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OZON UNTERWEGS
OZON UNTERWEGS
Zwei Männer in einem Flugzeug (Quelle: rbb)

Mo 24.10.11 22:15

Rodeo am Himmel

Wer ins Flugzeug steigt, hofft verschont zu bleiben vor Turbulenzen. Vor Rotoren, starken Luftwirbeln in Bodennähe, aber auch brechenden Wellen des Jetstreams.

Ein Segelflieger-Team forscht den gefährlichen Winden hinterher, die sich nur bei besonderen Wetterlagen im Windschatten von Gebirgen bilden. Aus Gigabytes von Messdaten entsteht eine Weltkarte der Rotoren. Wissenschaft und Abenteuer in seltener Liaison, ob in den argentinischen Anden oder bald im Himalaya.

Manuskript:

Der Kondor wird mit dem Gefühl für Wind geboren. Mit seinen drei Meter breiten Schwingen ist er der Gigant der Lüfte in den südamerikanischen Anden. Nur selten bekommt er Gesellschaft.

Sich so von Aufwinden tragen lassen – Menschen machen das erst seit Beginn der Segelfliegerei in den 1920 Jahren. Wenn die Sonne die Erde erwärmt, kann der Kondor in aufsteigender warmer Luft mühelos gleiten. Diese Kraft nutzen außergewöhnliche Segelflieger für ihre Expeditionen. Sie suchen die Begegnung mit einem besonders tückischen Wind, den es nur in der Nähe großer Gebirge gibt.

Das sind seine verräterischen Spuren. „Lenticularis“ heißen diese Wolken und signalisieren doch mögliche Gefahr. Bei bestimmten Wetterlagen entstehen an der windabgewandten Seite von Bergen Luftschwingungen, gekrönt von Lenticularis-Wolken. Darunter bilden sich sogenannte Rotoren. Zirkulierende Wirbelwalzen. Geraten Flugzeuge hinein, kann es ungemütlich werden, sogar für Verkehrsflugzeuge – wie diese Amateur-Aufnahmen zeigen. Hier ging es glimpflich aus, es gab aber auch schon Abstürze. Tote.

Für solche Turbulenzen werden Piloten im Simulator geschult. Besser ist es, man weicht den Rotoren aus. Dafür aber müssten die unsichtbaren Monster vorhergesagt werden. Die forschenden Segelflieger des Mountain Wave Projects zur Erkundung von Gebirgswellen arbeiten daran seit Jahren, haben enorme Datenmengen in der Luft gesammelt. Um herauszufinden, bei welchen Wind- und Temperaturprofilen sich die beeindruckenden Wolken entwickeln. Den Flug darunter, im Rotor selbst, riskieren nur Wenige.

Neben dem Nervenkitzel lernt man so aber, das Windphänomen noch besser zu verstehen.

O-Ton:
„12 Meter pro Sekunde, ojojoj, der ist aber sehr wild heute.“

Ins Innenleben von Turbulenzen schauen, können bisher nur amerikanische Wissenschaftler. Sie zeigen ihre Ergebnisse auf einem Kongress in Berlin. Rene Heise, Geo-Experte der Bundeswehr und Leiter des Mountain Wave Projects, erklärt Messergebnisse an Rotoren. Vielleicht kann man ja zusammenarbeiten. Dank ihrer Forschungen kann man vor den gefährlich wirbelnden Winden heute 48 Stunden im Voraus warnen.

Gerade gab es für die Aufklärungsarbeit eine Auszeichnung der Europäischen Meteorologischen Gesellschaft. Als nächstes sollen im Himalaya Turbulenzen in größter Höhe untersucht werden, im Jetstream, 8 - 12 Kilometer hoch.

Ein erster Besuch in Tibet – zur Erkundung von Land und Leuten und: um chinesische Wissenschaftler zur Mitarbeit zu gewinnen. Im nächsten Jahr wollen sie hier im höchsten Gebirge der Welt den Geheimnissen und Tücken des Windes noch ein Stück näher zu kommen.

Ein Bericht von Wolfgang Albus.

Dieser Text gibt den Sachstand vom 24.10.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Infos im WWW

Mountain Wave Project (MWP)

Rene Heise
Tel.: 030-229 43 17

www.mountain-wave-project.com

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/ozon/archiv/ozon_unterwegs_am10/rodeo_am_himmel.html

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