mit Tempo-30-Zone umzuwandeln. Im Süden ist ein gepflasterter Vorplatz mit langen Bänken aus Stein vorgesehen. An der Westseite gehört das so genannte Schleusengärtchen am Freiheits- und Einheitsdenkmal zur Planung, im Osten zur Spree hin sind zwei Ebenen zum Flanieren am Wasser geplant.

Der Entwurf verzichtet darauf, historische Elemente wie den Neptunbrunnen oder die Rossebändiger an ihre alten Standorte zurückzuversetzen.

Kaiser-Wilhelm-Brücke mit Stadtschloss und Schlossapotheke, koloriertes Foto um 1900 (Quelle: dpa)
Hier wurde nachkoloriert: Die Kaiser-Wilhelm-Brücke mit Stadtschloss um 1900.

Für wen wird das neue Schloss wieder aufgebaut?

Deutschlands größtes Kulturbauvorhaben - unter diesem Schlagwort wird der Wiederaufbau des Schlosses derzeit gehandelt. Beherbergen soll es in Zukunft das Humboldtforum. Dahinter steckt weniger ein einzelner Nutzer als ein Nutzungskonzept. Namensgeber sind die Gebrüder Humboldt: Alexander, der weitgereiste Forscher, und Wilhelm, der Universalgelehrte. Sie sollen für die Idee eines Hauses der Weltkulturen, der Wissenschaften und der Künste stehen.

Mehrere Museen und Bibliotheken sollen im Schloss Platz finden: Das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst ziehen aus Dahlem nach Mitte und damit näher an die erhofften Besucherströme. Im ersten Stock ziehen die Wissensarchive dieser Museen ein, außerdem ein Teil der Zentral- und Landesbibliothek Berlin und eine Sammlung der Humboldt-Universität.

Auf dem Dach ist auf der Nordwestecke mit Blick auf den Lustgarten ein Dachrestaurant geplant, das mit privaten Mitteln finanziert werden soll. Interessenten gab es dafür bis zur Grundsteinlegung noch nicht und auch kein Beschluss vom Stiftungsrat. Im Erdgeschoss werden unter anderem ein Auditorium mit 690 Plätzen und ein Multifunktionssaal mit 520 Plätzen untergebracht. Diese sollen für Kongresse, Konzerte, Lesungen, Bankette und ähnliches genutzt werden.

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