
Wer sagt was? - "Berlin braucht vieles, aber kein Barockschloss"
Großer Bahnhof am 12. Juni 2013 in Berlin-Mitte: Die Grundsteinlegung des Berliner Schlosses. Viele melden sich zu Wort - auch die Gegner. Die Linke hält den Wiederaufbau für Geldverschwendung. Wer sagt was?
Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss
"Der Tag der Grundsteinlegung ist für mich ein unglaublich glücklicher Tag. Nach 20 Jahren harter Arbeit sind wir fast am Ziel."

Ramsauer: Es könnte sogar günstiger werden
Der Bundesbauminister gibt einen Großteil des Geldes für den Wiederaufbau: Der Bund zahlt 478 der veranschlagten 590 Millionen Euro. Bei der Grundsteinlegung im Juni 2013 hatte dieses Amt noch Peter Ramsauer (CSU) inne.
Nach seiner Einschätzung könnte es sogar billiger werden: Man habe beim Stadtschloss ein "eisernes Kostenkorsett, das wir im Moment sogar leicht unterschritten haben."
"Wir geben nach den Jahrzehnten der Teilung der Deutschen Hauptstadt die kulturelle Mitte, das kulturelle Herz wieder zurück, […] ein Stück Identität auch für uns Deutsche insgesamt."

Baumanager Rettig: Herzensangelegenheit aller Deutschen
Vorstand der Stiftung Berliner Schloss - Humboldtforum, Manfred Rettig. Er ist der Manager am Bau.
"Es wird eine Herzensangelegenheit aller Deutschen werden."
"Wenn solche Baumaßnahmen erst mal abgeschlossen sind, und die Menschen sehen, was da entstanden ist, dann wird die Begeisterung groß sein, davon bin ich überzeugt."
"Wenn sie sich vergleichbare Objekte ansehen, also zum Beispiel die Frauenkirche in Dresden oder andere Projekte, die privat mitfinanziert wurden, die standen zum Zeitpunkt der Grundsteinlegung nie so gut da mit den Spendeneinnahmen, wie unser Projekt."
Luc Jochimsen: "Attrappe ohne Inhalt"
Stefan Liebich, Sprecher der Berliner Landesgruppe der Linken im Bundestag
"Berlin braucht vieles, aber kein Barockschloss. Der Beschluss, den SPD, Grüne, CDU/CSU und FDP 2002 im Bundestag gegen die Stimmen der PDS gefasst haben, kommt uns heute teuer zu stehen. Die Kosten von mindestens 600 Millionen Euro sollen wegen der extrem geringen Spendenbereitschaft für die barocke Fassade fast ausschließlich vom Steuerzahler getragen werden."
Luc Jochimsen, die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag
"Hier wird die einzigartige Chance vertan, im Herzen der Bundeshauptstadt ein für alle Bürgerinnen und Bürger offenstehendes hochmodernes Kulturzentrum zu errichten." Das Bauprojekt sei "eine Attrappe ohne Inhalt".

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Berlin trägt einen Anteil von 32 Millionen Euro
"Das Schloss ist eine riesige Chance für Berlin. [...] Wenn es dann erst einmal zu sehen ist, dann wird die Akzeptanz auch größer werden."
"Wir wissen alle, dass hier etwas gefehlt hat."
Bei der Finanzierung nimmt der Bürgermeister den Bund in die Pflicht:
"Falls ein Betrag fehlen sollte, muss das aus Bundesmitteln ausgeglichen werden."
Und die Kanzlerin...?
Die Bundesregierung hat Spekulationen zurückgewiesen, dass sich Kanzlerin Angela Merkel vom Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses distanziert habe.
Regierungssprecher Steffen Seibert versicherte bei der Grundsteinlegung im Juni 2013, dass es sich bei dem Projekt nach Ansicht der Bundesregierung "um eines der bedeutendsten Kulturvorhaben in Deutschland handelt".





