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An der East Side Gallery, dem weltbekannten Berliner Mauerdenkmal, haben am Sonntag mehrere tausend Menschen gegen den geplanten Teilabriss demonstriert. Zu der Aktion hat das Bündnis "East Side Gallery retten!" aufgerufen. Laut Angaben von Initiativen-Sprecher Lutz Leichsenring nahmen bis zu 10.000 Menschen teil, die Polizei wollte keine Zahlen nennen. Augenzeugen gingen von weniger Teilnehmern aus.
Die von internationalen Künstlern bemalte East Side Gallery ist das längste noch erhaltene Stück der früheren Grenzmauer. Anlass des erneuten Protests ist das Ende des angekündigten Baustopps am Wochenbeginn.
Unter den Demonstranten war auch "Baywatch"-Star David Hasselhoff. Er hatte 1989 an der Mauer gesungen. Sein Hit "Looking for Freedom" wird von vielen Menschen bis heute mit dem Mauerfall verbunden.
Der Schauspieler und Sänger hatte sich zuvor auf einer Pressekonferenz in Berlin für den vollständigen Erhalt des Mauerstreifens stark gemacht. "Dieses letzte Stück Mauer sollte wirklich unantastbar sein", sagte Hasselhoff zusammen mit dem Bündnis "East Side Gallery retten!". "Es ist wichtig, dass wir diese Erinnerung bewahren."
Vorläufiger Baustopp endet am Dienstag
Am Spreeufer hinter der East Side Gallery sollen ein Hochhaus und ein Wohnblock entstehen. Außerdem ist eine Brücke geplant. Um das Gelände zu erschließen, war vor etwa zwei Wochen mit einem
Teilabriss begonnen worden.
Daraufhin hatten sich 6000 Menschen für den Erhalt des historischen Erbes eingesetzt. Die Bauarbeiten waren vorübergehend gestoppt worden. Verantwortlich für die Arbeiten ist das Unternehmen Living Bauhaus.
Ein Sprecher der Firma sagte am Freitag, dass noch nicht klar sei, ob und wie es am Dienstag weitergehe. Die Gespräche dazu liefen noch. Die Lage ist kompliziert, weil die Lücke in der East Side Gallery auch als Zugang zur Brommybrücke dienen sollte, die für Fußgänger und Radfahrer wieder aufgebaut wird.
Der längste Rest der Maueranlagen
Anfang März hatte ein neuer Durchbruch an dem insgesamt 1,3 Kilometer langen Mauerstück für massive Proteste und internationale Kritik gesorgt. Bei einem Runden Tisch mit den Beteiligten sprach sich Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) für einen Kompromiss aus. Danach könnte statt der neuen Lücke ein bereits bestehender Durchbruch erweitert werden. Die Pläne werden derzeit geprüft.
Ursprünglich war eine neue, 22 Meter breite Öffnung vorgesehen, um ein zwischen Mauer und Spree geplantes Hochhaus zu erschließen und einen Fußgänger- und Radlersteg über den Fluss zu bauen. Diese Brücke hatten Bürger bei einem Volksentscheid mit großer Mehrheit beschlossen. Schon 2006 war beim Bau der Veranstaltungshalle o2 World ein rund 40 Meter breites Stück der Mauer herausgeschlagen und versetzt worden.
Die East Side Gallery im Stadtteil Friedrichhain war nach dem Fall der Mauer als längster Rest der Grenzanlagen zwischen Ost und West erhalten worden. 118 Künstler aus 21 Ländern der Welt bemalten die Betonblöcke mit riesigen Wandbildern.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg