Sie sind hier:
rbbonline | Nachrichten | Politik


Mehr als 10.000 Brandenburger Lehrer haben am Donnerstag auf landesweit sechs Personalversammlungen mehr Geld und Personal im Bildungsbereich gefordert. Nach der dritten Stunde wurde der Unterricht beendet.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert bis zu 200 Millionen Euro pro Schuljahr mehr für neue Lehrer und eine Aufstockung der Vertretungsreserve. Die Pädagogen haben laut GEW das Recht, einmal im Jahr an einer solchen Personalversammlung teilzunehmen.
"Gewerkschaft arbeitet mit falschen Zahlen"
Bildungsministerin Martina Münch (SPD) wies im rbb die Forderung der GEW als unbegründet zurück. Der Bildungsetat sei als einziger Haushaltsposten aufgestockt worden. Damit sollten neue Lehrer eingestellt sowie Aus- und Fortbildung verbessert werden. Außerdem sei die Vertretungsreserve in Brandenburg höher als in vielen anderen Bundesländern.
"Wir müssen mit den Ressourcen haushalten, die wir haben", sagte Münch, auch wenn klar sei, dass man sich "mehr Geld" wünsche.
Außerdem arbeite die GEW mit falschen Zahlen, kritisierte die Ministerin. So liege das Durchschnittsalter der Lehrer bei 50 und nicht bei 54 Jahren.
Opposition unterstützt Proteste
Die Brandenburger Opposition unterstützte dagegen die Forderungen der Lehrer und rief die Landesregierung zum Handeln auf. Zur Verbesserung der Situation müssten 70 Millionen Euro zusätzlich im Haushalt eingeplant werden, sagte der CDU-Abgeordnete Henryk Wichmann. Der FDP-Politiker Andreas Büttner verlangte unter anderem mehr Personal an den Schulen und ein Konzept gegen Unterrichtsausfall.
GEW will mehr junge Lehrkräfte
Die Lehrer-Gewerkschaft GEW ist der Ansicht, dass das Bildungssystem Brandenburgs restlos unterfinanziert ist. Bis zu 200 Millionen Euro zusätzlich müsse das Land pro Schuljahr in die Hand nehmen, sagt GEW-Landeschef Günther Fuchs. Der Bildungsetat Brandenburgs umfasst rund 1,5 Milliarden Euro jährlich.
Zahlreiche Pädagogen gingen in den nächsten Jahren in den Ruhestand, doch das Land dürfte Schwierigkeiten haben, für Nachwuchskräfte zu sorgen. Die GEW fordert unter anderem eine bessere Bezahlung und mehr junge Lehrkräfte einzustellen.
Im Mittelpunkt der Kritik steht eine nach Ansicht der GEW mangelnde personelle Ausstattung der Schulen. "Allein für dieses Schuljahr hätte die Bildungsministerin statt 450 mindestens 650 neue Lehrer einstellen müssen, um den Bedarf zu decken", sagt Fuchs. Die Pädagogen leisteten oft unbezahlte Mehrarbeit und fühlten sich ausgebrannt.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/nachrichten/politik/2012_11/lehrer_kuendigen_massen.html