Die Baustelle des neuen Berliner Stadtschlosses von Westen aus gesehen (Quelle: rbb/Annette Bräunlein)

Ausstellungspläne für das Berliner Humboldt-Forum - Jahrtausendealte Kulthöhle unter der Schlosskuppel

Von außen ist schon ganz gut zu erkennen, wie sich das neue Berliner Stadtschloss einmal präsentieren wird. Doch wie ist es aktuell im Innern - und vor allem: Wie soll es dort einmal aussehen, wenn das Humboldt-Forum fertig ist? Die Staatlichen Museen zu Berlin gewähren Einblicke in Räume, in die weltberühmte Ausstellungsobjekte einziehen sollen. Von Barbara Wiegand

Drei Stockwerke ragt das neue alte Berliner Stadtschloss in die Höhe: mächtig, unübersehbar – auf einer Fläche, auf der 400 Einfamilienhäuser Platz fänden. Doch drinnen ist es für eine solche Großbaustelle erstaunlich ruhig. "Wir arbeiten mehr an der Fassade aktuell", erklärt Tim Ventimiglia vom Architekturbüro Ralph Appelbaum Associates, das die Räume der Staatlichen Museen zu Berlin gestaltet. "Der Innenausbau kommt später. Ziel ist, das Gebäude zu schließen." Ventimiglias Blick schweift derweil über die spiegelnde Oberfläche einer Pfütze, die sich am Boden im Erdgeschoß gebildet hat. "Ja, das ist schon die erste Installation hier, zum Eislaufen oder zum Schwimmen", sagt er und lacht.

Die Pfütze kommt auch deshalb so kunstvoll zur Wirkung, weil der Saal ansonsten ganz leer ist. Genau wie die übrigen Räume präsentieren sich die Wände noch roh, teilweise gar löchrig. Denn während man außen alles "dicht" macht, ist innen ist vieles noch offen - im übertragenen wie im wörtlichen Sinn. Blickt man etwa am Fuß der großen Freitreppe nach oben, entdeckt man große Öffnungen im Beton. So groß, dass ein Doppeldeckerbus hindurch passen würde. "Das sind die Einbringungslöcher für Großexponate", so Architekt Ventimiglia. "Die werden später geschlossen."

Es soll mehr als in Dahlem um Kontexte gehen

Großexponate, das sind unter anderem die Boote aus der Südsee - Einbäume, Katamarane -, die in einem von zwei eingebauten Kuben vor Anker gehen. Vom ersten bis zum zweiten Stock erstrecken sich diese fensterlosen Säle. Darin soll es neben der reinen Bootsschau künftig mehr noch als in Dahlem um Kontexte gehen, erklärt Monika Zessnik vom Ethnologischen Museum. "Hier werden wir den fast den gleichen Objektbestand ausstellen, aber das Ganze auch ein bisschen flexibler begehbar machen; mit einem Schwerpunkt auf den Themen Navigation, Orientierung", so die Kuratorin. "Für die Kulturen der Südsee ist Seefahrt immer ein zentrales Thema gewesen."

Noch bevor die anderen 24.000 Objekte aus den Dahlemer Museen nach Mitte verbracht werden, ziehen bis 2018 also die großen Objekte um. Wenn dann die Einbringungsöffnungen geschlossen sind, sind auch die Kuben vom ersten Stock aus nicht mehr zugänglich. Hinein kommt man künftig nur von oben, vom Ethnologischen Museum aus, das im zweiten Stock einziehen wird. Vielleicht zu abgelegen für manchen von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit eilenden Berlin-Besucher.

"Die Leute bis ganz nach oben zu ziehen, ist natürlich zentral", sagt Kuratorin Monika Zessnik. Deshalb sei es ihr und ihren Kollegen ein großes Anliegen gewesen, dass auch Rolltreppen eingebaut werden. "Weil wir wissen, dass Aufzuglösungen alleine nicht optimal funktionieren." Und die Hemmschwelle, drei Treppen nach oben zu steigen, natürlich hoch sei, selbst, wenn die Besucher das gesundheitlich gut können.

Höhepunkte und Premieren - aber kein Schwimmbad fürs Schloss

Verschiedene Perspektiven auf die Ausstellungsstücke

Noch muss man allerdings zu Fuß hinaufsteigen, zunächst in den ersten Stock. Gut sechs Meter hoch sind hier die Räume, die auf 4.000 Quadratmetern Fläche vor allem dem Land Berlin vorbehalten sind - mitsamt seinem bisher nur sehr vage formulierten Ausstellungskonzept. Eine solche Raumhöhe wäre auch für die Exponate des Ethnologischen Museums im zweiten Stock ideal gewesen, meint Zessnik. "Es ist natürlich so, dass die Flächen im ersten Obergeschoß den Vorteil haben, dass sie höhere Raumhöhen haben, als die anderen beiden." Nun müsse man sehen, wie das Land Berlin seine Fläche mit der Schau "Welt.Stadt.Berlin" bespiele und wie sich das in Zukunft gestalte.

Tatsächlich bleibt abzuwarten, wie etwa die Bronze-Tafeln aus dem Königshaus Benin wirken werden. Sie werden in knapp fünf Meter hohen Räumen oberhalb des Schlüterhofs aufgestellt, wo gerade Teile der originalgetreu aus Backsteinen und Sandstein rekonstruierten Fassade angebracht werden.

