Sicht vom Rundgang der Kuppel des Berliner Doms auf die Baustelle des Berliner Schlosses (Quelle: rbb/ Manuel Tanner)

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Es war einmal ein Stadtschloss … 1443 als Residenz der Hohenzollern gegründet, wurde das ursprüngliche Stadtschloss in der DDR 1950 gesprengt. An seiner Stelle in Berlins historischer Mitte thronte dann seit den 1970er Jahren der Palast der Republik. Auch der war einmal. Derzeit wird das Berliner Stadtschloss an seinem alten Platz wieder neu erbaut. Mit dem Humboldtforum entsteht ein Zentrum der Kulturen, Wissenschaften und Künste. Doch nicht – wir sind schließlich in Berlin – ohne gebührend in Frage gestellt zu werden.

Baustelle Berliner Schloss (Quelle: rbb online/ Manuel Tanner)

Bilder von den Baufortschritten - Das Schloss wächst

Mitte 2019 ist die Eröffnung des Humboldtforums im neu aufgebauten Berliner Schloss geplant. Auf der Baustelle gegenüber vom Berliner Dom wird schon seit Mitte 2012 gebuddelt - doch inzwischen wächst der Rohbau immer mehr in die Höhe. rbb online hat der Schloss-Baustelle einen Besuch abgestattet.

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Abrissarbeiten am Palast der Republik (Archivfoto 2008, Quelle: dpa)

Historie - Vom Schloss zum Palast - und zurück

Ironie der Geschichte: 1950 ließ die DDR-Führung die Überreste des Berliner Schlosses sprengen. An seiner Stelle thronte ab den 70er Jahren der Palast der Republik. Doch auch dieser ist inzwischen Geschichte. Eine Chronologie in Bildern.

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Die Chronologie des Berliner Stadtschlosses

  • 1443 -

    Beginn der Arbeiten an einer Burg, welche die Handelswege auf der Spreeinsel kontrollieren soll. Im darauffolgenden Jahrhundert wird die Burg wieder abgetragen und durch erste Schlossbauten ersetzt.

  • 1701 -

    König Friedrich I. lässt das Stadtschloss zu einer prunkvollen Königsresidenz ausbauen.

  • 1850 -

    Das Schloss wird ergänzt um einen Kuppelbau nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel.

  • 1918 -

    Karl Liebknecht ruft vom Balkon des Stadtschlosses die "sozialistische deutsche Republik" aus.

  • 1945 -

    Durch den Einschlag mehrerer Bomben brennt das Schloss drei Tage lang.
    Ein Großteil des Komplexes wird zerstört; übrig bleiben nur Außenmauern und tragende Wände.

  • 1950 -

    Sprengung des Schlosses durch die DDR-Führung, die in dem Gebäude ein Symbol für den preußischen Militarismus sah. An die Stelle des Schlosses tritt der Marx-Engels-Platz als Aufmarschfeld.

  • 1976 -

    Auf dem Gelände des Schlosses wird nach knapp dreijähriger Bauzeit der Palast der Republik feierlich eröffnet.

  • 1990 -

    Im August stimmt die erste frei gewählte Volkskammer für den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik. Im September entscheidet die Volkskammer, dass der Palast wegen Asbests geschlossen werden muss.

  • 1992 -

    Der Hamburger Kaufmann Wilhelm von Boddien gründet den Förderverein Berliner Schloss e. V.. Sein Ziel: Die historische Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses.

  • 1994 -

    Der Förderverein Berliner Stadtschloss e.V. errichtet eine Schloss-Simulation aus bemalter Plane.

  • 2000 -

    Bundesregierung und Bundesrat setzen eine "Kommission Historische Mitte Berlin" ein.
    Nach zwei Jahren schlägt das Gremium unter anderem den Wiederaufbau von zumindest drei der Schlossfassaden vor.

  • 2002 -

    Mit großer Mehrheit folgt der Bundestag der Empfehlung der Kommission und beschließt die Rekonstruktion der Schlossfassade rund um ein neu zu errichtendes "Humboldt-Forum".

  • 2002 -

    Im November 2003 bekräftigt das Parlament den Beschluss und legt fest, dass der Abriss des Palastes der Republik im Auftrag gegeben werden soll.

  • 2003-2005 -

    Vor dem Abriss wird der Palast der Republik kulturell genutzt: etwa für das Festival Volkspalast oder eine Ausstellung originalgetreuer Kopien der chinesischen Terrakotta-Armee.

  • 2006 -

    Am Palast der Republik beginnen die Abrissarbeiten. Vorausgegangen war eine jahrelange Diskussion über den Umgang mit dem baulichen Erbe der DDR.

  • 2008 -

    Am 2. Dezember werden die letzten Reste des Palastes der Republik zum Einsturz gebracht und abstransportiert. Außerdem ist der Architektenwettbewerb entschieden: Das Stadtschloss soll nach den Plänen des Italieners Franco Stella wieder aufgebaut werden.

  • 2009 -

    Die von der Bundesregierung gegründete Stiftung Berliner Schloss - Humboldt-Forum nimmt ihre Arbeit auf. Sie ist Bauherrin des Projekts. Architekt Franco Stella erhält nach einem langwierigen Streit einen neuen Vertrag.

  • 2010 -

    Der Bau des Informationszentrums zum Schlossprojekt ("Humboldt-Box") beginnt. Anfang Juni beschließt das Bundeskabinett wegen Sparzwängen, den Baubeginn für das Schloss von 2011 auf 2014 zu verschieben. Daraufhin friert auch das Land Berlin seine Mittel ein.

  • 2011 -

    Der Haushalstausschuss des Bundestags macht den Weg für das Projekt frei. Dabei setzten die Abgeordneten die Kostenobergrenze von zuerst 552 auf 590 Millionen fest. Am 30. Juni 2011 wird die Infobox zu Homboldtforum eröffnet, hier können sich Interessierte über das geplante Humboldt-Forum und über den Baufortschritt zu informieren.

  • 2012 -

    Für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses beginnen am 21. Juni 2012 die Arbeiten an der Baugrube.

  • 2013 -

    Am 12. Juni 2013 legt Bundespräsident Joachim Gauck offiziell den Grundstein für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses in Form des Humboldt-Forums. 2019 soll der Bau fertig sein.

Humboldtforum Perspektive Allee (Grafik: Stephan Braunfels Architekten)

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Polier Nizamettin Colak (li.) koordiniert die verschiedenen Gewerke auf der Baustelle.
rbb Reporter | Juni 2013

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Computergrafik zeigt den gemeinsamen Entwurf von Sasha Waltz und Milla & Partner für das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal (Quelle: Milla & Partner/Sasha Waltz/dpa)

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Eine Pressevertreterin hält am Mittwoch (01.08.2012) eine Informationsbroschüre des Berliner Schlosses vor die Musterfassade. (Quelle: dpa)

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