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Die Berliner Piraten ziehen mit einem Frauen-Trio an der Spitze in den Bundestags-Wahlkampf. Nach mehr als 20 Stunden Diskussion an zwei Tagen wählten sie am Sonntag die 38-jährige Cornelia Otto auf Platz eins der Landesliste. Auf die Ränge zwei und drei kamen Miriam Seyffarth und Lena Rohrbach. Als aussichtsreich für den Bundestag gelten bei einem Einzug der Piratenpartei die ersten zwei Plätze.
"Wir haben eine Vision und ein Ziel", sagte die Spitzenkandidatin Otto. Daran müssten sich die Piraten erinnern, um im September bei der Bundestagswahl erfolgreich zu sein. Die Politik- und Soziologiestudentin engagiert sich vor allem in der Finanz- und Arbeitsmarktpolitik.
Der thematische Schwerpunkt der 26-jährigen Studentin Seyffarth ist die Familien- und Integrationspolitik. Die Philosophie-Absolventin Rohrbach (27) sitzt für die Piraten in der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg und ist Mitglied im Ausschuss "Frauen, Gleichstellung, Queer".
Berliner Piratenabgeordnete kandidierten nicht
Es gab nur einen einzigen Wahlgang, bei dem alle 46 Kandidaten in eine Rangfolge gebracht wurden. Vor der Wahl hatten die Piraten ihre Kandidaten über Stunden teils hitzig befragt und deren politisches Programm kritisiert.
Bereits am Samstag wurde der Berliner Abgeordnete Gerald Claus Brunner als Direktkandidat für den Bezirk Steglitz-Zehlendorf gewählt. Er bekam nach Angaben der Piratenpartei 70,6 Prozent der Stimmen.
Für einen Listenplatz standen hingegen keine weiteren Mitglieder der Berliner Abgeordnetenhausfraktion zur Wahl. "Wir können es uns einfach nicht leisten und mit unserer Verantwortung nicht in Einklang bringen, für den Bundestag zu kandidieren und Berlin zu verlassen", erläuterte der Abgeordnete Martin Delius.
Die Wahrscheinlichkeit auf einen Einzug in den Bundestag ist nach der Ansicht von Delius derzeit genauso hoch wie vor einem Jahr, als die Piraten in Umfragen deutlich die Fünf-Prozent-Hürde knackten. Inzwischen liegen sie allerdings seit Wochen bundesweit unter fünf Prozent.
Sollten die Piraten nicht in den Bundestag einziehen, sei das nicht das Ende der Partei, betonte Delius. "Es ist nicht Ziel der Piraten, sich von Wahl zu Wahl zu hangeln, sondern eine langfristige Alternative und politische Bewegung darzustellen." Ohne Bundestagsmandat könnten sie sich vielleicht eher "wieder auf diese langfristigen Ziele" konzentrieren.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg