
Schloss-Debatte - Monarchisten gegen Modernisten?
Der Streit zwischen Schloss-Befürwortern und Gegnern war bisweilen verbissen. Worum ging es dabei eigentlich? Und was ist mit dem Palast der Republik passiert? Ein Rückblick auf die Debatten rund ums Berliner Stadtschloss.
Schon 1992 initiierte Wilhelm von Boddien, ein Kaufmann aus der Nähe von Hamburg, den "Förderverein Berliner Schloss". Ein Jahr später ließ er neben dem Palast der Republik, der in den 1970er Jahren von der DDR-Regierung an der Stelle des 1950 abgerissenen Schlosses errichtet worden war, eine Schloss-Attrappe aus goldgelb bemalter Plastikfolie und Metallgerüsten errichten. Damit setzte von Boddien die Debatte in Gang.
Worum ging es eigentlich in der Schloss-Debatte?
Eine der Konfliktlinien verlief zwischen Tradition und Moderne: Seine Gegner warfen Boddien vor, ein "Dunkelmann der Reaktion" zu sein, auf Protestplakaten gegen den Wiederaufbau hieß es: "Und wann kommt der König?" Peter Conradi verlangte als damaliger Präsident der Architektenkammer ein Gebäude, das "unserem Zeitgeist" entspricht. Zumal kaum Reste des Originals erhalten waren und somit von Denkmalpflege keine Rede sein konnte.

Die Mehrheit im Bundestag entschied 2002 dennoch pro Schloss. Preußenfan Boddien hatte emsige Lobbyarbeit geleistet. Die Fraktionen der Union und der FDP votierten nahezu einstimmig für das Schloss, in der SPD-Fraktion war knapp die Hälfte für die barocken Fassaden, darunter Wolfgang Thierse als ausgesprochener Schlossliebhaber. Bei den Grünen war ein Viertel für den Wiederaufbau, und selbst in der damaligen PDS-Fraktion waren zwei Abgeordnete aus Sachsen für den Wiederaufbau.

Zwischennutzung: Kunst im Palast der Republik
2004 erhielten Künstler die Erlaubnis, den Rohbau "zwischen zu nutzen". Als "Volkspalast" lud der Rohbau zu Konzerten, Ausstellungen und Theaterstücken. Das Zusammenspiel von Kunst mit der imposanten Szenerie des entkernten Gebäudes mit seinen riesigen Stahlträgern und leeren Hallen beeindruckte die Besucher und gab noch einmal Hoffnung.
So starteten die Grünen und die Linken 2006 im Bundestag einen letzten Versuch: Sie wollten ein Abriss-Moratorium durchsetzen. Gregor Gysi (Linke) warnte davor, durch den Abriss "Sieger und Verlierer" zu kreieren, und er wartete mit einem Kompromissvorschlag auf: Der vom Asbest befreite Rohbau des Palastes sollte erhalten und Elemente des früheren Stadtschlosses integriert werden. Union, SPD und FDP lehnten jedoch ab und der Palast wurde endgültig abgerissen.
Danach kehrte oberflächlich Ruhe ein. Allein Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) nimmt ja bekanntlich kein Blatt vor den Mund und verkündete im Februar 2013: "Ich würde es nicht wieder aufbauen", so Schmidt in der "Zeit". "Ich frage mich ganz grundsätzlich: Was soll das eigentlich?“
Was ist mit dem Palast der Republik passiert?

1990 schloss die erste frei gewählte Volkskammer der DDR den Palast wegen Asbestbelastung. Von 1998 bis 2003 wurden anschließend die Asbesteinbauten entfernt, ohne dass zu diesem Zeitpunkt die politisch umstrittene Frage von Weiternutzung oder Abriss entschieden gewesen wäre. Erst nach einem entsprechenden Beschluss des Deutschen Bundestags von 2003 wurde das Bauwerk von Anfang Februar 2006 bis Anfang Dezember 2008 schrittweise abgerissen.




