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In Berlin-Tegel ist am Dienstagvormittag ein S-Bahnzug der Linie 25 entgleist.
Zum Unfallzeitpunkt gegen 11.45 Uhr sei der Zug vom Bahnhof Tegel in den dann eingleisigen S-Bahn-Abschnitt in Richtung Schulzendorf gefahren, sagte S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz dem rbb. Dabei wurden die Waggons parallel auf ein S-Bahn- und ein Güterverkehrgleis gelenkt und der Zug auseinandergezogen, wodurch die beiden mittleren Wagen entgleisten.
Wie der Sprecher der Bundespolizei, Maik Gauer, dem rbb sagte, wurden sechs Menschen verletzt. Sie seien in ein Krankenhaus gebracht worden. Über die Schwere der Verletzungen habe er keine näheren Informationen, so der Sprecher.
Nach Angaben der Feuerwehr hat es keine Schwerverletzten gegeben, alle Betroffenen seien leicht verletzt. Weitere 50 Passagiere blieben unverletzt.
Feuerwehr und Bundespolizei waren mit einem Großaufgebot im Einsatz. Auch Rettungshubschrauber waren vor Ort.
Unfallursache unklar - Defekte Weichenstellung nach Blitzeinschlag möglich
Unbestätigten Angaben zufolge ist der Grund für die fehlgeleiteten Wagen eine defekte Weiche. Anwohner sprachen von einem Blitzeinschlag nahe dem Gleisbett am Vorabend, woraufhin der Verkehr unterbrochen und eine Bahnschranke ausgefallen war.
Die S-Bahn bestätigte zwar den Unwetterschaden vom Montagabend, wies aber darauf hin, dass am Dienstagmorgen der Verkehr an der betroffenen Stelle wieder aufgenommen werden konnte. "Alles weitere müssen die Ermittlungen jetzt ergeben."
Vom Mutterkonzern Deutsche Bahn gab es ebenfalls keine Angaben zu einer möglicherweise vom Unwetter ausgelösten Weichenstörung. "Die Untersuchungen laufen", sagte ein Sprecher. "Der Betriebsleiter der S-Bahn ist vor Ort."
"Wir haben noch keine Ahnung, was da passiert ist", sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Für einen Anschlag gebe es aber keine Hinweise, hieß es am Abend. Der S-Bahn-Fahrtenschreiber sei geborgen worden und werde nun ausgewertet. Ermittelt werde "in alle Richtungen", bisher könnten keine Aussagen zu einem möglichen technischen oder menschlichen Versagen gemacht werden.
Etwa 90 Beamte der Bundespolizei hatten das Gelände abgesperrt und Spuren gesichert. Auch ein Hubschrauber kam zum Einsatz und vermaß die Unglücksstelle aus der Luft.
Zug war nur mit 40 km/h unterwegs
Laut Bundespolizei entgleiste der Zug, als er eine Weichenanlage hinter dem S-Bahnhof Tegel überfuhr. Züge sind an dieser Stelle standardmäßig nur mit rund 40 km/h unterwegs, wie es bei der Bahn hieß.
Die vorderen zwei der sechs Wagen wurden bei der Weiche auf das richtige Gleis geleitet, ein Teil landete auf einem abgehenden Gleis für den Gütertransport, zwei weitere Waggons hingen dazwischen. Diese waren stark zur Seite gekippt. Auch am Gleisbett entstand Sachschaden.
Feuerwehr: "Evakuierung verlief ohne Probleme"
Mehr als 150 Feuerwehrleute waren beim Rettungseinsatz vor Ort und hatten über Leitern und Rampen Passagiere aus den Wagen geholt. "Die Evakuierung verlief ruhig", sagt ein Sprecher.
Die Reisenden hätten großes Glück gehabt. Nach dem Unglück sei der Strom abgeschaltet worden, um die Menschen über die gesperrten Gleise auf den Parkplatz eines nahe gelegenen Supermarktes zu bringen. Dort wurden sie von Rettungskräften betreut.
Der Zugführer erlitt einen Schock und musste vor Ort versorgt werden.
Einsatz von Ersatzbussen - Streckensperrung mindestens bis Mittwoch
Die S-Bahnstrecke zwischen Hennigsdorf und Tegel ist derzeit gesperrt, es verkehren Ersatzbusse.
Wie lange die Strecke gesperrt werden muss, ist laut S-Bahn "derzeit nicht einzuschätzen". Es sei aber davon auszugehen, dass auch am Mittwoch die Aufräumarbeiten andauern und die Gleise weiter untersucht würden, sagte Bahnsprecher Ahlert dem rbb.
So würde auch ein sogenannter Hilfsgerätezug zum Einsatz kommen, um die beiden entgleisten Wagen wieder auf die Schienen zu heben. Erst danach sei etwas über die Schwere der Beschädigungen und die Dauer der anfallenden Arbeiten zu sagen.
Bis zum Abend wurden nach rbb-Informationen die ersten beiden S-Bahn-Wagen vom Unfallpunkt wegrangiert.
Der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg, VBB, Franz, sagte, er rechne damit, dass die S-Bahnlinie im Laufe des Mittwochs wieder frei sein wird.
Zugleich rief er die Führung von Deutsche Bahn und S-Bahn dazu auf, die S-Bahn-Krise verstärkt abzuarbeiten. Die Krise sei noch nicht überwunden, sagte er am Abend dem rbb. Der aktuelle Vorfall könne damit aber nicht direkt in Verbindung gebracht werden.
Zugleich kritisierte Franz die S-Bahn zudem für ihre Informationspolitik. Die Öffentlichkeit habe ein Recht zu erfahren, was passiert sei, was getan werden könne und wie der Ersatzverkehr eingerichtet sei.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/nachrichten/vermischtes/2012_08/s_bahn_zug_in_berlin.html