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Luftbild von Berlin (dpa-Dezember 2012)

Bevölkerungswachstum

Senat muss sich auf zehntausende Neu-Berliner einstellen

Neue Wohnungen, mehr Kitas und Schulen: Mit zahlreichen Maßnahmen will sich Berlin im neuen Jahr für die stetig steigende Einwohnerzahl wappnen.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) erklärte am Freitag, jedes Jahr kämen 40.000 Einwohner hinzu. Rein rechnerisch würde so in zehn Jahren ein neuer Bezirk entstehen. Diese Herausforderung müsse die Stadt stemmen.

Wohnungsbauförderung von 100 Millionen Euro im Gespräch

Blick auf das weitgehend sanierte Viertel zwischen Rosenthaler Platz und Alte Schönhauser Straße (Bild: dpa).

Berlin braucht dringend neuen Wohnraum 

In den Haushaltsberatungen, die im kommenden Jahr beginnen, will der Senat nun mit einem Maßnahmenpaket Vorsorge treffen. Dabei geht es vor allem um mehr Wohnungen, aber auch um neue oder erweiterte Kitas und Schulen für die erwartete höhere Einwohnerzahl.

Da aber auch das Durchschnittsalter der Bevölkerung weiter steigen wird, muss die Infrastruktur auch an die daraus erwachsenden Bedürfnisse angepasst werden. Die rotschwarze Koalition prüft, wie und welchem Umfang der Bau neuer preiswerter Mietwohnungen angeschoben werden kann. Im Gespräch ist eine Wohnungsbauförderung von rund 100 Millionen Euro im Jahr. Denn Berlin hat schon jetzt einen besonders hohen Anteil von Single-Haushalten, was die Lage auf dem Wohnungsmarkt weiter erschwert.

Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) hatte am Donnerstag noch einmal bestätigt, dass der Senat den Neubau von 6.000 Wohnungen pro Jahr anpeile. Das sei allerdings nur ein Mindestanspruch - schon jetzt sei abzusehen, dass Berlin in den nächsten Jahren noch mehr brauche.

Potential für 90.000 Wohnungen vorhanden

Eine S-Bahn fährt an einer Berliner Kleingartenkolonie vorbei (Bild: dpa)

Kleingärten sind kein Tabu mehr 

Berlin hat laut Flächennutzungsplan ein Potenzial für rund 90.000 neue Wohnungen, das nach und nach erschlossen werden soll. Müller hatte in dieser Woche mit einem Vorschlag für Furore gesorgt, dass als mögliche Standorte für neue Wohnungen auch kleine Grünflächen oder Laubenkolonien kein Tabu mehr sein dürften. Es gebe einige Kolonien, die nicht mehr ausreichend genutzt und die Hälfte der Bestände aufgeben worden sind.

Bei der Diskussion über potentiellen Wohnraum könne nicht immer Rücksicht genommen werden, machte Müller klar. "Bei Baulücken wehren sich Anwohner, die sagen: Unser jetziges Wohnen ist davon betroffen. Und da sage ich ganz klar: Das geht nicht. Wir brauchen innerstädtische Flächen, nicht nur am Rande der Stadt, für neuen und bezahlbaren Wohnraum."

Während Kleingärtner bereits Widerstand gegen Müllers Pläne ankündigten, bekam der Senator Rückendeckung von der Industrie- und Handelskammer. Seit dem Mauerfall könnten die Berliner auch außerhalb der Stadtgrenzen ausreichend Erholungsflächen in Anspruch nehmen. Es sei klar, dass man im Rahmen einer fortschrittlichen Liegenschaftspolitik alte Tabus brechen müsse.

Die Straße war Filmdiva, Boulevard und Baustelle. Quelle: rbb

Schönhauser Allee 

Hintergrund der Debatte ist die jüngste Bevölkerungsprognose, die der Stadt bis 2030 einen Zuwachs von rund 254.000 Menschen voraussagt - das entspräche einer Stadt von der Größe Braunschweigs oder Chemnitz'. Das entspäche einem Plus von sieben Prozent. Damit könnten in 18 Jahren rund 3,75 Millionen Menschen in Berlin leben. Ende 2011 waren es rund 3,5 Millionen.

Zugleich erhöht sich der Prognose zufolge das Durchschnittsalter von 42,3 Jahren (2011) auf 44,2 Jahre. Die Zahl der älteren Personen wird bis zum Jahr 2030 um 29 Prozent zunehmen. Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 18 und 65 Jahren bleibt dagegen nahezu stabil. Zuwandern werden überwiegend junge Menschen (bis 30 Jahre) - die meisten aus den alten Bundesländern und aus dem Ausland. Die Altersgruppe der Kinder unter sechs Jahre bleibt mit ca. 200.000 Personen ungefähr konstant, während Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren um knapp 64.000 Personen (20 Prozent) wächst.

Der größte Zuwachs bis 2030 wird für den Bezirk Pankow (16,3 Prozent) erwartet, gefolgt von Friedrichshain-Kreuzberg (8,6 Prozent) und Berlin-Mitte (8,5 Prozent). Die wenigsten Zuwächse verzeichnen der Prognose zufolge Berlin-Reinickendorf (1,9 Prozent) und Tempelhof-Schöneberg (2,5 Prozent).

Stand vom 28.12.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 28.12.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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