Grafik des Humboldtforums im Berliner Schloss: Idealisierte Darstellung auf Grundlage der Entwurfsplanung (Quelle: rbb/Golden Section Graphics)

Humboldtforum soll 2019 öffnen - Berlin baut sich ein neues, altes Schloss

Es gibt kein Zurück mehr: Bundespräsident Joachim Gauck hat Anfang Juni den Grundstein für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses gelegt. Die Diskussion um die Finanzierung wird weitergehen.

Anfang des Jahres war noch einmal der Ruf nach einem Baustopp aufgekommen: Arbeiter hatten in der Baugrube des künftigen Berliner Stadtschlosses kleinere Kohlevorkommen entdeckt. Daraufhin wollten die Berliner Grünen die Bagger stoppen, um den Baugrund gründlich zu untersuchen. Doch die Kohlevorkommen waren den Bauherren bereits bekannt und die Kosten für das Entfernen der Kohle schon eingepreist.
Bundespräsident Joachim Gauck legte den Grundstein für den Wideraufbau des Berliner Schlosses (Bild: dpa)
Bundespräsident Gauck beim traditionellen Hammerschlag.

Nun hat Bundespräsident Joachim Gauck also den Grundstein für den Wiederaufbau der früheren Residenz der Preußenkönige gelegt. Das Schloss werde ein lebendiger Ort der Weltkulturen werden, sagte Gauck beim traditionellen Hammerschlag Anfang Juni. Mit dem sogenannten Humboldtforum soll hinter der historischen Fassade ein Ort der Weltkulturen und der Wissenschaft entstehen. Gezeigt werden dann auch Schätze der außereuropäischen Kulturen aus den Berliner Museen. 2019 soll der Bau fertig sein.

Das Schloss ist eine riesige Chance für Berlin. [...] Wenn es dann erst einmal zu sehen ist, dann wird die Akzeptanz auch größer werden.

Klaus Wowereit

Umfrage: Nur 30 Prozent sind für den Wiederaufbau

Das Schloss hatte immer wieder für Widerstände gesorgt: "Und wann kommt der König", hieß es auf Protestplakaten gegen den Wiederaufbau. Die DDR hatte die Kriegsruine 1950 als Symbol Preußens sprengen lassen. Viele Schlossgegner sprachen sich nun dafür aus, den an fast gleicher Stelle errichteten Palast der Republik zu erhalten. Auch dieser sei Teil der deutschen Geschichte.

Befürworter sehen das Schloss dagegen als krönenden Abschluss der preußischen Prachtmeile "Unter den Linden": Gegenüber steht die Staatsoper, ganz in der Nähe die Humboldt-Universität und die ebenfalls rekonstruierte Stadtkommandantur.

Eine Umfrage von Anfang Juni ist eindeutig: Zwei Drittel der Deutschen lehnen den Wiederaufbau ab, 30 Prozent sind dafür, fünf Prozent äußerten keine Meinung, so die Ergebnisse einer repräsentativen Forsa-Erhebung im Auftrag des Magazins "stern".

Der Bund zahlt den Löwenanteil...

Heiß debattiert wurde auch immer die Finanzierung. Insgesamt soll das Berliner Schloss 590 Millionen Euro kosten, Preissteigerungen nicht mitgerechnet. Der Bund wird davon den weit größten Anteil tragen, nämlich 478 Millionen. Das Land Berlin soll nur 32 Millionen Euro beisteuern und der Föderverein Berliner Schloss rund um Hauptinitiator Wilhelm von Boddien hat insgesamt 80 Millionen Euro zugesagt.

...und wenn es mehr wird, zahlt auch der Bund (Wowereit)

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sieht den Bund auch dann in der Pflicht, wenn das Humboldtforum teurer als geplant werden sollte. Falls ein Betrag fehlen sollte, müsse das aus Bundesmitteln ausgeglichen werden, sagte Wowereit dem rbb anlässlich der Grundsteinlegung und wies darauf hin, dass der Bau nicht von Berlin, sondern von der Bundesrepublik Deutschland durchgeführt werde.

Klar sei auch, dass der Bund die finanzielle Verantwortung für die historische Außenfassade trage, die durch Spenden finanziert werden soll. Es könne nicht das Ergebnis sein, dass man die Fassade "halb fertig" lasse, sagte Wowereit. Der Bau müsse natürlich vollendet werden.

Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss (dpa-Archivbild).
Spendensammler Wilhelm von Boddien

Erst 26,8 Millionen von 80 Millionen Euro gespendet

Was die Spendensammlung betrifft, äußern sich alle Beteiligten beharrlich mit Zuversicht. Tatsächlich sind nach Angaben des Fördervereins allerdings erst 26,8 Millionen (Stand: 1. Juni 2013) der angestrebten 80 Millionen Euro erreicht. Anlässlich der Grundsteinlegung erklärte Spendensammler Wilhelm von Boddien, dass er außerdem Zusagen von fast 15 Millionen Euro habe.

Aber auch nach seiner Einschätzung muss sich angesichts dieser Zahlen der Eingang noch deutlich beschleunigen. Denn "der Geldbedarf wird sich durch den Baufortschritt dramatisch steigern", so Boddien.

