Vorstand und Sprecher des Berliner Stadtschloss Manfred Rettig gibt am 03.06.2015 ein Interview zum aktuellen Stand auf dem Gelände. (Quelle: rbb / Karo Krämer)

Berlins Bürgermeister widerspricht scheidendem Bauherr - Müller sieht keine Verzögerungen beim Schlossbau

Sein Rückzug als oberster Bauherr des Berliner Stadtschlosses kam mehr als überraschend - jetzt hat Manfred Rettig ein bisschen die Gründe erläutert. Er befürchtet, dass auch bei diesem Bauprojekt Verzögerungen entstehen. Dem widerspricht allerdings Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller.

Berlin hat nach den Worten von Regierungschef Michael Müller (SPD) durch Umplanungen keine Bauverzögerungen oder Kostensteigerungen bei der Wiedererrichtung des Berliner Schlosses verursacht. Die Änderung des Ausstellungskonzeptes habe keinen Einfluss auf den Baufortschritt gehabt, sagte Müller am Donnerstag im Abgeordnetenhaus.

Die dafür notwendige Versetzung einer Wand sei mit dem am Dienstag zurückgetretenen Manager Manfred Rettig abgesprochen gewesen. Es seien auch keine weiteren Veränderungen geplant.

Müller dankt Rettig für Engagement

Müller reagierte nach Fragen der Opposition auf die Kritik Rettigs. Zuvor hatte der scheidende Manager der Berliner Schlossbaustelle, Manfred Rettig, Befürchtungen geäußert, wegen politisch gewollter Umbauten könnte es Verzögerungen bei der Fertigstellung des Humboldt-Forums geben. Dafür wolle er nicht die Verantwortung übernehmen, sagte er dem "Tagesspiegel".

Müller dankte Rettig für seine enorme Leistung, mit einem solchen Großprojekt im Zeit- und Kostenrahmen (590 Millionen Euro) geblieben zu sein. Er bedauere aber sehr, dass Rettig sich in der nächsten und schwierigeren Phase - nämlich dem Einbau der technischen Ausstattung - nicht mehr dieser Verantwortung stelle.

"Ich möchte ein Zeichen setzen"

"Ich möchte schon ein Zeichen setzen", sagte Rettig der Zeitung als Begründung für seinen überraschenden Rückzug in dieser Woche. "Man kann sich fürs zuverlässige Bauen auf den Kopf stellen, aber wenn die Disziplin bei den Nutzern nicht da ist, fährt so ein Projekt vor die Wand. Mit meinem Abgang wird das deutlich auf den Punkt gebracht."

Rettig moniert in dem Interview vor allem die jüngsten Umbaupläne, wegen denen etwa eine neu gebaute Wand schon wieder eingerissen werden muss. Das gelte besonders für die Flächen des Landes Berlin, für die es noch nicht einmal einen Masterplan gebe. "Der kommt frühestens Mitte des Jahres. Das Team um den Berliner Chefkurator Paul Spies wird sich aber mit den vorhandenen Räumlichkeiten abfinden müssen und nicht noch kräftig umplanen können", sagte Rettig weiter. Wenn man das Projekt nicht gefährden wolle, seien eben Grenzen gesetzt.

Rettig will dem Ausland signalisieren, "dass wir in Deutschland ordentlich bauen können"

Von daraus möglichen Verzögerungen will sich Rettig offenbar vorsorglich distanzieren. "Wenn es zum Fiasko kommt, werden immer die Bauleute gescholten. Aber in 80 Prozent aller Fälle liegt es daran, dass die Nutzer nachträgliche Änderungen verlangt haben – zu einem viel zu späten Zeitpunkt", sagte er weiter - und verwies auf den Flughafen BER, die Berliner Staatsoper und die Hamburger Elbphilharmonie. "Die Folgen solcher Entscheidungen für Änderungen werden unterschätzt", argumentierte Rettig. "Hier Disziplin sicherzustellen und das Signal ins Ausland zu senden, dass wir in Deutschland ordentlich bauen können, das ist mir sehr wichtig."

Rettig hatte immer wieder betont, dass mit ihm keine Verzögerungen beim Bau zu machen seien. Beim Richtfest im Juni 2015 hatte er verkünden können, dass alles im Zeitplan liege.
Angesichts dessen, dass bisher auch die veranschlagten Kosten eingehalten werden, gilt das Projekt im Vergleich zu den zahlreichen Bau-Desastern der Stadt als Vorzeigeprojekt.

Im Dezember um Versetzung in Ruhestand gebeten

Umso überraschender kam am Dienstag die Entscheidung des 63-Jährigen, am 1. März sein Amt aufzugeben. Wie er dem "Tagesspiegel" jetzt sagte, habe er bereits an seinem letzten Arbeitstag im vergangenen Jahr, dem 20. Dezember, Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) schriftlich um die Versetzung in den Ruhestand gebeten.

Das Schloss soll ein Kultur- und Ausstellungszentrum werden

Der Neubau des Stadtschlosses soll mit dem so genannten Humboldtforum ein Kultur- und Ausstellungszentrum beherbergen, ähnlich wie das Centre Pompidou in Paris. Schwerpunkt wird die außereuropäische Kunst - als Ergänzung zu den europäischen Sammlungen auf der gegenüberliegenden Museumsinsel. Neben dem Ethnologischen Museum wird auch das Museum für Asiatische Kunst von Dahlem nach Berlin-Mitte ziehen. Beide Museen zusammen werden dort rund 23.000 der insgesamt 41.000 Quadratmeter Fläche des Neubaus für sich beanspruchen können.

Ende 2017/Anfang 2018 sollen die Bauarbeiten soweit abgeschlossen sein, dass die Einrichtung der Ausstellungsflächen und der Umzug der Museen aus Dahlem beginnen kann. Die Vorbereitungen dafür haben schon begonnen und das Ethnologische Museum hat die Ausstellungen Südsee und Indianer Nordamerikas seit Sonntag geschlossen.