
Im Schatten des Humboldtforums - Rund ums Stadtschloss sind noch viele Baustellen offen
Der Wiederaufbau des Stadtschlosses läuft: Mehrere Kräne ragen neben der Humboldt-Box in die Höhe, Betonfundamente wachsen und Bagger rollen. Doch auch rund um das zukünftige Humboldtforum gibt es offene Baustellen mit Brisanz: Was ist eigentlich mit dem Einheitsdenkmal, der Bronze-Statue von Marx und Engels und dem geplanten Wiederaufbau der Bauakademie?
Kraftstrotzend gab sich bis 1950 das Reiterdenkmal des ersten Deutschen Kaisers Wilhelm I. vor dem Berliner Stadtschloss: Neun Meter hoch, umgeben von Siegesgöttinnen, Löwen und mit der kaiserlichen Pickelhaube. Dann ließ die SED die Statue bis auf ihren Sockel abtragen. Genau hier soll nun ein Denkmal zu Ehren der friedlichen Revolution von 1989 entstehen, das sogenannte Einheitsdenkmal.
Wann kommt das Einheitsdenkmal?
Eigentlich sollte der Grundstein zum 20. Jubiläum der friedlichen Revolution – also 2009 - liegen. Doch unzählige Debatten, ein gescheiterter Wettbewerb und ein Streit zwischen den kreativen Machern verzögerte das Ganze. Nun soll es bis 2015 fertig werden, einen konkreten Termin für die Grundsteinlegung gibt es allerdings noch immer nicht.
Zuletzt sorgte eine besondere Art von Fledermäusen für Aufruhr: Im Sockelgewölbe des Reiterdenkmals für Kaiser Wilhelm I. wurde Ende Februar ein Völkchen von seltenen Wasserfledermäusen entdeckt. Nun soll ein mit verschiedenen Behörden abgestimmtes Programm helfen, den angestammten Lebensraum der Tiere zu retten. Die Beobachtung der Tiere mit GPS-Sendern hatte gezeigt, dass sie von ihrem Domizil am Berliner Schlossplatz immer wieder Ausflüge in den nahen Plänterwald im Bezirk Treptow-Köpenick unternehmen. Deshalb werden dort "Ausgleichsquartiere" geschaffen. Wenn die Bauarbeiten auf dem Schlossplatz abgeschlossen sind, sollen die Fledermäuse wieder in die dortigen Kellergewölbe zurückkehren.
Auch Mosaike aus der Kaiserzeit, die auf dem Sockel entdeckt wurden und sichtbar bleiben sollen, könnten unter Umständen zu Verzögerungen der Genehmigung des Denkmals führen.

Bürgerdenkmal statt Staatsmonument
Ein Team aus vier Männern aus Ost und West war es, das mit einem öffentlichen Rundbrief 1998 den Anstoß für das Einheitsdenkmal gab: Lothar de Maizère, der erste demokratisch gewählte Ministerpräsident der DDR und damit zugleich ihr letzter; der DDR-Bürgerrechtler Günter Nooke; der Architekt Florian Mausbauch, der damals für die Bundesbauten in Bonn und Berlin verantwortlich war; und der Journalist Jürgen Engert. Es soll "kein repräsentatives Staatsmonument sein, sondern ein Bürgerdenkmal", ein Denkmal, das "die befreiende Freude zum Ausdruck bringt, die der Mauerfall ausgelöst hat", so die damalige Idee.
Erste Wettbewerbsrunde scheiterte
2007 war auch der Bundestag überzeugt und beschloss den Bau eines nationalen Freiheits- und Einheitsdenkmals. Doch eine offener Wettbewerb 2009 scheiterte: Von 533 Entwürfen war der Jury keiner gut genug. Jury-Mitglied und Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) sagte damals Spiegel online: "Guten Gewissens kann man hier nichts empfehlen." Unter den Teilnehmern waren wenig bekannte Namen, dafür viel Absurdes zu finden, so wie die gigantischen Goldbananen. Doch am weitesten ging Horst Hoheisel aus Kassel: Er baute das alte Nationaldenkmal mit Kaiser Wilhelm einfach wieder im Original nach. Das passe am besten zum benachbarten "blöden Schloss".
Im zweiten Anlauf – ein nichtoffener Wettbewerb im Februar 2010 – konnte sich die Stuttgarter Agentur Milla zusammen mit der Choreographin Sasha Waltz durchsetzen. Sie wollen eine 50 Meter lange Schale auf den Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Denkmals wuchten. Wenn einige Dutzend Menschen hinaufklettern, bewegt sich die Skulptur. Die Botschaft dahinter: Nur gemeinsam können wir einen Staat oder eine Gesellschaft in Bewegung halten.

Streit der Kreativen: Waltz steigt aus
Doch noch einmal tut sich hinter den Kulissen Zwietracht auf: Bei der Überarbeitung ihres gemeinsamen Entwurfs geraten die Agentur Milla und Sasha Waltz in Streit. Dabei ging es nicht nur um praktische Probleme der Bauausführung, sondern auch um ästhetische Fragen. Die Künstlerin Sasha Waltz stellte sich nun eine unbewegliche Schale vor, flacher und eleganter als das ursprüngliche Modell. Milla hält jedoch an der Schaukel fest, seine Variante ist robuster, plumper. Gestritten wird auch um die Größe der Schrift, die auf dem Riesenspielzeug verkünden soll: „Wir sind das Volk/Wir sind ein Volk.“ Schließlich entscheidet die Bundesregierung und gibt Milla den Zuschlag.




