Wilhelm von Boddien, Manfred Rettig und Franco Stella (v.l.) in der Schlossbauhütte des Berliner Schlosse (Bild: dpa)

Hinter den Kulissen - Wer sind die neuen Schlossherren?

Sie entscheiden nun über das neue Schloss: Der Architekt Franco Stella hat es entworfen, Manfred Rettig ist der Manager am Bau und Wilhelm von Boddien muss noch immer das Geld eintreiben.

Drei Männer haben beim Wiederaufbau des Berliner Schlosses das Sagen: Der Spendensammler, der Architekt und der Geschäftsführer der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum.

Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss (dpa-Archivbild).
Schlossfan und Spendensammler: Wilhelm von Boddien.

Der Spendensammler: Wilhelm von Boddien

Ohne ihn wäre die Sache nie ins Rollen gekommen: Wilhelm von Boddien gründete 1992 den Förderverein Berliner Schloss. Als dessen jetziger Geschäftsführer ist der Kaufmann nun dafür verantwortlich, dass die zugesagten 80 Millionen Euro Spenden für die Rekonstruktion der Barockfassade in die Kasse kommen. Geboren in Stargard (Hinterpommern) lebt er seit der Flucht 1945 in Hamburg.

Boddiens Interesse am Schloss begann vor Jahrzehnten als Hobby, doch mit dem Mauerfall sah der Preußenfan die Chance für einen Wiederaufbau. 1993/1994 landete er einen Marketing-Coup, als eine auf Plastikfolien gemalte 1:1-Attrappe des ehemaligen Berliner Schlosses der Baumeister Andreas Schlüter und Eosander von Göthe vor den Palast der Republik setzen ließ. Seitdem kämpfte er mit zäher Ausdauer für den Wiederaufbau und ließ sich von Kritikern dafür bisweilen als "das Schlossgespenst" titulieren. Seinen Erfolg verdankt er seiner guten Vernetzung mit bedeutenden Persönlichkeiten aus allen Bereichen der Gesellschaft.

Der italienische Architekt Franco Stella, Gewinner des Berliner Schlosswettbewerbes; Quelle: rbb
Noch hängt das neue alte Schloss an der Wand: Der Architekt Stella vor seinen Entwürfen.

Der Architekt: Franco Stella

Franco Stella ist der Architekt des neuen Schlosses. 2008 gewann er den vom Bundestag ausgeschriebenen Wettbewerb. Bis dahin war der italienische Architekturprofessor aus Genua allenfalls in Fachkreisen bekannt, dennoch schlug er den renommierten Architekten Hans Kohlhoff, einer der Bauherren des Potsdamer Platzes. Stella hatte sich sehr genau an die gestalterischen Vorgaben des Parlaments und an den vorgegebenen Kostenplan gehalten. 2009 kam es allerdings noch zu einem juristischen Intermezzo: Auf Nachfrage des Zweitplatzierten Kohlhoff entschied das Kartellamt, dass Stella die Mindestanforderungen für den Wettbewerb nicht erfüllt habe. Es hieß, er habe zum Zeitpunkt der Bewerbung nur einen Mitarbeiter gehabt. Später löste ein Gericht den Fall, indem es eine Nachbesserung des Vertrages zuließ. Für das Projekt Schloss hat Stella nun eine Projektgemeinschaft gegründet, und zwar mit den etablierten Architekturbüros Hilmer, Sattler und Albrecht sowie von Gerkan, Marg & Partner (gmp). Letztere sind übrigens auch führend an Planung und Bau des neuen Flughafens BER beteiligt.
Schlossbauhütte Spandau (rbb/Lenz)
Er schaut auf die Zahlen: Stiftungschef Rettig.

Der Manager am Bau: Manfred Rettig

Manfred Rettig ist der Geschäftsführer der Stiftung Berliner Schloss- Humboldtforum. Er ist der zuständige Baumanager des Projektes und muss dafür sorgen, dass Kosten und Termine eingehalten werden. Rettig ist von Haus aus Architekt. Unter dem früheren Bundesbauminister Klaus Töpfer (CDU) stemmte er in den 90er- Jahren erfolgreich den Regierungsumzug von Bonn nach Berlin. Von 2001 bis 2009 war Rettig als Geschäftsführer bei der Bundesbaugesellschaft unter anderem für die Mängelbeseitigung im Parlamentsviertel zuständig.

Die Chronologie des Berliner Stadtschlosses

RSS-Feed
  • 1443 

    -

    Beginn der Arbeiten an einer Burg, welche die Handelswege auf der Spreeinsel kontrollieren soll. Im darauffolgenden Jahrhundert wird die Burg wieder abgetragen und durch erste Schlossbauten ersetzt.

  • 1701 

    -

    König Friedrich I. lässt das Stadtschloss zu einer prunkvollen Königsresidenz ausbauen.

  • 1850 

    -

    Das Schloss wird ergänzt um einen Kuppelbau nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel.

