Humboldtforum Perspektive Allee (Grafik: Stephan Braunfels Architekten)

Initiative "Offenes Schloss Berlin" - Bürgerinitiative fordert Baustopp am Berliner Stadtschloss

Eine Bürgerinitiative will den Bau des Ostflügels am Berliner Stadtschloss verhindern. Nach einer Umfrage sollen 95 Prozent der Berliner den vierten, modernen Stadtschloss-Flügel ablehnen. Gebaut wird das neue alte Schloss trotzdem - und zwar für Berliner Maßstäbe mit rasanter Geschwindigkeit. Trotzdem fordert die Bürgerinitiative nun einen Baustopp.

Eine Bürgerinitiative will den Bau des Ostflügels am Berliner Stadtschloss verhindern und fordert einen Baustopp. "Wir wollen einen dreimonatigen Baustopp erreichen und uns mit allen Beteiligten an einen Tisch setzen, um über ein Stadtschloss ohne Ostflügel zu reden", sagte Michael Knoll, einer der Gründer der Initiative "Offenes Schloss Berlin", am Freitag, dem Gründungstag der Initiative.

Humboldtforum Perspektive Alex (Grafik: Stephan Braunfels Architekten)
Die Öffnung des Ostflügels würde den Blick auf das Rote Rathaus und den Fernsehturm frei geben.

Der Ostflügel sorgt für Kritik

Nach der Grundsteinlegung im Juni 2013 sind die Bauarbeiten mittlerweile bis zur Bodenplatte des Schlosses fortgeschritten. Nach Plänen des Architekten Franco Stella sollen drei Flügel des Stadtschlosses nach dem historischen Vorbild rekonstruiert werden. Anstelle des vierten, östlichen Flügels ist ein modernes Gebäude geplant, und dieses sorgt für Kritik. Die Initiatoren der Bürgerinitiative fordern, das Schloss auf der Ostseite offen zu lassen und damit den Blick auf Stadtmitte und Spree zu ermöglichen. Dabei berufen sie sich auf einen Vorschlag des Münchner Architekten Stephan Braunfels vom vergangenen Oktober. "Uns geht es vor allem um ästhetische und städtebauliche Aspekte und weniger darum, Kosten einzusparen", sagte Knoll.

"Wir werden aber alle Möglichkeiten ausnutzen"

Ohne Ostflügel könne das Schloss zum Zentrum einer "Neuen Mitte" werden, die Ost und West vereine. "Indem der Blick auf Alexanderplatz und Marx-Engels-Forum, aber auch auf das Rathaus frei wird, werden Bezüge zur schwierigen deutschen Geschichte deutlich", betonte Knoll. Ob die Initiative ein Volksbegehren anstrebe, sei derzeit noch nicht abzusehen. "Wir werden aber alle Möglichkeiten ausnutzen", kündigte er an. Zu den Gründern der Bürgerinitiative zählen neben Knoll, der das Berliner Büro der Hertie-Stiftung leitet, auch der Schauspieler Matthias Dittmer und Jörg Rommerskirchen, ehemaliger Berliner Wirtschaftsstaatssekretär.

Das Berliner Schloss soll bis 2018 fertiggestellt werden. Der Originalbau war im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt und wurde später von der DDR-Regierung abgerissen. Im modernen Innenbau entsteht das Humboldtforum, das die ethnologischen und außereuropäischen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin und einen Teil der Zentral- und Landesbibliothek der Humboldt-Universität beherbergen soll.

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