"Die großen Bronzeplatten werden in einer Art Screen übereinander ausgestellt, wie sie vermutlich in der ursprünglichen Präsentation im Palast in Benin zu sehen waren", erklärt Architekt Tim Ventimiglia. Auf der gegenüber liegenden Seite befinde sich dann ein Ausstellungsmodul, bei dem man die verschiedenen Perspektiven zu dieser Sammlung wahrnehmen könne. "Alle kommen zu Wort: der König, Wissenschaftler aus Afrika, aus Berlin und sie teilen ihre Meinung über die Sammlung, die Perspektiven zum Thema Herkunft. Das ist eine kontrastartige Präsentation zwischen einer Vermittlungsebene und einer Schausammlung."

Gekrönt von einer Kulthöhle unter der Schlosskuppel

Derlei Perspektivwechsel sind es, die das Gestaltungskonzept der Innenarchitekten und Museumsmacher ermöglichen soll – auf dem Rundgang entlang von 14.000 ausgestellten Objekten aus Afrika, Amerika, Asien. Asien wird am Endpunkt der kontinentalen Reise liegen, sozusagen gekrönt von der Ausstellung einer mit reichen Wandmalereien verzierten, jahrtausendealten buddhistischen Kulthöhle unter der Schlosskuppel.

Bereits jetzt, in seiner Leere, hat der Raum eine beeindruckende, sakrale Wirkung. "Das war ja mal eine Kapelle im Schloss", so Ventimiglia. "Wir bauen die aber nicht nach." Sie haben ein Konzept entwickelt, bei dem man in einer Art Landschaft, als sei man auf der Seidenstraße unterwegs, die Höhlen entdecken könne. "An die Decke projizieren wir einen chinesischen Sternenhimmel."

Aber nicht alles soll derart effektvoll inszeniert werden. So wird eine andere asiatische Kulthöhle im Rahmen einer Studiensammlung präsentiert. Und auch das Ethnologische Museum will künftig Dinge zeigen, die bisher im Depot blieben, erläutert dessen Direktorin Viola König. "Wir möchten etwas mehr zeigen, als die üblichen zwei Prozent, die weltweit gezeigt werden. Darum haben wir die Schaumagazine, die gläsernen Studiensammlungen." Je einmal für jeden Kontinent. Jedes davon habe ein anderes Grundthema, das man austauschen könne.

Zeit für einschneidende Veränderungen wohl abgelaufen

Variabilität ist also das Motto der künftigen Schlossbewohner - vielleicht auch mit dem Blick auf die Umplanungen, die noch anstehen könnten, wenn der seit Anfang des Jahres amtierende Gründungsintendant Neil MacGregor sein Konzept konkretisiert hat. Viel Spielraum bleibt hier allerdings nicht mehr, meint Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und neben Neil MacGregor Teil der Gründungsintendanz.

Es sei immer deutlich gewesen, dass die obersten beiden Etagen im Wesentlichen eine Reise durch die Welt, eine Präsentation der Sammlungen bieten sollen, so Parzinger. "Natürlich kann man über das eine oder andere noch reden." Aber da gehe es mehr darum, was eigentlich die inhaltliche Botschaft sei, wie das zum Beispiel medial unterstützt werde. "Man darf nicht immer die Vorstellung haben, wenn es um Veränderungen geht, dass es automatisch bedeutet: technisch relevante Veränderungen, Mauern werden verschoben. Das ist ganz klar, das hat keine Auswirkungen auf diese Bereiche."

So ist die Zeit für einschneidende Veränderungen wohl abgelaufen - so sinnvoll sie im Einzelfall vielleicht wären. Auch, um auf das neue Konzept des Landes Berlin einzugehen, das statt des Einzugs der Landesbibliotheken nun eine Ausstellung plant. Zu spät wurde dafür die Gründungsintendanz berufen, zu weit ist der Bau fortgeschritten - vom Erdgeschoß mit seinem mächtigen Foyer und der Südostpassage über die Belletage bis hin zur 60 Meter hohen Kuppel.

Beitrag von Barbara Wiegand

Das könnte Sie auch interessieren

Ein Modell des geplanten Freiheits- und Einheitsdenkmals in Berlin, Foto: Milla & Partner/dpa

Baugenehmigung für das Einheitsdenkmal - Topp, die Wippe gilt

Jetzt kann es voran gehen in Mitte: Denn die ersehnte Baugenehmigung für das Einheitsdenkmal ist schon im Oktober 2015 erteilt worden. Wenn nun noch der Bund der Finanzierung zustimmt, könnte die gigantische Wippe auf dem Schlossplatz in den nächsten zwei Jahren Wirklichkeit werden.

Pergamonmuseum in Berlin-Mitte (Quelle: imago/Hoch Zwei Stock/Angerer)

Parzinger: "Kritische Finanzlage" - Preußenstiftung fehlen fünf Millionen Euro

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat einiges zu verkraften: Pergamonmuseum und Neue Nationalgalerie sind geschlossen, das Stadtschloss hat keinen Bauherren und das Museum der Moderne befindet sich im Findungsprozess. Nun folgte die nächste Hiobsbotschaft: In diesem Jahr fehlen fünf Millionen Euro - 2017 sogar noch mehr.