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Ein volles Berliner Olympiastadion bietet die Bühne für die zwei Mannschaften, die sich noch Hoffnung auf den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga machen. Hertha BSC und der 1. FC Union treffen sich am Montag, Berlin und Brandenburg sind im Derby-Fieber. Ein Beitrag von Guido Ringel
Bislang ist die Bilanz Hertha-Union ausgeglichen: Beide Teams konnten jeweils einmal siegen, zudem gab es ein Unentschieden. Und so wird das Match unter mehreren Gesichts-Punkten besonders.
Hertha gilt als der Favorit: Die Blau-Weißen haben nicht nur das Hinspiel in Köpenick gewinnen können (2:1), sondern sind als Tabellen-Zweiter neben Braunschweig auch der Favorit auf den Aufstieg in die Bundesliga. Der Punkte-Abstand zu Union beträgt aktuell satte 15 Zähler.
Und doch macht sich auch der Klub von der Alten Försterei noch Hoffnung, den Sprung ins Oberhaus zu schaffen: Die Köpenicker liegen auf Platz 4 der Tabelle – der Dritte, Kaiserslautern, ist noch in Sichtweite.
Um den Abstand zu verkürzen, muss nun ein Sieg her im prestigeträchtigen Duell mit Hertha. Für Spannung also ist gesorgt.
Stimmung zwischen den Fans kocht hoch
Dieses Derby hat es aber auch atmosphärisch in sich: Seit Tagen organisieren die jeweiligen Fans Aufmärsche und Kundgebungen, Sticheleien gegen den jeweils anderen liest und hört man fast täglich.
Die Rivalität zwischen beiden Klubs kocht seit Jahren hoch, der Tiefpunkt war dabei eine Aussage von Unions Spieler Quiring, der nach dem verlorenen Hinspiel "kotzen" wollte, als er "diese Wessis" in seinem Stadion feiern sah. Vor dem Hintergrund der aufgeheizten Atmosphäre hat sich die Berliner Polizei sogar in einem offenen Brief an die Fans gewandt. Darin wird nicht nur an die Friedfertigkeit der Anhänger appelliert, sondern auch darum gebeten, die "Fantrennung" unbedingt zu beachten, damit Rangeleien von vornherein ausgeschlossen werden.
Eine Niederlage käme Hertha ungelegen
Dabei steckt schon sportlich genug Brisanz in diesem Zweitliga-Spiel. Beide haben mit Siegen den Start nach der Winterpause gemeistert, beide mischen oben mit in der Tabelle: Vor allem Hertha aber muss geradezu gewinnen, der Druck ist immens.
Nicht nur, weil beim letzten Derby im Olympia-Stadion vor zwei Jahren die Blau-Weißen den Kürzeren zogen, sondern vor allem, weil die Rückkehr in die Bundesliga für den Favoriten Pflicht ist- auch in finanzieller Hinsicht. Ein sportlicher und mentaler Rückschlag durch eine Niederlage gegen den Stadt-Konkurrenten käme extrem ungelegen.
Aller Voraussicht nach kann Hertha-Trainer Jos Luhukay am Montag seine beste Mannschaft aufbieten. Allerdings verlief die Vorbereitung auf das Derby nicht gerade rund: Noch am Mittwoch verlor die vermeintlich erste Elf gegen das eigene U23-Team mit 0:2. "Ich bin enttäuscht – das Defensiv-Verhalten hat gar nicht gestimmt", kritisierte Trainer Jos Luhukay.
Union hat sich gemausert
Nicht nur aufgrund dieser Niederlage der Herthaner wittert der Rivale aus Köpenick seine Chance. "Unsere Chancen stehen sogar besser als vor 2 Jahren", glaubt Unions Verteidiger Patrick Kohlmann. Nicht nur, weil der Union-Kader stärker sei als damals, sondern auch weil sich Mannschaft und Verein in dieser Saison entwickelt hätten. Zudem hätte Hertha die Schlappe von 2011 sicher noch im Hinterkopf: "So ein Ereignis vergisst du nie", glaubt Kohlmann. Personell sieht es gut aus bei den "Eisernen“, nur Mittelfeldmann Parensen fällt aus mit einer Lungenentzündung.
Union hat sich gemausert in den letzten Monaten: Mit der Einweihung der neuen Haupt-Tribüne im Stadion an der Alten Försterei konnte vor wenigen Tagen ein neues Ausrufezeichen gesetzt werden – sportlich und finanziell entwickelt sich der einstige Skandal- und Krisen-Klub zu einem soliden Fußball-Verein. Und deswegen ist auch das Wort „Aufstieg“ in dieser Saison kein Tabu mehr: Sowohl Präsident Dirk Zingler als auch Trainer Uwe Neuhaus sprachen im Vorfeld des Derbys offen vom Ziel, den Sprung in die Bundesliga noch zu schaffen.
So viel Selbstbewusstsein war selten beim 1. FC Union. Hertha ist gewarnt. Der aufrechte und auch sportlich gefestigte Klub der Eisernen wird den Blau-Weißen ein "offenes Spiel" bieten, ist sich Unions Patrick Kohlmann sicher. "Wir sind bereit für das Derby", glaubt aber auch Herthas Peter Pekarik, der sich nach überstandener Verletzung Hoffnung auf einen Einsatz macht. Sollten beide Recht haben, wird das Derby am Montagabend für alle ein echter Leckerbissen.
Guido Ringel, rbb Sportredaktion
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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