26.05.2012

Das Erste ist das Fernsehen
rbb Fernsehen

rbbonline | Märchenfilm-Archiv

Märchenfilm
Märchenfilm
König Drosselbart; Quelle: HR/Jacqueline Krause-Burberg

"König Drosselbart"

Ein König hatte eine Tochter, die war über alle Maßen schön, aber dabei so stolz und übermütig, dass ihr kein Freier gut genug war. Sie wies einen nach dem andern ab und trieb noch dazu Spott mit ihnen.

Einmal veranstaltete der König ein großes Fest und lud dazu aus der Nähe und Ferne die heiratslustigen Männer ein. Sie wurden alle in eine Reihe nach Rang und Stand geordnet: Erst kamen die Könige, dann die Herzöge, die Fürsten, Grafen und Freiherrn, zuletzt die Edelleute. Nun wurde die Königstochter durch die Reihen geführt, aber an jedem hatte sie etwas auszusetzen.

Besonders aber machte sie sich über einen guten König lustig, der ganz oben stand und dem das Kinn ein wenig krumm gewachsen war. "Ei", rief sie und lachte, "der hat ein Kinn, wie die Drossel einen Schnabel!" Und seit der Zeit bekam er den Namen Drosselbart. Der alte König aber, als er sah, dass seine Tochter nichts tat, als über die Leute spotten, und alle Freier, die da versammelt waren, verschmähte, wurde zornig und schwor, sie sollte den ersten besten Bettler zum Manne nehmen, der vor seine Türe käme.

Als Musik unter dem Schlossfenster zu hören war, stand der König auf und sah einen armen Spielmann unten stehen. Er befahl ihm hinaufzukommen und rieft nach einem Pfarrer, um die Heirat zu vollziehen. Ein König hält schließlich sein Wort! Gemeinsam mit dem Spielmann zogen sie aus dem Schloss. Auf dem Weg kamen sie an einer Wiese vorbei.

Als die Königstochter erfuhr, dass sie dem König Drosselbart gehört, antwortet sie: "Ich arme Jungfer zart, hätt’ ich genommen den König Drosselbart". Als sie später durch einen Wald kamen, stellte sie die gleiche Frage und erhielt die gleiche Antwort.

Ihr neues Zuhause war karg und an das neue Leben in Armut konnte sie sich nur schwer gewöhnen. Sie musste ohne Personal leben, waschen, kochen, Feuermachen und auf dem Markt Geschirr verkaufen. Ihre Erlebnisse dort und ihr neues Leben veränderten sie und ihr Hochmut wich Güte und Fleiß.

Am Ende heirateten Isabella und Richard und die beiden Königreiche lebten friedlich nebeneinander.

Nach der Vorlage der Brüder Grimm

Fürst Leopold von Dessau; Quelle: dpa


Herkunft

Es ist überliefert, dass die Brüder Grimm von einer Begebenheit gehört hatten, die sich in Dessau abgespielt haben soll. Demnach soll der Fürst Leopold I von Anhalt-Dessau eines Abends durch die Stadt geritten sein. Als er an den Töpferhändlerinnen vorkam, fragte er sie, wie das Geschäft gewesen sei. Die Händlerinnen klagten es sei ein schlechter Markttag gewesen.

Daraufhin ritt der Fürst mitten in die Topfwaren hinein, so dass bald nur noch Scherben zu sehen waren. Die Marktfrauen schrieen und heulten. Als der Fürst alles zerritten hatte, forderte er die Marktweiber jedoch auf, gleich mit aufs Schloss zu kommen und er bezahlte ihnen den angerichteten Schaden. So hatten die Händlerinnen doch noch einen guten Markttag.

Manfred Krug und Karin Ugowski in der DEFA-Verfilmung von 1965; Quelle: rbb


"König Drosselbart" in Film und Fernsehen

Nach den Motiven des Märchens entstand 1965 der gleichnamige DEFA-Märchenfilm. Regie führte Walter Beck, der auch zusammen mit Günter Kaltofen das Drehbuch schrieb. Den König Drosselbart verkörperte Manfred Krug. Die schöne Prinzessin wurde von Karin Ugowski gespielt.

In der deutschen Zeichentrickserie "Simsalagrimm" von 1999 ist "Der König Drosselbart" in Folge 9 zu sehen. Unter dem Label "Die Märchenstunde" zeigte Prosieben "König Drosselbart - Der Schöne und das Biest" 2006 als Komödie.

Dieser Text gibt den Sachstand vom 22.12.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

mehr Infos

Literaturnetz

"König Drosselbart" im Internet nachlesen

literaturnetz.org

Märchenlexikon

Mehr Hintergründe und Deutungen im Märchenlexikon

www.maerchenlexikon.de

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/maerchenfilm/6_auf_einen_streich/drosselbart/koenig_drosselbart_1.html

Fenster schließen!