Das Schloss steht auf unsicherem Grund

Bleibt noch der unsichere Baugrund, den auch die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus beim Kohlefund fürchteten. Er hatte schon einem der ursprünglichen Planer des historischen Stadtschlosses Probleme bereitete: 1702 entwarf Andreas Schlüter den gigantischen Münzturm mit einer Höhe von 100 Metern nahe dem Berliner Schloss. Mitte 1706 erwiesen sich die konstruktiven Mängel des fast fertig gebauten Turms allerdings als so katastrophal, dass dessen Einsturz nur mit dem sofortigen Abtragen vorgebeugt werden konnte. Schlüters Karriere als Bauherr des preußischen Barock war damit praktisch beendet.

Die Chronologie des Berliner Stadtschlosses

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    - 1443

    Beginn der Arbeiten an einer Burg, welche die Handelswege auf der Spreeinsel kontrollieren soll. Im darauffolgenden Jahrhundert wird die Burg wieder abgetragen und durch erste Schlossbauten ersetzt.

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    - 1701

    König Friedrich I. lässt das Stadtschloss zu einer prunkvollen Königsresidenz ausbauen.

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    - 1850

    Das Schloss wird ergänzt um einen Kuppelbau nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel.

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    - 1918

    Karl Liebknecht ruft vom Balkon des Stadtschlosses die "sozialistische deutsche Republik" aus.

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    - 1945

    Durch den Einschlag mehrerer Bomben brennt das Schloss drei Tage lang.
    Ein Großteil des Komplexes wird zerstört; übrig bleiben nur Außenmauern und tragende Wände.

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    - 1950

    Sprengung des Schlosses durch die DDR-Führung, die in dem Gebäude ein Symbol für den preußischen Militarismus sah. An die Stelle des Schlosses tritt der Marx-Engels-Platz als Aufmarschfeld.

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    - 1976

    Auf dem Gelände des Schlosses wird nach knapp dreijähriger Bauzeit der Palast der Republik feierlich eröffnet.

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    - 1990

    Im August stimmt die erste frei gewählte Volkskammer für den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik. Im September entscheidet die Volkskammer, dass der Palast wegen Asbests geschlossen werden muss.

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    - 1992

    Der Hamburger Kaufmann Wilhelm von Boddien gründet den Förderverein Berliner Schloss e. V.. Sein Ziel: Die historische Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses.

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    - 1994

    Der Förderverein Berliner Stadtschloss e.V. errichtet eine Schloss-Simulation aus bemalter Plane.

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    - 2000

    Bundesregierung und Bundesrat setzen eine "Kommission Historische Mitte Berlin" ein.
    Nach zwei Jahren schlägt das Gremium unter anderem den Wiederaufbau von zumindest drei der Schlossfassaden vor.

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    - 2002

    Mit großer Mehrheit folgt der Bundestag der Empfehlung der Kommission und beschließt die Rekonstruktion der Schlossfassade rund um ein neu zu errichtendes "Humboldt-Forum".

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    - 2003

    Im November 2003 bekräftigt das Parlament den Beschluss und legt fest, dass der Abriss des Palastes der Republik im Auftrag gegeben werden soll.

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    - 2003-2005

    Vor dem Abriss wird der Palast der Republik kulturell genutzt: etwa für das Festival Volkspalast oder eine Ausstellung originalgetreuer Kopien der chinesischen Terrakotta-Armee.

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    - 2006

    Am Palast der Republik beginnen die Abrissarbeiten. Vorausgegangen war eine jahrelange Diskussion über den Umgang mit dem baulichen Erbe der DDR.

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    - 2008

    Am 2. Dezember werden die letzten Reste des Palastes der Republik zum Einsturz gebracht und abstransportiert. Außerdem ist der Architektenwettbewerb entschieden: Das Stadtschloss soll nach den Plänen des Italieners Franco Stella wieder aufgebaut werden.

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    - 2009

    Die von der Bundesregierung gegründete Stiftung Berliner Schloss - Humboldt-Forum nimmt ihre Arbeit auf. Sie ist Bauherrin des Projekts. Architekt Franco Stella erhält nach einem langwierigen Streit einen neuen Vertrag.

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    - 2010

    Der Bau des Informationszentrums zum Schlossprojekt ("Humboldt-Box") beginnt. Anfang Juni beschließt das Bundeskabinett wegen Sparzwängen, den Baubeginn für das Schloss von 2011 auf 2014 zu verschieben. Daraufhin friert auch das Land Berlin seine Mittel ein.

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    - 2011

    Der Haushalstausschuss des Bundestags macht den Weg für das Projekt frei. Dabei setzten die Abgeordneten die Kostenobergrenze von zuerst 552 auf 590 Millionen fest. Am 30. Juni 2011 wird die Infobox zu Homboldtforum eröffnet, hier können sich Interessierte über das geplante Humboldt-Forum und über den Baufortschritt zu informieren.

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    - 2012

    Für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses beginnen am 21. Juni 2012 die Arbeiten an der Baugrube.

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    - 2013

    Am 12. Juni 2013 legt Bundespräsident Joachim Gauck offiziell den Grundstein für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses in Form des Humboldt-Forums. 2019 soll der Bau fertig sein.

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