Sie sind hier:
rbbonline | Nachrichten | Kultur


Aus Protest gegen die neuen GEMA-Tarife haben viele Clubs in der Samstagnacht um 23 Uhr 55 für fünf Minuten die Musik abgedreht.
Initiiert wurde die bundesweite Aktion vom Bundesverband deutscher Discotheken und Tanzbetriebe. Durch die massiven Mehrkosten im kommenden Jahr befürchten die Betreiber das Aus für viele Clubs.
Club-Szene protestiert in Prenzlauer Berg
Mehr als 5.000 Berliner Club-Betreiber hatten erst am Montagabend in Prenzlauer Berg gegen die geplante Tarifreform der GEMA protestiert.
Auf Plakaten war unter anderem zu lesen "GEMAinheiten lassen wir uns nicht gefallen" oder "Gehilfen Einer Miesen Angela". Auf mehreren provisorischen Bühnen brachten Redner ihre Argumente gegen die Neuregelung vor und warfen der Verwertegesellschaft vor, sie habe den Bezug zur Realität verloren.
Das Branchennetzwerk Clubcommission sprach von einer "Milchmädchen-Rechnung, die die GEMA da aufmacht". Dem Dachverband zufolge führt die neue Tarifregelung zu einer existenziellen Bedrohung der Clubszene mit massiv erhöhten Eintrittsgeldern, einer Kommerzialisierung, weniger Gästen und auch Einbußen für den Tourismus. "Wir fürchten, dass das Geld bei den Dieter Bohlens dieser Welt und nicht bei den kleinen Akteuren ankommt", so ein Verbandsvertreter.
Senat will sich an Schiedsstelle der GEMA wenden
Die Clubcommission befürchtet, dass viele Clubs und Diskotheken durch die wachsenden Kosten letzlich vor dem Aus stehen. Ihren Angaben zufolge soll die jährliche Gebühr für einen mittelgroßen Club von 28.000 auf 174.000 Euro im Jahr steigen. Dies stelle die ohnehin durch Mietsteigerungen und Umsatzsteuern auf Eintrittsgeldern "gebeutelte Clubszene vor eine unlösbare Aufgabe", hieß es.
Der Senat stellte sich hinter die Berliner Clubbetreiber. Sprecher Richard Meng sagt dem rbb, man werde sich bald an die Schiedsstelle der GEMA wenden. Das sei eine Veränderung der Tarife, die gut die Hälfte der Club-Besitzer massiv treffe. Es könne nicht sein, dass die Steigerung so hoch sei.
GEMA weist Kritik zurück - "Tarife werden gerechter"
Die GEMA wehrt sich jedoch gegen den Vorwurf, ihr neues Tarifsystem zur Musik-Nutzung löse ein "Club- und Diskothekensterben" in Deutschland aus.
Zehn Prozent der Eintrittsgelder seien ein angemessener Satz für die Urheber, sagte GEMA-Bezirksdirektor Schmid am Montag in Berlin. Manche Clubbetreiber hätten bisher viel zu wenig gezahlt.
Durch die für 2013 geplante Änderung sollen die bisher 11 unterschiedlichen Tarife vereinheitlicht werden. Künftig soll für alle, vom Sommerfest-Veranstalter bis zur großen Disco, der Satz von zehn Prozent gelten.
"Zehn Prozent der Eintrittsgelder bedrohen nicht die Existenz", sagte GEMA-Sprecherin Gaby Schilcher. Kleinere Veranstalter, zum Beispiel Wirte, würden entlastet. Im Vergleich zu Deutschland werde von Clubs in Frankreich und England das Zigfache gezahlt. Es gehe um angemessene Preise für die Urheber.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg