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Nach dem unterirdischen Einbruch in eine Steglitzer Bank und der Veröffentlichung eines Phantombildes sind laut Berliner Polizei insgesamt 90 Hinweise auf die möglichen Täter eingegangen. Nach der Veröffentlichung eines Phantombildes eines der mutmaßlichen Täter am Donnerstag kamen allein am Freitag 30 Tipps aus der Bevölkerung dazu. Noch werde nur in Deutschland nach den Tätern gefahndet, aber weitergehende Ermittlungen im Ausland seien nicht ausgeschlossen, sagte ein Polizei-Sprecher. Derweil hat eine Baufirma damit begonnen, den Tunnel zuzuschütten. Ein kleiner Teil davon soll aber für die polizeihistorische Sammlung in Berlin-Tempelhof gesichert werden.
Am Donnerstag untersuchte die Polizei den 45 Meter langen Tunnel, den die Täter gegraben hatten. Nach Abschluss der Untersuchungen der Spurensicherung soll der Gang von oben aufgegraben und dann wieder vollständig zugeschüttet werden. Mit diesen Arbeiten ist am Donnerstag schon begonnen worden.
Zuvor hatte die Polizei das Phantombild eines Mannes veröffentlicht, der wahrscheinlich an dem Einbruch beteiligt war. Das Bild entstand nach Zeugenbeschreibungen.
Die Volksbank-Filale ist seit dem Einbruch geschlossen. Eigentümer aufgebrochener Schließfächer können sich ab Montag beraten lassen.
Bank hat mit Bestandsaufnahme begonnen
In dem Tresorraum der Filiale befinden sich insgesamt 1.600 Schließfächer, von denen 900 vermietet sind, wie eine Sprecherin am Freitag sagte. Aufgebrochene Schließfächer seien bereits gesichtet und liegen gebliebenen Wertgegenstände sichergestellt worden. Die Bank habe zudem mit der Reinigung und einer Bestandsaufnahme
begonnen. "Wir gehen davon aus, dass es mehrere Monate dauern wird, bis wir jeden Gegenstand einzeln aufgenommen und zugeordnet haben", sagte die Sprecherin.
Bis zur Wiedereröffnung am Montag steht vor der Bank ein mobiler Bankautomat. Der Tresorraum bleibt vorerst geschlossen. Vom 28. Januar an sollen Kunden, die von dem Überfall nicht betroffen sind, wieder Zugang zu ihren Schließfächern bekommen.
Der von der Polizei gesuchte Mann ist der Mann etwa 30 bis 40 Jahre alt und recht groß: rund 1,90 Meter. Auf einer Wange hat er ein auffälliges Muttermal. Er wird als stämmig und mit Bauchansatz beschrieben und trug verschmutzte Arbeitshosen sowie ockerfarbene Arbeitsstiefel.
Die Polizei bittet um Mithilfe, wenn jemand den Mann auf dem Phantombild kennt.
Polizei geht von "absoluten Profis" aus
Für die nach Berlin-Steglitz abgeordneten Polizisten steht eines fest: "Das waren absolute Profis." Bislang Unbekannte hatten sich durch einen selbst gegrabenen Tunnel Zugang zu den Bankschließfächern einer Volksbank-Filiale verschafft. Der Coup war am Montag aufgeflogen. Um ihre Spuren zu verwischen, legten die Täter Feuer.
Die Tiefgaragenzufahrt am Tatort nimmt eine scharfe Kurve. Gleich das erste Abteil muss den Gangstern über Wochen, ja Monate als "Arbeitsstelle" gedient haben, vermutet ein Polizeisprecher. Das Garagentor aus Kunststoff ist angekohlt. Ebenso das gesamte Garagenabteil. Gerümpel liegt herum, darunter eine Baustellenwanne aus Hartplast, wie sie auch zum Mischen von Beton genutzt wird. Laut Polizei ist es durchaus möglich, dass die Täter damit einen Teil der Sandmengen transportierten. Aktuellen Schätzungen zufolge gruben die Täter vier Lkw-Ladungen Sand aus dem Boden. Der Rest davon, ein etwa mannshoher Haufen, liegt noch im Garagenabteil.
Mit Spezialwerkzeug durch Beton gebohrt
In der linken Wand klafft ein Loch. Die Täter haben dafür mit ultraharten Fräsen vier versetzte Löcher mit einem Durchmesser von jeweils 30 Zentimetern herausgeschnitten. Unklar ist noch, wie sie das Spezialwerkzeug dabei kühlten. Die Bohrungen sind so angeordnet, dass nach dem Herausbrechen der Kerne sogar ein fünftes Loch in der Mitte entstanden sein muss - zumindest sieht das Ergebnis wie eine große stilisierte Blume in der Wand aus. Wohl 25 Zentimeter war der Beton dick.
Dahinter beginnt ein Schacht, der jedem Bergmann zur Ehre gereichen würde. Bereits kurz hinter dem Durchstieg sind alle Wände rundherum mit massiven Holzbohlen abgestützt. Jede einzelne der Bohlen wiederum wurde durch Winkel am Nachbarholz befestigt. Hunderte Nägel halten die Konstruktion. Der etwa 1,50 Meter hohe Tunnel ist sanft abfallend, es geht um eine leichte Kurve. Der Durchstieg ist ohne weiteres möglich, auch wenn die Breite kaum mehr einen Meter beträgt. Noch sind die Untersuchungen der
Kriminaltechniker nicht abgeschlossen.
Steglitz: Schauplatz spektakulärer Bankraube
Der gutbürgerliche Bezirk Steglitz-Zehlendorf im Berliner Westen war wiederholt Schauplatz spektakulärer Banküberfälle und Geiselnahmen. Erst im Dezember - kurz vor Weihnachten - hatte ein Mann dort eine Bank überfallen. Er hielt neun Stunden lang einen Angestellten als Geisel in seiner Gewalt, bevor die Polizei ihn zum Aufgeben bewegte.
Für überregionales Aufsehen hatte 1995 ein Bankraub gesorgt. Damals überfielen sechs Männer eine Commerzbank-Filiale in Zehlendorf und nahmen 16 Geiseln. Die Täter entkamen mit ihrer Beute ebenfalls über einen selbst gegrabenen Tunnel. Sie wurden später gefasst und verurteilt.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/nachrichten/vermischtes/2013_01/Tunnelgangster_Phantombild.html