Foto: Jürgen Gressel-Hichert

Ausstellung über Andreas Schlüter - Bode-Museum würdigt Berlins verkannten Schlossbaumeister

Das Relief aus dem Haupttreppenhaus des Berliner Schlosses ist erst vor wenigen Monaten entdeckt worden - in einem Depot der Schlossbauhütte. Nun rankt sich gleich eine ganze Ausstellung um die spektakuläre Fundsache und ihren Schöpfer Andreas Schlüter - erst gefeiert, dann gefeuert. Von Jürgen Gressel-Hichert

Er war der Barockbaumeister Berlins. Er gab der Stadt Glanz und - fiel in Ungnade. 300 Jahre nach seinem Tod würdigt eine Ausstellung den Barockbaumeister Andreas Schlüter, die schon vorher für Überraschungen sorgt.
Schlüters Hauptarbeit in Berlin wird ja gerade wieder aufgebaut: Das Berliner Schloss ist zwar noch ein unfertiger Rohbau, aber wenn es irgendwann einmal das Humboldtforum beherbergt, wird die Fassade im neuen Glanz seiner Kunstfertigkeiten erstrahlen.
Doch auch das Interieur dieses Baus hat Schlüter mitbestimmt und mit entworfen. Dass davon sogar noch immer Einiges erhalten ist und Anderes wieder zusammengesetzt werden kann, hat erst vor wenigen Monaten ein Zufallsfund bewiesen.

Restaurator Heinz Mangold hielt vor ein paar Monaten zwei Kartons in der Hand. Inhalt: Teile von zwei Reliefs. Nach eingehenden Recherchen war klar: Sie gehören zu einem Türüberbau, einer "Supraporte", die im sogenannten Gigantensaal des einstigen Schlosses eine der großen Doppel-Flügeltüren zierten. Eine kleine Sensation. Das Puzzle hat er mit seinen Kollegen in der Restauratoren-Werkstatt des Bodemuseums mittlerweile fast wieder zusammengesetzt. Ergänzt wird hier nichts, nur konserviert und gereinigt, das ist sowohl dem Restaurator, als auch dem Museumsdirektor wichtig. Die Wunden der Vergangenheit bleiben sichtbar.

Foto: Jürgen Gressel-Hichert
Restaurator Heinz Mangold und Museumsdirektor Bernd Lindemann

Die Supraporte aus der Werkstatt Schlüters wird einer der Glanzpunkte der Ausstellung ab April werden und danach irgendwann einmal fast wieder am alten Platz ausgestellt werden – in dem Saal, der im Humboldtforum der Geschichte des Schlosses vorbehalten sein wird. Doch das dauert.

Ausstellung zum 300. Todestag

Erst einmal dient es in der Ausstellung ab April 2014 als Beleg dafür, dass Andreas Schlüter ein Meister der Verbindung von Innen- und Fassadenarchitektur war. Dekorelemente wie Kriegerfiguren, die er im Außenbereich in Sandstein schlagen ließ, wurden im Inneren als Dekor-Elemente zitiert und in Eiche geschlagen. Kein Einzelfall.
In insgesamt 16 Sälen wird die Ausstellung im kompletten Obergeschoss des Bode-Museums eine umfassende "Werkschau" dieses barocken Baumeisters zeigen. Seit Jahrzehnten überhaupt die erste große Würdigung des Mannes, der Berlin erstmals zu einem gewissen Glanz verholfen hatte.

Das Berliner Stadtschloss am 15.09.1938 (Quelle: dpa)
Berliner Stadtschloss - historisch (Quelle dpa)

1694 wird Andreas Schlüter – bis dahin noch am Hofe des polnischen Königs tätig – von Kurfürst Friedrich III. nach Berlin geholt. Der Kurfürst hat Ambitionen, will repräsentieren, orientiert sich dabei an Rom und Paris. Schlüter soll das Zentrum neu gestalten und das Schloss soll ein Glanzpunkt werden. Er darf ausgedehnte Reisen in die Zentren der Kunst machen und sich inspirieren lassen, denn der spätere König Friedrich I. liebt den Prunk. In nur wenigen Jahren wird das Schloss umgebaut – und ist Schlüters Interpretation hochbarocker Pracht in Preußen. Auch das Zeughaus wird nach seinen Plänen gestaltet. Das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten hat er entworfen. Das damals noch sehr überschaubare Berlin wird Königsresidenz. Und Schlüter ihr Bauherr.

