Biologin mit Kescher tritt, bis zum Knie, in Eisenschlamm an einem betroffenem Fluss(Quelle rbb)
Ein Fluss verrostet

- Braune Spree

Die Morgenröte hat im Spreewald ihre Unschuld verloren. An vielen Stellen hat es keineswegs natürliche Ursachen, wenn sich das Wasser rostrot färbt. Die Spree oberhalb von Spremberg war früher klar, heute ist sie durch die Ablagerungen aus dem Bergbau belastet. Sie leuchtet fast schon orange.

Wer nach den Ursachen forscht, erfährt manchmal viel aus den alten sorbischen Namen. Der Name Wudritz geht auf ihn zurück, wudra: (Fischotter). Ein Tier, das eine intakte Umwelt liebt. In der Nazi-Zeit sprach man vom Ottergraben, um den wendischen Namen zu tilgen. Und dieses Fließ nannten Sorben und Wenden noch Kschischowka. Benannt nach dem Ort Krisso (Krieschow). Dass man heute vom Greifenhainer Fließ spricht, das durch Ksisow fließ, ist ebenfalls eine Wortschöpfung aus dem Dritten Reich. Unfreiwillig benennt der Name heute die Ursache der Umweltkatastrophe. Das Fliess wurde für die Entwässerung des Tagebaus Greifenhain verwendet.

Und heute sind es genau diese Eisenschlamm-Ablagerungen aus den gefluteten Braunkohle-Gruben, die hier jedes Leben zerstören. Die Biologin Isabell Hiekel kann mit ihrem Kescher die Mitte des Eichower Fließes nicht mehr erreichen. Eine Eisenschlammschicht hat jedes Leben zerstört. Früher gab es hier die Fische des Spreewaldes – auch Karpfen. Sie finden hier keine Nahrung mehr. O-Ton Isabell Hiekel, Gewässerökologin „Es gibt kein Lebewesen hier, es ist alles tot, die Blätter sind nicht verrottet. Blätter, die reinfallen werden nicht zersetzt, weil auch die Zersetzer fehlen, die Gamariden zum Beispiel, die Bachflohkrebse. Die würden die Blätter zersetzen und dann würden die Mikroorganismen die abbauen und das passiert hier alles nicht mehr. Man muss sehen, dass sich diese Ockerfracht nicht mehr weiter Richtung Spreewald fortbewegen kann, das ist das Wichtigste jetzt erstmal.“ Um das zu erreichen, gibt es Methoden. Mann kann die Fließe reinigen. Eisenschlamm ist schwerer als Wasser. Er lagert sich ab, wenn die Strömung künstlich verlangsamt wird.

In solchen Absetzbecken zum Beispiel. Bisher entsorgen Abfallunternehmen den Schlamm. Entlang der Wudritz hat man im Sommer versucht, den Schlamm auszubaggern. Das Problem: Entlang der Fließe werden riesige Schlammberge aufgetürmt. Außerdem wird der Boden der Fließe stark in Mitleidenschaft gezogen. In diesen Tagen unternehmen Sanierungsfirmen nun einen zweiten Versuch, um die ehemalige Heimat des Otters zu retten. Seit neuestem ist ein Schwimmbagger im Einsatz. Der pumpt Eisenschlämme in riesige Textilsäcke. Innen drin befindet sich ein Mittel, das Eisen bindet. Das gereinigte Wasser wird zurück in die Wudritz gepumpt. Vom Erfolg oder Misserfolg hängt viel ab. Denn dieses Fließ strömt direkt in die Hauptspree. Wenn hier der Eisenocker nicht gestoppt wird, dann gerät der gesamte Spreewald in Gefahr.

Autor: Wolfgang Albus

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