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Brandenburgs Kampfsportvereine sind offenbar stark anfällig für Neonazis. Hier sei die Verflechtung zwischen Verein und Rechtsextremisten besonders dicht, sagte Dirk Wilking, Leiter des Mobilen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus in Brandenburg, am Donnerstag im rbb.
Rechtsradikale träten bevorzugt als Gruppen in Kampfsportvereine ein, um dort eine gewisse Dominanz auszustrahlen und zugleich für die Vereine zu "Heroen zu werden", so Wilking. Gerade auf die Jugendbereiche der Vereine nähmen sie Einfluss.
Zwischen Brandenburgs Kampfsport und dem Rechtsextremismus bestehe auch deshalb ein "sehr gutes" Verhältnis, weil hier für einen Arbeitsbereich geübt werden könne, der stark von Neonazis unterwandert sei: die Security-Dienste.
Energie Cottbus wehrt sich gegen Vorwurf
Auch beim Fußball-Zweitligisten Energie Cottbus sieht Wilking ein hohes Maß an rechtsextremen Fans. Hier gebe es immer wieder Schwierigkeiten besonders im Security-Bereich, die wohlgemerkt keine Einzelfälle seien. An die Verantwortlichen bei Energie Cottbus appellierte Wilking, sich dem Problem zu stellen und dieses auch offen zu kommunizieren. Grundsätzlich müssten die Vereine in Brandenburg "nichts unter der Decke halten", so Wilking.
Auch der Brandenburger Verfassungsschutz hatte den Zweitligisten scharf kritisiert. Verfassungsschutz-Chefin Winfriede Schreiber hatte am Mittwoch gesagt, dass eine Fangruppe wegen ihrer rechtsextremistischen Bezüge erhebliche Sorge bereite. Allerdings habe sich der Verein noch nicht durchringen können, deutlich dagegen vorzugehen.
Der Lausitzer Zweitligist wehrte sich indes gegen den Vorwurf. Vor einigen Wochen habe es ein Treffen mit dem Verfassungsschutz und der Polizei gegeben, sagte ein Vereinssprecher am Mittwoch dem rbb. Man sei für das Thema Rechtsextremismus im Fußball sensibilisiert und werde gegen auffällige Fans vorgehen.
"Sport und Neonazis gehören nicht zusammen"
Auch der Brandenburger Verfassungsschutz hat die Sportvereine verstärkt ins Visiert genommen. Schreiber hatte sie aufgefordert, sich stärker mit dem Thema Rechtsextremismus auseinanderzusetzen. Die Vereine müssten sich klar positionieren, verlangte Schreiber in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Der Sport habe sich damit lange Zeit schwergetan, weil man sich für unpolitisch gehalten habe.
Neonazis versuchten jedoch, Vereine zu beeinflussen. In vielen Satzungen sei inzwischen ein klares Bekenntnis zur Demokratie verankert worden. Dies werde jedoch nicht immer konsequent in der Praxis umgesetzt, erklärte Schreiber. Oft gebe es dafür wirtschaftliche Gründe.
Schreiber hatte dem rbb zuvor gesagt, dass Sportvereine eine "echte körperliche Kampfansage" der Neonazis seien. Hinter ihnen stecke auch eine Drohung. Gerade dort engagierten sie sich besonders, weil das ihrer Elitevorstellung des Neonazismus entspreche: "Elite durch Schulung, Schulung in NSDAP-Gedanken. Aber auch Elitebildung in körperlichen Aktivitäten. Man stählt für die Übernahme der Macht." Sport und Neonazismus gehörten aber nicht zusammen.
"2012 war kein gutes Jahr für Neonazis"
2012 sieht der Brandenburger Verfassungsschutz zudem Erfolge im Kampf gegen Neonazis. Für den Rechtsextremismus sei das verganene Jahr kein gutes Jahr gewesen, sagte Schreiber dem rbb weiter.
Die NPD-Strukturen schwächelten und das Verbot der "Widerstandsbewegung in Südbrandenburg" vom Juni habe Wirkung hinterlassen. Die Rechtsextremisten seien zwar nicht verschwunden, aber sie hielten im Moment die Füße still. Damit habe die Gesellschaft schon viel gewonnen. Man sei aber noch nicht über den Berg. "Es gibt noch viel zu tun".
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/nachrichten/politik/2013_01/neonazis_sportvereine.html