18.03.2010

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Märchenfilm
Märchenfilm
Lotte Flack, François Goeske (Quelle: SWR/Walter Wehner)

"Dornröschen"

Eine Königin gebar ein Mädchen, das war so schön, dass der König vor Freude sich nicht zu lassen wusste und ein großes Fest anstellte.

Er ladete nicht bloß seine Verwandten, Freunde und Bekannte, sondern auch die weisen Frauen dazu ein, damit sie dem Kind hold und gewogen wären. Es waren ihrer dreizehn in seinem Reiche, weil er aber nur zwölf goldene Teller hatte, von welchen sie essen sollten, so musste eine von ihnen daheim bleiben. Sie rächte sich an dem König, indem sie die Prinzessin verfluchte. Sie sollte sich an einer Spindel stechen und tot umfallen. Eine der zwölf übrigen Feen, die an dem Fest teilnehmen durften, wandelte den Todesfluch in einen hundertjährigen Schlaf um, woraufhin der König alle Spindeln im Königreich verbrennen ließ.

An des Mädchens fünfzehnten Geburtstag erkundet es ein Turmzimmer, in dem es eine alte Frau beim Spinnen entdeckte. Die Prinzessin wollte es auch einmal versuchen und stach sich mit der Spindel in den Finger. Sie fiel gemeinsam mit dem gesamten Hofstaat in einen tiefen Schlaf. Rings um das Schloss aber begann eine Dornenhecke zu wachsen, die jedes Jahr höher ward und endlich das ganze Schloss umzog und darüber hinaus wuchs, dass gar nichts mehr davon zu sehen war.

Es ging aber die Sage in dem Land von dem schönen schlafenden Dornröschen, denn so ward die Königstochter genannt, also dass von Zeit zu Zeit Königssöhne kamen und durch die Hecke in das Schloss dringen wollten. Es war ihnen aber nicht möglich, denn die Dornen, als hätten sie Hände, hielten fest zusammen, und die Jünglinge blieben darin hängen. Nach langen, langen Jahren kam wieder einmal ein Königssohn in das Land und hörte, wie ein alter Mann von der Dornenhecke erzählte, es sollte ein Schloss dahinter stehen, in welchem eine wunderschöne Königstochter, Dornröschen genannt, schon seit hundert Jahren schliefe, und mit ihr schliefe der König und die Königin und der ganze Hofstaat.

Nun waren aber gerade die hundert Jahre verflossen, und der Tag war gekommen, wo Dornröschen wieder erwachen sollte. Als der Königssohn sich der Dornenhecke näherte, waren es lauter große schöne Blumen, die taten sich von selbst auseinander und ließen ihn unbeschädigt hindurch. Endlich kam er zu dem Turm und öffnete die Türe zu der kleinen Stube, in welcher Dornröschen schlief. Da lag es und war so schön, dass er die Augen nicht abwenden konnte, und er bückte sich und gab ihm einen Kuss. Wie er es mit dem Kuss berührt hatte, schlug Dornröschen die Augen auf, erwachte und blickte ihn ganz freundlich an. Da gingen sie zusammen herab, und der König erwachte und die Königin und der ganze Hofstaat und sahen einander mit großen Augen an. Da wurde die Hochzeit des Königssohns mit dem Dornröschen in aller Pracht gefeiert, und sie lebten vergnügt bis an ihr Ende.

Nach der Vorlage der Brüder Grimm

Herkunft & Deutung

"Dornröschen" gilt manchen Forschern als eine entmythisierte Fassung der Figur der Brünhild aus der Nibelungensage. Das herangewachsene Mädchen wird in der Sage von Wotan mit dem "Schlafdorn" gestochen und dadurch in einen langen Schlaf versetzt. Ihre Burg wird in der Sage von einem Feuerkranz gegen Zugang gesichert. Siegfried durchdringt sie dennoch und erweckt die Schlafende. Im Unterschied zur Grimmschen Fassung wird Brünhild jedoch nicht mit einem Kuss erweckt, sondern durch sexuelle Vereinigung. Dörnröschen ist daher eine entschärfte und der sittlichen Moral der Zeit angepasste Fassung der Sage.

"Dornröschen" auf der Bühne und Leinwand

Bereits 1697 veröffentlich Charles Perraults den Stoff unter dem Titel "La belle au bois dormant". Zu dieser Version komponierte Tschaikowski eine Ballettmusik. Das Stück wurde in Sankt Petersburg mit der Choreografie von Marius Petipa uraufgeführt.

1959 kam Walt Disneys Version von Dornröschen als Zeichentrickfilm in die Kinos und gilt heute als Klassiker der Filmgeschichte. In der DDR wurde das Märchen 1971 unter der Regie von Walter Beck verfilmt. 1999 war es in der zweiten Staffel der deutschen Zeichentrickserie "SimsalaGrimm" zu sehen, sowie 2006 unter dem Titel "Dornröschen – Ab durch die Hecke" in der ProSieben Märchenstunde.

Infos im WWW

Literaturnetz

"Dornröschen" im Internet nachlesen

literaturnetz.org

Märchenlexikon

Mehr zu Herkunft und Deutung

www.maerchenlexikon.de

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/maerchenfilm/8_auf_einen_streich/dornroeschen/_dornroeschen_.html

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