  • 1918 

    -

    Karl Liebknecht ruft vom Balkon des Stadtschlosses die "sozialistische deutsche Republik" aus.

  • 1945 

    -

    Durch den Einschlag mehrerer Bomben brennt das Schloss drei Tage lang.
    Ein Großteil des Komplexes wird zerstört; übrig bleiben nur Außenmauern und tragende Wände.

  • 1950 

    -

    Sprengung des Schlosses durch die DDR-Führung, die in dem Gebäude ein Symbol für den preußischen Militarismus sah. An die Stelle des Schlosses tritt der Marx-Engels-Platz als Aufmarschfeld.

  • 1976 

    -

    Auf dem Gelände des Schlosses wird nach knapp dreijähriger Bauzeit der Palast der Republik feierlich eröffnet.

  • 1990 

    -

    Im August stimmt die erste frei gewählte Volkskammer für den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik. Im September entscheidet die Volkskammer, dass der Palast wegen Asbests geschlossen werden muss.

  • 1992 

    -

    Der Hamburger Kaufmann Wilhelm von Boddien gründet den Förderverein Berliner Schloss e. V.. Sein Ziel: Die historische Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses.

  • 1994 

    -

    Der Förderverein Berliner Stadtschloss e.V. errichtet eine Schloss-Simulation aus bemalter Plane.

  • 2000 

    -

    Bundesregierung und Bundesrat setzen eine "Kommission Historische Mitte Berlin" ein.
    Nach zwei Jahren schlägt das Gremium unter anderem den Wiederaufbau von zumindest drei der Schlossfassaden vor.

  • 2002 

    -

    Mit großer Mehrheit folgt der Bundestag der Empfehlung der Kommission und beschließt die Rekonstruktion der Schlossfassade rund um ein neu zu errichtendes "Humboldt-Forum".

  • 2002 

    -

    Im November 2003 bekräftigt das Parlament den Beschluss und legt fest, dass der Abriss des Palastes der Republik im Auftrag gegeben werden soll.

  • 2003-2005 

    -

    Vor dem Abriss wird der Palast der Republik kulturell genutzt: etwa für das Festival Volkspalast oder eine Ausstellung originalgetreuer Kopien der chinesischen Terrakotta-Armee.

  • 2006 

    -

    Am Palast der Republik beginnen die Abrissarbeiten. Vorausgegangen war eine jahrelange Diskussion über den Umgang mit dem baulichen Erbe der DDR.

  • 2008 

    -

    Am 2. Dezember werden die letzten Reste des Palastes der Republik zum Einsturz gebracht und abstransportiert. Außerdem ist der Architektenwettbewerb entschieden: Das Stadtschloss soll nach den Plänen des Italieners Franco Stella wieder aufgebaut werden.

  • 2009 

    -

    Die von der Bundesregierung gegründete Stiftung Berliner Schloss - Humboldt-Forum nimmt ihre Arbeit auf. Sie ist Bauherrin des Projekts. Architekt Franco Stella erhält nach einem langwierigen Streit einen neuen Vertrag.

  • 2010 

    -

    Der Bau des Informationszentrums zum Schlossprojekt ("Humboldt-Box") beginnt. Anfang Juni beschließt das Bundeskabinett wegen Sparzwängen, den Baubeginn für das Schloss von 2011 auf 2014 zu verschieben. Daraufhin friert auch das Land Berlin seine Mittel ein.

  • 2011 

    -

    Der Haushalstausschuss des Bundestags macht den Weg für das Projekt frei. Dabei setzten die Abgeordneten die Kostenobergrenze von zuerst 552 auf 590 Millionen fest. Am 30. Juni 2011 wird die Infobox zu Homboldtforum eröffnet, hier können sich Interessierte über das geplante Humboldt-Forum und über den Baufortschritt zu informieren.

  • 2012 

    -

    Für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses beginnen am 21. Juni 2012 die Arbeiten an der Baugrube.

  • 2013 

    -

    Am 12. Juni 2013 legt Bundespräsident Joachim Gauck offiziell den Grundstein für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses in Form des Humboldt-Forums. 2019 soll der Bau fertig sein.

Mehr zum Thema

Abrissarbeiten am Palast der Republik (Archivfoto 2008, Quelle: dpa)

Historie - Vom Schloss zum Palast - und zurück

Ironie der Geschichte: 1950 ließ die DDR-Führung die Überreste des Berliner Schlosses sprengen. An seiner Stelle thronte ab den 70er Jahren der Palast der Republik. Doch auch dieser ist inzwischen Geschichte. Eine Chronologie in Bildern.

Polier Nizamettin Colak (li.) koordiniert die verschiedenen Gewerke auf der Baustelle.

Die rbb Reporter - Wir bauen ein Schloss

Mitte Juni wird der Grundstein für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses gelegt. Das größte Kulturbauvorhaben in Deutschland setzt neue Maßstäbe, außen bis auf die Ost-Fassade ein täuschend echter Nachbau des barocken Schlosses, innen ein Neubau, ausgestattet mit modernster Technologie.