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Die Sehnsucht nach der großen Liebe ist ungebrochen. Doch hohe Scheidungsraten und immer mehr Singles belegen, wie schwer es ist, den passenden Partner zu finden.
Als Natur– und zugleich Kulturwesen sind wir in der Klemme: Unsere Genetik folgt uralten Mustern, aber die moderne Gesellschaft bietet fast unüberschaubare Möglichkeiten für Liebeskontakte. Machen Partnerbörsen und Speed-Dating die romantische Liebe kaputt? Die Wissenschaft sucht nach Antworten.
Manuskript:
Das hohe Tempo unseres Lebens macht vor den intimen zwischenmenschlichen Beziehungen nicht halt. Partnersuche per Speed-Dating.
„Ich bin der Lemmi-Bär, ich heiße Dirk......
…das erste Mal dabei?“
Hier begegnen sich Frau und Mann im Fünf-Minuten-Rhythmus, ein Supermarkt der Kontaktanbahnung. Zwar braucht die hormonell befeuerte Entscheidung, ob man den anderen attraktiv findet, nur Sekunden. Ob daraus mehr, gar Liebe wird, braucht allerdings Zeit – auch biologisch gesehen.
O-Ton Prof. Peter Walschburger:
„Die romantische Liebe ist eben ein uraltes Relikt aus prähistorischer Zeit. Das verliert sich nicht. Wir haben also in 10.000 Jahren nicht die Möglichkeit, unsere genetischen Handlungsneigungen radikal zu ändern. Anders als die Tiere, die da ihren Instinkten folgen, kann der Mensch sich in gewissem Sinn emanzipieren. Nur kann er es nicht, ohne einen Preis zu zahlen, tun.“
Hohe Scheidungsquoten. Haustiere statt einen Mann im Haus. Besonders in den Großstädten gibt es immer mehr Singles. Gleichberechtigung und Emanzipation der Frauen. Sich selbst verwirklichen als höchstes Ziel – welcher Platz bleibt da für einen Partner? Doch der Wunsch ist da – und die Freiheit der Wahl ist so groß wie noch nie: Frei von Konventionen, religiösen Vorgaben, kulturellen Grenzen.
Besonders das Internet befeuert die Vorstellung, Liebe und Leidenschaft seien planbar. Die Natur bietet für die Partnersuche kein System vielleicht aber die mathematischen Algorithmen der Partner- und Singlebörsen. Online treffen wir die Wahl bewusst, die offline eher unbewusst abläuft. Hier reduziert sie sich auf konkrete Daten. Im Netz wird die Reihenfolge des Beziehungsaufbaus auf den Kopf gestellt: Gestik, Mimik, Stimme, Geruch, Intuition, die im wirklichen Leben am Anfang stehen, fallen vor dem Bildschirm weg. Und die Auswahl scheint riesig.
O-Ton Prof. Peter Walschburger:
„Wenn das Ganze zu einem Warencharakter wird, unter ein hoch bewusstes Kalkül gerät, den besten zu finden unter sehr vielen Möglichkeiten, dann kommt da eine ganz und gar untunliche Verkopfung in die ganze Geschichte. Dann wird der spielerische Charakter verloren gehen, die Intuition geht raus und die Menschen werden mit Sicherheit damit kein Glück haben.“
Und: Im Internet verrohen die Sitten. Ohne ein Wort – Schluss per Klick. Liebe als Spiel? Für jeden gibt es was. Für Homosexuelle, ökologisch Interessierte, für die Generation 50plus.
Und: Eine Singlebörse mit Genanalyse. Die Nutzer geben neben ihren Profildaten auch eine Speichelprobe per Wattestäbchen ab, für einen DNA-Test. Die Erbsubstanz soll verraten, ob ein Partner bestimmte Gene für Eiweiße hat, die den körpereigenen Geruch mit bestimmen. Per Punkteskala wird dann die persönliche Duft-Visitenkarte online gestellt. Innerhalb von fünf Sekunden weiß man, ob das Objekt der Begierde passen könnte. Doch irgendwann muss der virtuelle Partner der Realität standhalten. Zu hohe Erwartungen lassen viele Beziehungen scheitern.
Welche Chance haben Partnerschaften heute, lange Zeit zu überdauern? 40, 50 oder 60 Jahre - bei der hohen Lebenserwartung.
O-Ton Prof. Peter Walschburger:
„Dafür hat die Evolution natürlich nichts vorgesehen. Das Problem liegt eigentlich nach der biologisch begründbaren rosaroten Brille und nach der Bindungsphase, die auch hormonell unterstützt wird. Nämlich in der Tatsache, ob zwei Menschen zueinander passen.“
Die Chancen stehen gut, wenn Partner möglichst viele Wertvorstellungen teilen, sich im Anderen wieder erkennen. Die Sehnsucht nach der dauerhaften Liebe scheint ungebrochen, gerade in der westlichen Konsum- und Leistungsgesellschaft.
O-Ton Prof. Peter Walschburger:
„Der Mensch ist in seinem Kern nicht etwa ein Homo oeconomicus, wie lange Zeit in den Wirtschaftswissenschaften geglaubt wurde, der sich also nur nach seinem Nutzen maximiert, sondern wir sind soziale Wesen. Ich glaube, man muss es nicht sehr pessimistisch sehen, weil ich denke, dass diese biologischen Grundlagen eigentlich in der modernen Gesellschaft wiederum einen Halt geben.“
Wir haben von Natur aus die Fähigkeit, zu lieben. Was wir daraus machen, das entscheidet jeder für sich selbst.
