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Nach der Großrazzia gegen die kriminelle Rockerszene in Berlin und Brandenburg sitzen neun Männer in Untersuchungshaft.
Gegen einen 38-Jährigen wurde am Freitag ein Haftbefehl wegen Drogenhandels in nicht geringer Menge erlassen, teilte die Berliner Staatsanwaltschaft mit. Zudem wurden sieben Männern bereits erlassene Haftbefehle wegen bandenmäßigen Rauschgifthandels in großem Stil verkündet.
Nach einer Prüfung wurde am Freitagabend auch gegen einen 19-Jährigen Untersuchungshaft angeordnet, sagte Steltner.
Ein Däne, der der Polizei bei der Aktion als Zufallstreffer ins Netz gegangen war, kam wieder auf freien Fuß, nachdem er eine ausstehende Geldstrafe gezahlt hatte, teilte die Polizei mit.
Mehr als 1000 Beamte durchsuchen 70 Objekte
Die Polizei war am frühen Donnerstagmorgen mit rund 1.000 Beamten gegen die Bandidos und deren Unterstützer in der Region vorgegangen.
Schwerpunkt der Razzia war das Clubhaus der Bandidos del Este in Hennigsdorf (Oberhavel). Die Polizei setzte Spürhunde ein und stellte mutmaßliches Kokain sicher. Auch scharfe Schusswaffen wurden beschlagnahmt.
Einem Polizeisprecher zufolge waren bei der Aktion auch Spezialkräfte der GSG 9 im Einsatz sowie Beamte aus anderen Bundesländern. Den Angaben zufolge war es eine der größten Razzien, die jemals gegen Rockerbanden im Großraum Berlin geführt wurden. Hintergrund ist ein seit dem vergangenen Jahr bestehendes Ermittlungsverfahren der Berliner Staatsanwaltschaft wegen Drogenhandels und schwerer Bandenkriminalität.
Allein 40 Objekte in Hennigsdorf durchsucht
Der Präsident des Rocklerclubs Bandidos del Este, ein ehemaliger Berliner Polizist, befand sich zum Zeitpunkt der Razzia gemeinsam mit zehn weiteren Rockern auf dem Gelände. Gegen ihn habe aber kein Haftbefehl vorgelegen, hieß es. Es seien lediglich seine Personalien aufgenommen worden.
Insgesamt wurden bei der Razzia 79 Wohnungen, Vereinsheime und andere von den Rockern genutzte Gebäude durchsucht, so der Sprecher weiter. Darunter waren 50 Objekte in Hennigsdorf und 20 weitere in Berlin. Zwölf Verdächtige wurden festgenommen, gegen acht von ihnen lagen bereits Haftbefehle vor. In den meisten Fällen ging es um den Verdacht des bandenmäßigen Rauschgifthandels.
Rocker versuchen von Berlin auf Brandenburg auszuweichen
In der vergangenen Woche hatte es diverse Razzien in Berlin und Brandenburg gegeben. Der Senat hatte zuvor die einflussreichste Hauptstadt-Gruppe der Hells Angels verboten. Mehrere Mitglieder der Berliner Hells Angels und der verfeindeten Bandidos waren zuvor zu den Brandenburger Rockern übergelaufen. Für Aufsehen hatte zudem gesorgt, dass eine geplante Großrazzia gegen die Hells Angels in Berlin in der Szene bereits im Vorfeld bekannt geworden war.
"Wir wissen, dass sich in der Rockerszene etwas getan hat", sagte ein Sprecher der Polizei im Hinblick auf mögliche Überläufer zu Rockerbanden nach Brandenburg. "Dieser Sache will man Herr werden. Wir müssen sehen, dass wir den Überblick nicht verlieren."
In der vergangenen Woche war zudem bekannt geworden, dass mehrere Brandenburger Polizeibeamte in jüngster Zeit von Rockern massiv bedroht wurden. So hatte ein Mitglied der Potsdamer Hells Angels Ende Februar einen Ermittler mit dem Tod gedroht. In Königs Wusterhausen soll ein Rocker am selben Tag einem Ermittler aufgelauert haben. Für einige Beamte seien deshalb Schutzmaßnahmen getroffen worden.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg