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In nicht technisierten Landschaften sprengen die Windfarmen alle bisherigen menschlichen Maßstäbe von Bäumen, Kirchtürmen, Silhouetten und historischen Ortsansichten. Weil sie sechs- bis achtmal so hoch sind. Ein historischer Blick mit dem ehemaligen Landeskonservator Detlef Karg.
Manuskript:
Die Marienkirche in Prenzlau. Eines der größten Bauwerke in Brandenburg. Jahrhunderte lang ein Blickfang in der Landschaft. Selbst aus großer Ferne noch zu sehen. Nun von Windrädern umstellt hat das Wahrzeichen der Stadt seine Erhabenheit verloren.
O-Ton Detlef Karg:
ehemaliger Landeskonservator
"Diese wuchtige Marienkirche, die weit die Stadt überragt wenn man von außen
kommt, auf die Stadt zufährt, wird Brandenburg nivelliert. Wir ziehen durch diese Windräder eine völlig neue Ebene ins Relief, in die Landschaft. Und zerstören die Höhepunkte, die historisch gewachsen sind und unser Bild von Landschaft geprägt haben."
Hier in Wolfshagen ist dieses Bild noch unversehrt. Denn der Ort wird als Kultur-Denkmal geschützt. Nichts blieb hier dem Zufall überlassen. Gebäude und Landschaftspark wurden von Architekten geplant und gestaltet. Auch anderswo verbinden sich über lange Zeiten hinweg Nutzen und Schönheit, Bauwerke und Natur. Zu einem mehr intuitiv gebundenen harmonischen Ganzen. Nur der Kirchturm überragt die zwischen Bäumen eingebetteten Häuser. Orientierungs-Punkt im Raum. Und weithin sichtbares Zeichen der Macht.
Selbst technische Bauwerke fügen sich harmonisch in die Natur. Oft auf Hügelkuppen errichtet, betonen Windmühlen die Erhebung, auf der sie stehen. Setzen Akzente in die Landschaft, die das natürlich gegebene Höhenmaß der Bäume nicht überschreiten.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebt die Brandenburger Landschaftsgestaltung ihre Blütezeit: Peter Joseph Lenné und Karl Friedrich Schinkel verschönerten nicht nur die Umgebung von Potsdam. Abgeholzte Kuppen wurden wieder bepflanzt. Bauwerke wie das Belvedere werden errichtet, um die Schönheit der Landschaft zu steigern. Alleen sollten sichtbare Orte verbinden. Die werden mit Baumreihen, eingehegten Äckern und Sichtbezügen verschönert.
O-Ton Detlef Karg:
ehemaliger Landeskonservator:
"Das ist sehr bewusst entweder integriert worden: Dass sich gestalterische Ergebnisse um das Areal, was gebildet wurde, gebaut wurde. Oder dass, was zu bauen ist, sich einordnet. Also die immer bei Gestaltung zu betrachtenden Entwicklungen."
Die Harmonie in der Landschaftgestaltung bekam erste Kratzer, als die Industriealisierung begann. Zu den Kirchtürmen, die bisher die Stadtsilhouette prägten, gesellten sich erste Fabrik-Schornsteine. Die drängten immer weiter in die Höhe. Steinerne Symbole eines Machtwechsels und einer Zeitenwende. Die neue Epoche setzt auf rigoroses Wachstum und auf Effizienz. Harmonie und Maß-Halten werden zum Hemmschuh, geraten immer weiter aus dem Blickfeld. Das spiegelt sich auch im Umgang mit der Landschaft wider. Die zunehmend ökonomischen Zwecken dienen "muss".
O-Ton Detlef Karg:
ehemaliger Landeskonservator
"Ich hab das Gefühl, wir verspielen viele Qualitäten unserer besonderen Kultur-Landschaften, die wir in den Regionen einfach haben."
Die ersten Windräder in den neunziger Jahren und die Windräder heute.
Ein Bericht von Cornelia Borrmann.
Die Marienkirche in Prenzlau. Eines der größten Bauwerke in Brandenburg. Jahrhunderte lang ein Blickfang in der Landschaft. Selbst aus großer Ferne noch zu sehen. Nun von Windrädern umstellt hat das Wahrzeichen der Stadt seine Erhabenheit verloren.
O-Ton Detlef Karg:
ehemaliger Landeskonservator
"Diese wuchtige Marienkirche, die weit die Stadt überragt wenn man von außen
kommt, auf die Stadt zufährt, wird Brandenburg nivelliert. Wir ziehen durch diese Windräder eine völlig neue Ebene ins Relief, in die Landschaft. Und zerstören die Höhepunkte, die historisch gewachsen sind und unser Bild von Landschaft geprägt haben."
Hier in Wolfshagen ist dieses Bild noch unversehrt. Denn der Ort wird als Kultur-Denkmal geschützt. Nichts blieb hier dem Zufall überlassen. Gebäude und Landschaftspark wurden von Architekten geplant und gestaltet. Auch anderswo verbinden sich über lange Zeiten hinweg Nutzen und Schönheit, Bauwerke und Natur. Zu einem mehr intuitiv gebundenen harmonischen Ganzen. Nur der Kirchturm überragt die zwischen Bäumen eingebetteten Häuser. Orientierungs-Punkt im Raum. Und weithin sichtbares Zeichen der Macht.
Selbst technische Bauwerke fügen sich harmonisch in die Natur. Oft auf Hügelkuppen errichtet, betonen Windmühlen die Erhebung, auf der sie stehen. Setzen Akzente in die Landschaft, die das natürlich gegebene Höhenmaß der Bäume nicht überschreiten.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebt die Brandenburger Landschaftsgestaltung ihre Blütezeit: Peter Joseph Lenné und Karl Friedrich Schinkel verschönerten nicht nur die Umgebung von Potsdam. Abgeholzte Kuppen wurden wieder bepflanzt. Bauwerke wie das Belvedere werden errichtet, um die Schönheit der Landschaft zu steigern. Alleen sollten sichtbare Orte verbinden. Die werden mit Baumreihen, eingehegten Äckern und Sichtbezügen verschönert.
O-Ton Detlef Karg:
ehemaliger Landeskonservator:
"Das ist sehr bewusst entweder integriert worden: Dass sich gestalterische Ergebnisse um das Areal, was gebildet wurde, gebaut wurde. Oder dass, was zu bauen ist, sich einordnet. Also die immer bei Gestaltung zu betrachtenden Entwicklungen."
Die Harmonie in der Landschaftgestaltung bekam erste Kratzer, als die Industriealisierung begann. Zu den Kirchtürmen, die bisher die Stadtsilhouette prägten, gesellten sich erste Fabrik-Schornsteine. Die drängten immer weiter in die Höhe. Steinerne Symbole eines Machtwechsels und einer Zeitenwende. Die neue Epoche setzt auf rigoroses Wachstum und auf Effizienz. Harmonie und Maß-Halten werden zum Hemmschuh, geraten immer weiter aus dem Blickfeld. Das spiegelt sich auch im Umgang mit der Landschaft wider. Die zunehmend ökonomischen Zwecken dienen "muss".
O-Ton Detlef Karg:
ehemaliger Landeskonservator
"Ich hab das Gefühl, wir verspielen viele Qualitäten unserer besonderen Kultur-Landschaften, die wir in den Regionen einfach haben."
Die ersten Windräder in den neunziger Jahren und die Windräder heute.
Ein Bericht von Cornelia Borrmann.

