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Der Berliner Zoo- und Tierparkchef Bernhard Blaszkiewitz bleibt trotz massiver Vorwürfe und Rücktrittsforderungen weiter im Amt. Das hat das Aufsichtsratspräsidium des Berliner Zoos am Montag nach Befragung von Blaszkiewitz beschlossen.
Als Konsequenz aus dem Streit um ihren Chef sollen Zoo und Tierpark jedoch eine Gleichstellungsbeauftragte bekommen. Das sagte der Aufsichtsratsvorsitzende, Frank Bruckmann, am Montagabend.
Förmliche Entschuldigung erwartet
Blaszkiewitz werde sich am Dienstag schriftlich an die Belegschaft wenden, so Bruckmann weiter. Wie es hieß wird erwartet, dass sich der 58-Jährige offiziell und in aller Form bei den betroffenen Mitarbeiterinnen entschuldigt. Außerdem beschlossen die Aufsichtsräte, eine Anwaltskanzlei zu beauftragen, um die strittigen Punkte "einer juristischen Würdigung zu unterziehen".
Der Zoo- und Tierparkchef hatte eingeräumt, in internen Schreiben vor die Namen von Mitarbeiterinnen die Formel 0,1 gesetzt zu haben. Diese steht in der Zoo-Welt für "Weibchen".
Kolat hatte Rücktritt gefordert
Frauen-Senatorin Dilek Kolat (SPD) und Gewerkschaftschefin Susanne Stumpenhusen hatten Blaszkiewitz vorgeworfen, frauenfeindlich zu sein.
"Von Führungspersönlichkeiten erwarte ich, dass sie Diskriminierung im eigenen Unternehmen vermeiden und bekämpfen." Dies sei ein klarer Fall von Diskriminierung. "Wer so handelt, hat sich als Führungspersönlichkeit disqualifiziert", sagte Kolat.
Blaszkiewitz dagegen erklärte, die Klassifizierung von Frauen-Namen mit dem Zusatz 0,1 für "Weibchen" sei "nicht etwa eine Bezeichnung von Missachtung". Vielmehr sei das von ihm "als Höflichkeit gegenüber den weiblichen Mitarbeitern gedacht".
Doch der Direktor ist auch wegen seiner Zuchtpolitik seit langem umstritten. Tierschützer werfen ihm vor, Tiernachwuchs um jeden Preis zu produzieren und sich nicht um artgerechte und zeitgemäße Tierhaltung zu kümmern.
Hämmerling: "Krasse Fehlbesetzung"
Die von Blaszkiewitz bei einer Betriebsversammlung im Tierpark Friedrichsfelde laut Teilnehmern als "bösartig" bezeichnete Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling sagte am Montagabend in einer ersten Reaktion:
"Ein Chef, dem der Aufsichtsrat eine Aufsicht zum Schutz der Mitarbeiterinnen vor die Nase setzen muss, ist eine krasse Fehlbesetzung." Es wäre ein gutes Signal für die Stadt gewesen, wenn der Aufsichtsrat Blaszkiewitz von seinen Aufgaben entbunden hätte.
Teilnehmer vereinbarten Vertraulichkeit
Nach Angaben von Teilnehmern der Krisensitzung ist über die Sitzung Vertraulichkeit vereinbart worden. Weder der ebenfalls angehörte Betriebsrat des Tierparks Friedrichsfelde noch Blaszkiewitz äußerten sich.
Offenbar erhofft sich der Aufsichtsrat, mit den Maßnahmen zahlreiche Mitarbeiter dazu zu bewegen, unter Zusicherung von Anonymität einige der öffentlich gewordenen Missstände im Zoologischen Garten und Tierpark Friedrichsfelde aufzuklären. Bei bisherigen umstrittenen Vorgängen hieß es oft, dass ein schwieriges Arbeitsklima und zum Teil massiver Druck von Blaszkiewitz Offenheit verhindert hätten.
Blaszkiewitz, der seit 2007 Zoo und Tierpark zusammen leitet, war in den vergangenen Jahren mehrfach wegen seines rustikalen Tons gegenüber Medien und Mitarbeitern und mehrerer Entscheidungen auch zur Haltung des berühmten Eisbären Knut in die Kritik geraten.
Der Berliner Zoo ist eine gemeinnützige Aktiengesellschaft, einer Stiftung nicht unähnlich. Auch das Land Berlin ist im Aufsichtsrat vertreten, obwohl es nur eine symbolische Aktie hält. Grund ist die finanzielle Hilfe in Höhe von rund 6 Millionen Euro, die der Tierpark jedes Jahr vom Land erhält.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/nachrichten/politik/2013_01/Zoo_Direktor_muss_um_Job_bangen.html