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Landschaftsästhetik spielte bislang keine Rolle. Wie lassen sich Windräder schöner in die Landschaften integrieren und Bürger besser beteiligen? Der Landschaftsplaner Sören Schöbel hat ein Buch geschrieben.
Die zugestellte Nauener Platte. Der ausschließlichen Produktion regenerativer Energien geopfert. Und satten Renditen für Investoren.
Dass Windeignungsflächen so umstritten sind, liegt auch an der Planungsart. Minderwertige Gebiete werden gesucht und ohne Gestaltungswillen von Betreibern voll gefüllt.
O-Ton Prof. Sören Schöbel:
Technische Universität München
"Wenn man so herangeht und sagt: Wir stellen die Wind-Energie-Anlagen dort hin, wo ohnehin schon - man nennt das hier Vorbelastungen, ja? - vorhanden sind. Dann sagt man eigentlich, dass die Wind-Energie-Anlagen erstens hässlich sind. Und dass einem die Menschen, die in einer solchen Region leben, hinsichtlich ihrer Bedürfnisse, in einer schönen Landschaft zu leben, auch egal sind."
Schöne Landschaftsgestaltung? Wo gibt es die heute überhaupt noch? Wo wird noch Rücksicht genommen auf Geländestrukturen, Flurgehölze, historische Ortsansichten
O-Ton Prof. Sören Schöbel:
Technische Universität München
"Eine gelungene Landschaft ist eine Landschaft, die wir trotzdem als schön empfinden, weil sie ganz bestimmte Kriterien erfüllt. Sie verbindet zum Beispiel die sehr unterschiedlichen Dinge, die in ihr liegen, wie zum Beispiel Wind-Energie-Anlagen und vielleicht Wald und Feld zu einem harmonischen Ganzen."
Dazu müssten die Windräder eine Verbindung zur Gestalt der Erdoberfläche, zur Linienführung der Natur eingehen und zu den Elementen darin, die Menschen über Jahrhunderte geschaffen haben: Felder, Nutzwald, Wege und Gebäude. So willkürlich in die Landschaft gestellt, werden Windräder schnell zum Störfaktor.
Hier bilden sie eine geschwungene Linie an einem Hang. Die sich in die hüglige Landschaft einigermaßen verbindet.In kleinen Gruppen, ungeraden Zahlen, könnten Windkraft-Anlagen sogar Akzente setzen. Zu einem neuen Gestaltungs-Element werden. Das sich einfügt. Im Gegensatz zu diesem Mühlen-Wald, der alle Dimensionen sprengt.
O-Ton Prof. Sören Schöbel:
Technische Universität München
"Wenn ich einen Baum mit 40 Metern Höhe neben einer Anlage mit 205 Metern Höhe sehe, dann ist da ein Bezug eigentlich nicht mehr herstellbar. das heißt: die Frage, wie sich diese neuen Elemente mit der Landschaft verbinden lassen, kann über diese Strukturen der Kultur-Landschaft eigentlich nicht mehr gelöst werden. Wenn ich keinen anderen Bezugspunkt finde, werden sie immer ein Fremdkörper bleiben. Der andere Bezugspunkt bei solchen hohen Anlagen ist natürlich die Weite der Brandenburgischen Landschaft, zum Beispiel. Oder auch das Relief. Die Hangkanten der Urstromtäler. Es gibt harmonisch geschwungene Linien, die man zum Beispiel entwerfen kann, die dann tatsächlich in der Landschaft ein harmonisches Mit-Einander bilden."
Harmonisches Miteinander wird immer wichtiger. Denn die Windkraft-Anlagen dringen immer weiter in die Landschaft vor. Nur mit ästhetischer Gestaltung allein lässt sich das Problem allerdings nicht lösen.
O-Ton Prof. Sören Schöbel
Technische Universität München
"Das gehört zu einer schönen Landschaft dazu - dass sie nicht privat ist, sondern dass es eine kollektive, eine gemeinschaftliche Landschaft ist."
Die Einwohner von Rehfelde sehen das ähnlich. Und fordern Beteiligung. Neben ihrer idyllischen Gemeinde, die zur Märkischen Schweiz gehört, stehen Windkraftanlagen. Die produzieren Strom im Wert von mehr als 20 Millionen Euro jedes Jahr. Doch davon haben sie bislang nichts. Das soll sich ändern. Im November wollen sie selbst eine Genossenschaft gründen und Geld sammeln. Für 250 Euro kann jeder Einwohner Mitglied werden. Das Geld soll in zwei Bürger-Wind-Anlagen fließen, die in dem Windpark neu errichtet werden. Um die Rehfelder mit preiswertem Strom zu versorgen.
O-Ton Bernd Bechly:
Arbeitskreis "Rehfelde-EigenEnergie"
"Ziel ist es natürlich, die Wertschöpfung komplett hier zu lassen. Das heißt: Wir wollen nicht nur die Energie hier produzieren, hier in unserer Gemeinde. Hier vertreiben, hier verbrauchen und alles, was sich da herum rankt, die Wertschöpfungskette, natürlich auch hier in der Gemeinde belassen. Das ist unser erklärtes Ziel."
Teilhaben am Gewinn und mitgestalten können- ein notwendiger Schritt hin zu mehr Akzeptanz. Vielleicht macht das Rehfelder Beispiel in Brandenburg Schule. Dann könnten die Menschen auch die Schönheit der eigenen Landschaft wieder in die Hand nehmen.
Ein Bericht von Cornelia Borrmann.

