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Im 18. Jahrhundert begründete der Berliner Pfarrer Johann Peter Süßmilch die wissenschaftliche Demografie.
Sein Hauptwerk hieß "Die Göttliche Ordnung in den Veränderungen des menschlichen Geschlechts, aus der Geburt, dem Tode und der Fortpflanzung desselben erwiesen". Vom Autor 1741 verfasst, gilt es als bahnbrechendes Werk in der Geschichte der Bevölkerungsstatistik.
Manuskript:
Er war ein großer Aufklärer seiner Zeit. Und lieferte die ersten demografischen Daten für Preußen. Der Berliner Universalgelehrte und Pfarrer Johann Peter Süßmilch.
Geboren wurde er am 3. September 1707 als erstes von sechs Kindern einer wohlhabenden Kleinunternehmerfamilie im heutigen Berliner Stadtteil Zehlendorf. Sein Leben sollte geprägt sein durch ein Jahrhundert voller Kriege, Mißernten und Hungersnöte, die immer wieder zu großen Bevölkerungsverlusten in Preußen führten.
In seiner Schulzeit in Brandenburg, später am Grauen Kloster in Berlin interessierte er sich zunächst für Naturwissenschaften. Arzt wollte er werden, hörte Vorlesungen am Berliner ´Teatrum anatomicum´. Doch dann entschied er sich für ein Studium der Theologie. Gleichzeitig erwachte seine Begeisterung für Bevölkerungsstatistik. Seine erste Stelle als Hauslehrer in Berlin bot ihm den nötigen Freiraum für seine ersten demografischen Studien.
Systematisch wertete er Kirchenbücher aus, sammelte Daten über Geburten, Sterbefälle, Todesursachen. Er berechnete das Bevölkerungswachstum und Verluste durch Abwanderung, Kriege und Hungersnöte. Dabei zog er Vergleiche zwischen Stadt und Land, aber auch zwischen verschiedenen Ländern. Preußen war stark entvölkert. Nur viele Menschen konnten das Land wieder zum Blühen bringen.
O-Ton Prof. Eckhart Elsner:
Statistiker und Süßmilch-Biograf
"Er hat ganz viele Sachen entdeckt. Er hat die ersten brauchbaren Sterbetafeln gemacht zum Beispiel. Sterbetafel ist, die Sterbeordnung der Bevölkerung. Er hat aber auch herausgefunden, dass bei den Geburten zum Beispiel immer 106 Knaben auf einhundert Mädchen geboren werden."
Doch mit Machtantritt von Friedrich dem Zweiten mußte Johann Peter Süßmilch als Feldprediger in den Ersten Schlesischen Krieg. Aber auch dort setzte er im Feldlager seine demografischen Arbeiten fort. Er versuchte seinen König von der Nützlichkeit einer preußischen Bevölkerungsstatistik zu überzeugen. Und legte 1741 mitten im Krieg Friedrich dem Zweiten das heute erste wissenschaftliche Werk zur Demografie in Deutschland vor.
O-Ton Prof. Eckhart Elsner:
Statistiker und Süßmilch-Biograf
„Er hat ja sein Werk ´Die göttliche Ordnung´ genannt. Das Wort ´Demografie´ kannte er noch nicht. Das hieß noch ´politische Arithmetik´. ´Seid fruchtbar und mehret Euch´. Das muss auch der König beachten. Und da hat er dem König nahe gelegt, wenn es allen gleich gut geht, dann ist es am besten für die Mehrung. Ganz Reiche und ganz Arme ist nicht so gut als wenn ein guter Durchschnitt in der Bevölkerung ist.“
1742 kehrt er als Pfarrer an die St. Petri-Kirche nach Berlin zurück. Als Vorsitzender der Armenkommission legte er 1746 Berlins erste Kindersterblichkeitsstatistik vor und versuchte die Ursachen der hohen Sterblichkeit zu bekämpfen. Er ließ eine erste Hebammenschule gründen und hielt junge Mütter zum Stillen ihrer Kinder an.
Als Mitglied der Akademie der Wissenschaften beschäftigte er sich mit dem Wachstum der Städte und stellte erste globale Bevölkerungsprognosen an.
O-Ton Prof. Eckhart Elsner:
Statistiker und Süßmilch-Biograf
„Er hat natürlich eine große Leistung erbracht in der Demografie. Er selber sah sich ja als politischer Arithmetiker und in erster Linie als Pfarrer natürlich. In Deutschland ist Süßmilch eindeutig der Vater der deutschen Statistik."
1767 starb er in Berlin.
Ein Bericht von Maren Schibilsky.

