26.05.2012

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Märchenfilm
Märchenfilm
Julius Römer, Karoline Herfurth (Quelle: HR/Felix Holland)

"Die Gänsemagd"

Es lebte einmal eine alte Königin, die schon lange verwitwet war. Ihre schöne Tochter sollte an einen Königssohn vermählt werden, der sehr weit weg wohnte.

Die alte Königin packte viel Geschmeide, Gold, Silber und Becher, kurz alles, was zu einem königlichen Brautschatz gehörte zusammen. Ebenso stellte sie der Tochter eine Kammerjungfer zur Seite und gab beiden je ein Pferd. Das Pferd der Königstochter hieß Falada und konnte sprechen. Als die Abschiedsstunde gekommen war, schnitt sich die Königin in die Finger, fing drei Blutstropfen in einem Taschentuch auf, gab sie der Tochter und sprach: "Liebes Kind, verwahre sie wohl, sie werden dir unterwegs Not tun." Die Königstochter steckte sich das Läppchen zwischen die Brüste und beide nahmen betrübt Abschied.

Als sie eine Stunde geritten war verspürte die Königstochter großen Durst und wollte, dass die Kammerjungfer ihr Wasser aus dem Becher reichte. Doch die Kammerjungfer weigerte sich und hieß die Königstochter selbst abzusteigen, sie wäre nicht länger ihre Magd. Eingeschüchtert stieg die Königstochter vom Pferd und trank aus dem Bach. Auf ihrem Weg zum Königssohn bekam die Königstochter ein zweites Mal Durst. Doch als sie Ihren Kopf diesmal über den reißenden Strom hielt, fiel ihr das Läppchen mit den Blutstropfen ins Wasser. Die Magd sah darin Ihre Chance, nun Gewalt über die so geschwächte Königstochter zu erlangen. Sie zwang diese ihre Kleider und das Pferd mit ihr zu tauschen und lies sie schwören, nichts von alle dem zu erzählen, sonst würde sie sterben. Am Königshof angekommen nahm der Königssohn die falsche Königstochter zur Braut. Die richtige Königstochter wurde dem kleinen Jungen Kürdchen als Gänsemagd zur Seite gestellt. Aus Angst, dass der Gaul Falada reden würde, überredete die falsche Braut den jungen König das Pferd schlachten zu lassen. Doch davon hörte die Gänsemagd und gab dem Schinder ein paar Geldstücke dafür, dass er den Kopf in einem dunklen Torbogen aufhängen sollte, durch den sie jeden Morgen laufen musste, um die Gänse aufs Feld zu treiben.

Jeden Morgen rief sie nun: "O du Falada da du hangest." Da antwortete der Kopf: "O du Jungfer Königin, da du gangest, wenn das deine Mutter wüsste, ihr Herz tät ihr zerspringen." Auf der Wiese angekommen, setzte sie sich hin und kämmte ihre goldenen Haare. Angezogen von ihrem Glanz wollte Kürdchen ihr jedes Mal welche ausraufen. Doch da sprach sie: "Weh, weh, Windchen, nimm Kürdchen sein Hütchen, und lass'n sich mit jagen, bis ich mich geflochten und geschnatzt, und wieder aufgesatzt." Da kam ein so starker Wind, der Kürdchens Hütchen wegwehte, dass dieser ihm nachlaufen musste. Als all dies zweimal geschehen war ging Kürdchen vor lauter Zorn zum König, erzählte ihm von alledem und meinte, er wolle nicht mehr mit der Gänsemagd zusammenarbeiten. Der König versteckte sich am nächsten Tag am Tor, um die Gänsemagd und den Pferdekopf zu beobachten. Zu Hause angekommen stellte er sie zur Rede. Doch diese konnte ihr Geheimnis nicht Preis geben. Da sprach er: "Wenn du mir’s nicht sagen willst, so klag dem Eisenofen da dein Leid", und ging fort. Doch er hörte alles draußen mit, als die Königstochter ins Ofenrohr jammerte. Nun konnte der Königssohn die richtige Königstochter heiraten. Die falsche Braut ließ der König unwissentlich ihr eigenes Urteil sprechen, wonach sie in einem mit Nägeln beschlagenen Fass zu Tode geschleift wurde.

Nach der Vorlage der Brüder Grimm

Herkunft des Märchens

Hans Jörg Uther, ein deutscher Literaturwissenschaftler, Erzählforscher und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Enzyklopädie des Märchens, sieht als Vorläufer des Märchens die französische Bertasage, die bereits im 13. Jahrhundert verbreitet ist. Sie bildet ebenso die stoffliche Grundlage der Genoveva-Legende.

"Die Gänsemagd" in Film und Fernsehen

Erstmals wurde "Die Gänsemagd" 1957 in Westdeutschland vom Regisseur Fritz Genschow verfilmt. Die Prinzessin spielte Rita-Maria Nowotny. 1971 übernahm Rudolf Jugert die Regie für eine weitere Filmversion. In Ostdeutschland führte Horst J. Tappert Regie bei dem DEFA-Animationsfilm "Die Gänsemagd" im Jahr 1987. Ein Jahr später verfilmte die DEFA das Märchen mit dem Titel "Die Geschichte von der Gänseprinzessin und ihrem treuen Pferd Falada". Regie führte Konrad Petzold. In der deutschen Zeichentrickserie "Simsalagrimm", unter der Regie von Chris Doyle, wird "Die Gänsemagd" in Staffel 2, Folge 13 gezeigt. Darüber hinaus gibt es das Märchen in diversen Kinder- und Hörbüchern.

Dieser Text gibt den Sachstand vom wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Infos im WWW

Literaturnetz

"Die Gänsemagd" im Internet nachlesen

www.literaturnetz.org

Märchenlexikon

Hintergründe und Deutungen auf:

www.maerchenlexikon.de

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/maerchenfilm/6_auf_einen_streich/gaensemagd/_die_gaensemagd_.html

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