Transporter bringt Windrad (Quelle: rbb)

- Giganten im Ansturm

Nacht für Nacht fahren beim Windenergieanlagenhersteller Enercon in Magdeburg-Rothensee Schwerlasttransporter los. Viele in die Uckermark, wo wöchentlich ein neuer Riese wächst. Über 3000 Windräder stehen bereits in Brandenburg, brachten viereinhalb tausend Arbeitsplätze, aber auch umstellte Dörfer und zerstörte Landschaften.

Manuskript:

Nacht für Nacht beim Windkraftanlagenhersteller ENERCON in Magdeburg-Rothensee. Auf Schwerlasttransporter werden Bauteile für neue Windräder verladen. Die Ausmaße sind mittlerweile gigantisch. Deshalb können sie nur nachts auf die Straße, wenn wenig Verkehr ist. Alles muss festsitzen für einen sicheren Transport. Allein dieses Rotorblatt ist 43 Meter lang und wiegt 40 Tonnen. Betonsegmente für die Windradtürme bringen sogar das Doppelte bis Dreifache auf die Waage.

Jede Nacht starten aus Magdeburg-Rothensee 80 bis 110 Schwerlasttransporter Richtung Autobahn. Eine Armada aus Tiefladern, die den Aufbau neuer Windkraftanlagen in ganz Deutschland beschleunigen soll. Neuerdings gehen auch mehr Transporte nach Süddeutschland. Ein Großteil fährt jedoch nach Brandenburg, vor allem in die Uckermark. Woche für Woche wächst hier ein neuer Windradriese in den Himmel. Allein im ersten Halbjahr 2012 wurden in Brandenburg vierundvierzig Anlagen aufgebaut. Die Zahl stieg damit auf 3079 im ganzen Land. Leuchttürme der Energiewende und Jobmotoren. Rund viereinhalbtausend Beschäftigte zählt die Windkraftbranche heute.

Präzisionsarbeit mit einem 160 Meter hohen Kran, der die sechzig Tonnen schweren Turmsegmente aus Stahlbeton nach oben bringt. Loch genau müssen sie sicher aufeinander gesetzt und rasch verschraubt werden. Bei dieser Arbeit in schwindelerregender Höhe darf kein Lüftchen wehen. Bläst der Wind zu stark müssen die Monteure ihre Arbeit oft Tage lang unterbrechen.

Der Aufbau dieser Anlage zog sich jetzt im Herbst fast einen halben Monat hin. Neun weitere werden demnächst hier noch entstehen. Zwei bis drei Megawatt Leistung besitzen diese Giganten. Jede Anlage liefert Strom für bis zu 7500 Menschen.

Bis 2020 soll sich die Anlagenzahl im Land auf viertausend erhöhen. Ein Großteil auch im Austausch gegen kleinere Windräder. Doch schon jetzt verstellen hunderte Windriesen historische Ortsansichten und wertvolle Landschaftsblicke, umzingeln Windparks ganze Dörfer. Wie hier in der Uckermark. Als „radikalste Landschaftsveränderung seit dem Dreißigjährigen Krieg“ deuten besorgte Landschaftsschützer diese Entwicklung. Wer schaut eigentlich mit historischem Augenmaß und dem Blick erfahrener Landschaftsarchitekten auf diesen Ansturm? Und wie lassen sich diese Giganten besser integrieren? Die Energiewende soll zum Großteil mithilfe der Windkraft gemeistert werden. Doch muss es mit so einer Konzentration von Riesen-Anlagen auf engstem Raum sein? Die ländliche Uckermark hat sich in Teilen bereits in eine Energielandschaft verwandelt mit Riesen, die es so noch nie gab.

Ein Bericht von Maren Schibilsky.