Cover, © rbb/Basis-Film Verleih Berlin

Dokumentarfilm 2015 von Antje Kruska und Judith Keil - Land in Sicht

Die Flüchtlinge Abdul, Brian und Farid sind in Brandenburg gestrandet. Von hier aus suchen sie nach Wegen in die deutsche Gesellschaft. Auf Dorffesten, Ämtern und Berliner Diskotheken prallen ihre Vorstellungen von Deutschland mit den Ansichten und Einstellungen der Deutschen aufeinander. Anstelle von Betroffenheit rückt LAND IN SICHT die unfreiwillige Komik dieses Aufeinandertreffens in den Blick.

Dieser Dokumentarfilm erzählt von Abdul aus dem Jemen, von Farid aus dem Iran und von Brian aus Kamerun, die als Flüchtlinge in Brandenburg gestrandet sind. Aufgebrochen in der Hoffnung auf ein besseres Leben sind sie nun Asylbewerber. Eine denkbar schlechte Ausgangslage für die Verwirklichung ihrer Träume. Die drei geben die Hoffnung aber nicht auf und suchen nach Wegen hinein in die deutsche Gesellschaft, der sie doch schon so nahe gekommen sind. Auf der Suche nach Kontakten, Bildung, Beschäftigung, Freundschaft und Liebe und nicht zuletzt dem heiß ersehnten Bleiberecht prallen ihre Vorstellungen von Deutschland täglich mit den Ansichten und Einstellungen der Deutschen aufeinander.

Und so erzählen ihre Erfahrungen und Erlebnisse auch von Deutschland. Die engagierte Sozialarbeiterin Rose Dittfurth ist die erste Ansprechperson eines jeden Neuankömmlings im Bad Belziger Heim. Damit ihre Schützlinge in Deutschland Fuß fassen können, ergreift die umtriebige kleine Frau auch gern mal unkonventionelle Maßnahmen.

Der kleine drahtige Abdul (37), der nach sieben Jahren Duldung das stolze Auftreten eines Scheichs nicht verloren hat, lässt sich von allen Hindernissen, die ihm auf seiner Suche nach Entfaltung entgegenstehen, nicht entmutigen.

Auch wenn er nicht versteht, warum man in Deutschland für alles eine Ausbildung braucht, und Damen auf dem Arbeitsamt ihm das komplizierte Procedere bei der Arbeitsvermittlung unerbittlich vorbeten, lässt er nicht locker. Es muss doch etwas für ihn geben!

Risiko ist seine Devise, auch bei der Suche nach einer Frau fürs Leben. Und obwohl er nach sieben Jahren eigentlich keinen Schritt vorwärts gekommen ist, marschiert er unerschrocken weiter und gerät dabei in immer neue überraschende Situationen. Farid (32), musste gemeinsam mit seinem Bruder Hals über Kopf seine Heimatstadt Teheran verlassen. Beide hatten an Protesten gegen das iranische Regime teilgenommen. Seit seiner Flucht hat Farid seine Frau und seinen kleinen Sohn nicht mehr wiedergesehen.

Das lange Warten auf den Asylbescheid in der dürftigen Sammelunterkunft in Bad Belzig macht den ehemals wohlhabenden Geschäftsmann mürbe. Er will nichts anderes als seine geliebte Familie nachholen, doch die deutschen Behörden arbeiten gründlich. Die Zeit verrinnt und Farid verliert die Hoffnung, fühlt sich hilflos, dazu kommen Schuldgefühle, die Familie in Teheran im Stich gelassen zu haben. Brian (28) blickt selbstbewusst in seine Zukunft. Deutschland hat er sich aus dem fernen Kamerun zwar anders vorgestellt, aber mit  Zuversicht und Gottvertrauen wagt er einen Neubeginn.

Seine ersten Schritte in die deutsche Gesellschaft führen ihn zu einer undurchsichtigen Versicherungsgesellschaft. Schon bald muss er erkennen, dass er dort nicht hineinpasst. Kurz darauf wird auch noch sein Asylantrag abgelehnt. Das trifft ihn unerwartet. Er begreift: "Fighting time has begun" und legt Berufung ein. Mit seinem wachen Blick hat er aber natürlich schon lange mitbekommen, dass für "Fälle" wie ihn vermutlich der einzige Ausweg die Heirat oder ein Kind mit einer Deutschen ist. In den Filmen von Judith Keil und Antje Kruska liegen Humor und Tragik eng beieinander.

Ein berührender und liebevoller Blick auf das Leben von Flüchtlingen, die in Brandenburg gestrandet sind und nach Wegen suchen, sich eine neue Existenz aufzubauen.

Stabangaben

Judith Keil und Antje Kruska - Regie

Autorinnen und Regisseurinnen von Spiel- und Dokumentarfilmen, u. a. "Der Glanz von Berlin" (Adolf-Grimme-Preis 2003), "Dancing with myself" (Discovery Channel Filmpreis) und "Wenn die Welt uns gehört" (arte Kamera 2009). In der feinfühligen Beobachtung liegt die besondere Stärke der Regisseurinnen.

Marcus Winterbauer - Kamera

Kameramann von Spiel- und Dokumentarfilmen, u. a. "Rhythm Is It“ (Deutscher Filmpreis 2005), "Full Metal Village" (Max Ophüls Preis 2007) und "Wenn die Welt uns gehört" (arte Kamera 2009).

Calle Overweg - Schnitt

Regisseur und Schnittmeister von Spiel- und Dokumentarfilmen, u.a. "Tumber Narr - Heiliger Tor", "Träume leben weiter" (2007) und "Heimatklänge" (2006).

Sonia Otto und Dietmar Ratsch - INDI FILM Berlin

Produzenten von Dokumentarfilmen, u. a. "Alarm am Hauptbahnhof" (Grimme-Preis 2012), "Neukölln Unlimited" (Gläserner Bär 2010), "Hochburg der Sünden" (Goldene Taube 2009).

"Land in Sicht" entstand als Koproduktion von INDI FILM Berlin und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) in Zusammenarbeit mit ARTE, gefördert vom Medienboard Berlin-Brandenburg und der FFA. Der Dokumentarfilm gehört zu den ersten Produktionen der Filminitiative LEUCHTSTOFF. Unter diesem Label fördern rbb und Medienboard seit 2012 gemeinsam Spiel- und Dokfilme aus und über Berlin-Brandenburg.

Erstausstrahlung 07.10.2015/rbb