In Ungnade gefallen

Doch es fällt nicht nur Licht auf den Schlossbaumeister, auch einige Rückschläge muss er hinnehmen. Bauwerke werden nicht termingerecht fertig, offenbar eine Berliner Eigenart seitdem. Oder sie fallen wie der Neubau des Münzturms zusammen, weil man den Untergrund aus Sand und Sumpf nicht recht berechnet hatte (auch das gibt’s ja heute noch als Problemanzeige etwa beim Aufbau des benachbarten Staatsopernareals). Auch eine Sommerresidenz für den König wird zur Bauruine, weil sie im märkischen Sand gebaut beim ersten Sturm zu Rutschen anfängt und tiefe Risse im Mauerwerk hinterläßt. Schlüter fällt in Ungnade, offenbar haben die Baumängel vor allem neidische Kollegen zu ihrem eigenen Zweck genutzt und sich beim König eingeschmeichelt.
Schlüter bekommt immer weniger Aufträge, vergessen sind seine wunderbaren Arbeiten für die Kirchen der Stadt, das Schloß, Zeughaus, das erste große Reiterstandbild, sein 1701 angefertigtes Bernsteinzimmer, das ursprünglich für das Schloss Lietzenburg entworfen, dann für das Berliner Schloss geplant wurde.
Nach dem Tode Friedrichs I. wird er entlassen und verläßt zerknirscht Berlin.
Wenige Monate bleiben ihm, um unter Zar Peter am Aufbau Sankt Petersburg mitzuwirken. Ob er dort aber wirklich tätig wird, ist unbekannt. Einzig die Kunde von seinem Tod erreicht Berlin im Juni 1714. Kurios: Das Bernsteinzimmer, sein Entwurf, wird Zar Peter 1716 geschenkt und wird ein Glanzstück in Sankt Petersburg.

Foto: Jürgen Gressel-Hichert
Reliefarbeit aus dem alten Schloss (Foto Jürgen Gressel-Hichert)

Ausstellung

Die geplante Werkschau seiner Kunstwerke im Bode-Museum soll auch einen Einblick in zeitgenössische Arbeiten bieten, die ihn beeinflusst haben. Für die Rekonstruktion des Schlosses sicher so etwas wie eine nachträgliche Bestätigung des immer wieder kritisierten "Neubaus" und für die Freunde einer vollständigen Rekonstruktion auch ein zusätzliches Argument, nach der Fassade auch dafür zu kämpfen, dass im Inneren nicht nur ein Museumsraum an das ursprüngliche Interieur erinnert, sondern mehr. Denn – auch das ist bei dem Überraschungsfund der Schlüterschen Supraporte klar geworden: Es gibt sicher noch mehr, das erhalten ist vom Alten Schloss.

Beitrag von Jürgen Gressel-Hichert

Das Schloss

Grafik des Humboldtforums im Berliner Schloss: Idealisierte Darstellung auf Grundlage der Entwurfsplanung (Quelle: rbb/Golden Section Graphics)

Hintergrund - Was wird da überhaupt gebaut?

Seit Juni 2012 wird auf der Schlossplatzwiese gebuddelt und gegraben. Das sogenannte Humboldtforum soll das Stadtschloss beherbergen - mit Museen, Bibliotheken, Veranstaltungsräumen. Nichts Geringeres als ein Haus der Weltkulturen, Wissenschaften und Künste soll es werden - Doch wie wird das neue, alte Schloss überhaupt aussehen und für wen wird es gebaut?