Ein Bericht von Anne Hoffmann.
Manuskript:
Das hohe Tempo unseres Lebens macht vor den intimen zwischenmenschlichen Beziehungen nicht halt. Partnersuche per Speed-Dating.
„Ich bin der Lemmi-Bär, ich heiße Dirk......
…das erste Mal dabei?“
Hier begegnen sich Frau und Mann im Fünf-Minuten-Rhythmus, ein Supermarkt der Kontaktanbahnung. Zwar braucht die hormonell befeuerte Entscheidung, ob man den anderen attraktiv findet, nur Sekunden. Ob daraus mehr, gar Liebe wird, braucht allerdings Zeit – auch biologisch gesehen.
O-Ton Prof. Peter Walschburger:
„Die romantische Liebe ist eben ein uraltes Relikt aus prähistorischer Zeit. Das verliert sich nicht. Wir haben also in 10.000 Jahren nicht die Möglichkeit, unsere genetischen Handlungsneigungen radikal zu ändern. Anders als die Tiere, die da ihren Instinkten folgen, kann der Mensch sich in gewissem Sinn emanzipieren. Nur kann er es nicht, ohne einen Preis zu zahlen, tun.“
Hohe Scheidungsquoten. Haustiere statt einen Mann im Haus. Besonders in den Großstädten gibt es immer mehr Singles. Gleichberechtigung und Emanzipation der Frauen. Sich selbst verwirklichen als höchstes Ziel – welcher Platz bleibt da für einen Partner? Doch der Wunsch ist da – und die Freiheit der Wahl ist so groß wie noch nie: Frei von Konventionen, religiösen Vorgaben, kulturellen Grenzen.
Besonders das Internet befeuert die Vorstellung, Liebe und Leidenschaft seien planbar. Die Natur bietet für die Partnersuche kein System vielleicht aber die mathematischen Algorithmen der Partner- und Singlebörsen. Online treffen wir die Wahl bewusst, die offline eher unbewusst abläuft. Hier reduziert sie sich auf konkrete Daten. Im Netz wird die Reihenfolge des Beziehungsaufbaus auf den Kopf gestellt: Gestik, Mimik, Stimme, Geruch, Intuition, die im wirklichen Leben am Anfang stehen, fallen vor dem Bildschirm weg. Und die Auswahl scheint riesig.
O-Ton Prof. Peter Walschburger:
„Wenn das Ganze zu einem Warencharakter wird, unter ein hoch bewusstes Kalkül gerät, den besten zu finden unter sehr vielen Möglichkeiten, dann kommt da eine ganz und gar untunliche Verkopfung in die ganze Geschichte. Dann wird der spielerische Charakter verloren gehen, die Intuition geht raus und die Menschen werden mit Sicherheit damit kein Glück haben.“
Und: Im Internet verrohen die Sitten. Ohne ein Wort – Schluss per Klick. Liebe als Spiel? Für jeden gibt es was. Für Homosexuelle, ökologisch Interessierte, für die Generation 50plus.
Und: Eine Singlebörse mit Genanalyse. Die Nutzer geben neben ihren Profildaten auch eine Speichelprobe per Wattestäbchen ab, für einen DNA-Test. Die Erbsubstanz soll verraten, ob ein Partner bestimmte Gene für Eiweiße hat, die den körpereigenen Geruch mit bestimmen. Per Punkteskala wird dann die persönliche Duft-Visitenkarte online gestellt. Innerhalb von fünf Sekunden weiß man, ob das Objekt der Begierde passen könnte. Doch irgendwann muss der virtuelle Partner der Realität standhalten. Zu hohe Erwartungen lassen viele Beziehungen scheitern.
Welche Chance haben Partnerschaften heute, lange Zeit zu überdauern? 40, 50 oder 60 Jahre - bei der hohen Lebenserwartung.
O-Ton Prof. Peter Walschburger:
„Dafür hat die Evolution natürlich nichts vorgesehen. Das Problem liegt eigentlich nach der biologisch begründbaren rosaroten Brille und nach der Bindungsphase, die auch hormonell unterstützt wird. Nämlich in der Tatsache, ob zwei Menschen zueinander passen.“
Die Chancen stehen gut, wenn Partner möglichst viele Wertvorstellungen teilen, sich im Anderen wieder erkennen. Die Sehnsucht nach der dauerhaften Liebe scheint ungebrochen, gerade in der westlichen Konsum- und Leistungsgesellschaft.
O-Ton Prof. Peter Walschburger:
„Der Mensch ist in seinem Kern nicht etwa ein Homo oeconomicus, wie lange Zeit in den Wirtschaftswissenschaften geglaubt wurde, der sich also nur nach seinem Nutzen maximiert, sondern wir sind soziale Wesen. Ich glaube, man muss es nicht sehr pessimistisch sehen, weil ich denke, dass diese biologischen Grundlagen eigentlich in der modernen Gesellschaft wiederum einen Halt geben.“
Wir haben von Natur aus die Fähigkeit, zu lieben. Was wir daraus machen, das entscheidet jeder für sich selbst.
Ein Bericht von Anne Hoffmann.

