Windkraftanlage im Aufbau (Quelle: rbb)

- Riesen statt Menge?

Die Entwicklungsgeschichte der Windräder seit den 30er Jahren ist faszinierend. Unaufhörlich wuchsen sie in die Höhe, um gleichmäßiger Wind einzufangen. Die größten sind heute fast 200 Meter hoch. Ob mit ihnen eines Tages die Zahl der Windräder wieder reduziert wird?

Manuskript:

Anfang der 90-er Jahre wurde ein neues Windrad in Brandenburg noch mit einem Volksfest begrüßt. Da waren die Anlagen gerade mal 50 Meter hoch und wurden gefeiert als Einstieg in ein neues Energiezeitalter. Dreiblattrotoren waren die gängigsten Modelle und sie besaßen im Durchschnitt 250 kW Leistung. Man eiferte dem dänischen Nachbar nach, der damals bereits zwei Prozent seines Strombedarfs mit Windenergie deckte. Sogar mit Off-shore-Anlagen. Davon war Deutschland weit entfernt. Dabei begann hierzulande schon Ende des 19. Jahrhunderts die Stromerzeugung durch Wind. Vor allem auf dem Land, wo es so gut wie keine Stromanschlüsse gab, drehten sich ab 1900 über 3000 dieser Vielblattrotoren. Nach amerikanischem Vorbild auch zum Wasserpumpen.

Der Ingenieur Hermann Honnef, der in den 30-er Jahren Funktürme baute, legte dann erste Pläne für bis zu 400 Meter hohe Windkraftwerke vor. Die Nationalsozialisten wollten diese Giganten tatsächlich bauen. Doch aus Kriegsgründen mußten sie diesen Größenwahn beerdigen. Stattdessen testete Honnef ab 1941 fünf kleinere Anlagen in Bötzow bei Berlin. Das erste Versuchsfeld Brandenburgs.

Die bis heute gültigen aerodynamischen Flügelformen entwickelte 1942 der deutsch-österreichische Flugzeugbauer Ulrich Hütter. Nach dem Krieg baute er als Windpapst der alten Bundesrepublik die ersten Rotorblätter aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Seine 100 kW-Windkraftanlage auf einem Versuchsfeld in der Schwäbischen Alp wurde zum Urmodell aller Windturbinen. In den 70-ern experimentierte auch die DDR mit der Windkraft.

O-Ton:
„Eine alte aber umweltfreundliche Energiequelle ist die Windkraft.

O-Ton:
„Mit dem Strom des Generators wird der elektrische Weidezaun gespeist. Seit dem Einsatz der Anlage sparen die Bauern hier Kosten und Dieselkraftstoff ein.“

1978 finanzierte dann in Westdeutschland die Bundesregierung das Projekt ´Grovian´ mit 24 Millionen DM. 150 Metern hoch war es, das größte Windrad der Welt. Doch es lief nur 18 Tage. Die Rotorblätter waren zu schwer. Material und Technik versagten. Nach dem Abbau folgte eine Zeit kleinerer Anlagen.

Heute beherrscht die Windbranche die große Dimension. Der Kunststoffanteil in den Rotorblättern wurde zugunsten der Glasfaser reduziert. Das macht die Flügel immer leichter. 55 Meter lang ist dieses Rotorblatt. Serienproduktion bei Vestas in Lauchhammer. Geplant sind hier in Zukunft 80 Meter lange Rotorblätter für Off-Shore-Anlagen mit 8 Megawatt Leistung. Die Anlagentechnik scheint grenzenlos. Nur die Transportbedingungen auf der Straße setzen Grenzen. Die Flügellänge hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdreifacht. Denn je größer die Fläche, die ein Flügel überstreicht, umso besser die Windernte. Die Stahlrohrtürme sind seit 1990 um das vierfache in den Himmel gewachsen. Dort oben läßt sich der beständige Höhenwind einfangen. Die weltgrößten Räder sind inzwischen fast 200 Meter hoch. Zwei davon stehen auch in Brandenburg. Mit 7,5 Megawatt erzeugen sie im Jahresdurchschnitt Strom für 4500 Haushalte. Ob wenige solcher Riesen eines Tages die Zahl der Windräder in der Landschaft wieder deutlich reduzieren, bleibt offen.

Ein Bericht von Maren Schibilsky.