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Mehrere hundert Menschen haben am Sonntag in Berlin ihre Solidarität mit dem von Jugendlichen zusammengeschlagenen Rabbiner bekundet.
Auf dem Grazer Platz im Stadtteil Friedenau forderte Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) die Islamverbände auf, den Antisemitismus mit konkreten Maßnahmen zu bekämpfen. An den verletzten Rabbiner gewandt sagte sie: "Wir bauchen Sie in Friedenau. Wir brauchen Sie, damit jüdisches Leben bleibt und wächst."
Der 53-jährige Geistliche sagte auf der Kundgebung, er habe das Jochbein gebrochen bekommen. "Aber meinen Willen, mich für interreligiösen Dialog einzusetzen, haben diese Typen nicht gebrochen." Berlin bleibe eine tolerante und weltoffene Stadt. "Das lassen wir uns nicht wegnehmen."
"Bösartiger Angriff auf das Judentum in Deutschland"
Im Anschluss an die Kundgebung wurde wenige Schritte vom Tatort ein großflächiges Banner aufgehängt. Neben der Aufschrift "Wir sind gegen Gewalt und Antisemitismus" trägt es die Unterschriften von Hunderten an Demonstrationsteilnehmern.
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) appellierte am Samstag in Reaktion auf den Angriff auf den Rabbiner, die Gesellschaft dürfe sich durch solche Straftaten nicht einschüchtern lassen. "Ich bin erschüttert und verurteile den Übergriff", sagte er und fügte hinzu: "Solche Taten sind abscheulich, und solche Angriffe auf den Wert der Toleranz dürfen uns und die jüdische Gemeinde nicht einschüchtern."
Der Rabbiner war am vergangenen Mittwoch im Berliner Stadtteil Schöneberg von mehreren Jugendlichen umstellt, verprügelt und verhöhnt worden. Seiner kleinen Tochter drohten die Angreifer mit dem Tod. Der Vorfall sorgte international für Empörung.
Als Reaktion auf den Überfall hatten Anwohner in Tatortnähe eine Bürgerinitiative gegründet. Bereits am Samstag waren in einem Flashmob in Charlottenburg rund 150 Menschen gegen Antisemitismus auf die Straße gegangen. Viele von ihnen trugen eine Kippa, die traditionelle jüdische Kopfbedeckung, die auch der überfallene Rabbiner getragen hatte.
Bei einer weiteren Demonstration sind junge Berliner Gläubige, darunter Muslime, Juden und Christen, in Berlin für ein friedliches Miteinander in der deutschen Hauptstadt auf die Straße gegangen. Der "feige Überfall" habe gezeigt, dass sich die Gesellschaft konsequent gegen Hass und Intoleranz wenden müsse, sagte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU), der zugleich Schirmherr der Kampagne ist.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/nachrichten/politik/2012_09/demo.html