Anderson im Tonstudio (Quelle: rbb)
Szene mit Sascha Anderson

Dokumentarfilm 2015 von Annekatrin Hendel - Anderson

Der Schriftsteller Sascha Anderson, in den 1980ern Fixstern und Popstar des kreativen DDR-Undergrounds, wird 1991 als Stasizuträger ersten Ranges enttarnt. Ein Skandal. Vom Nachnamen blieb nur noch das "A" und nicht wenige ergänzten: "rschloch".


Der Film erzählt vom wild bewegten Doppelleben des Sascha Anderson zwischen Dissidententum und Verrat - und was es bedeutet, mit Lüge, Vertrauensmissbrauch und dem nicht abwaschbaren Stempel des Verräters zu leben.

Annekatrin Hendel hat die, die nicht mehr miteinander reden, zum Reden bewegt und sie virtuell wieder an den Tisch gesetzt, an den Anderson seit fast 25 Jahren nicht mehr eingeladen wird. Noch immer ist kein Gras über die Sache gewachsen.

Anderson wirft zwanzig Jahre nach der endgültigen Enttarnung erstmalig einen offenen Blick zurück hinter die Kulissen seiner geheimdienstlichen Tätigkeit. Er beschreibt Aufstieg und Fall des Stasi-„Prinzen“ und schaut ins Heute. Scheinbar unbeschadet ist der einstige Bohemien und Kult-Autor vom Prenzlauer Berg heute eingeheiratet in eine der bedeutendsten deutschen Dichterdynastien.

In Frankfurt/Main lebt Sascha Anderson ein neues, ein anderes Leben. Für die Gesprächspartner dieses Filmes, Oppositionelle und Künstler der letzten Generation DDR, war Sascha Anderson einst die zentrale Leitfigur der Literatur-Untergrundszene. Er wurde für seinen künstlerischen Scharfsinn, seinen oppositionellen Mut und nicht zuletzt für seinen Erfolg beim weiblichen Geschlecht bewundert und geliebt.

Dass er immer auch pedantisch-fleißiger Agent des Staatssicherheitsdienstes war und dies selbst noch nach seiner Ausreise nach West-Berlin 1986 bleibt, dort als Stasizuträger ersten Ranges weitermacht, ist für die einstigen Wegbegleiter noch immer unbegreiflich.

Dokumentarfilm von Annekatrin Hendel

Erstausstrahlung 20.10.2015/ARD 1.