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Brandenburg gilt als Windland, recht flach, mit großen freien Flächen. Und doch gibt es genug „Bremsfaktoren“: Bäume, Hügel, Hochhäuser.
Die rechnet Bodo Wichura vom Deutschen Wetterdienst aus den Messungen heraus, um die günstigsten Standorte für Windräder zu finden. Doch auch die Gestalt der Rotorblätter entscheidet über eine reiche Ernte der Naturgewalt. Mit 55 Metern Länge liefert VESTAS Lauchhammer gerade die längsten Flügel fürs deutsche Binnenland aus.
Manuskript:
55 Meter sind Rotorblätter inzwischen lang. Seit Ende September verlassen solche Flügel-Giganten das Vestas-Werksgelände in Lauchhammer. Festgezurrt, geht es nach Niedersachsen. Ein Rotorblatt der Superlative - konstruiert für Windkraftanlagen im Binnenland. Immer länger sind die Flügel in den letzten Jahren für eine effektive ´Windernte´ geworden. Denn je größer die Fläche, die ein Flügel überstreicht, umso größer die Windausbeute.
4000 MW Windstrom produziert Brandenburg. Zweiter Platz deutschlandweit. Doppelt so viel soll es bald werden. Wo der beste Wind im Land bläst, ermittelt Bodo Wichura vom Deutschen Wetterdienst. 180 solcher Messstationen gibt es bundesweit. Zunächst werden per Ultraschall-Animometer die Windstärken gemessen. Doch im Binnenland trifft der Wind auf viele Hindernisse. Im Visier: Bäume, Hügel und Hochhäuser, die wie Bremsklötze wirken. Auch hier an der Wetterwarte Potsdam auf dem Telegrafenberg.
O-Ton Dr. Bodo Wichura:
Klimabüro Deutscher Wetterdienst Potsdam
„Wenn in der Umgebung einer Messstation Hindernisse stehen, dann stören die natürlich die Windmessung. Der Einfluss dieser Hindernisse muss aus den Messungen heraus korrigiert werden.“
Der gemessene Wind pur. Auch Bodenrelief und Art der Landnutzung beeinflussen die Windstärke. Alles ´Bremsfaktoren´, die die Windmenge im Binnenland erheblich reduzieren.
Zwanzig Jahre Windmessungen haben die Potdamer Experten gerade ausgewertet.
O-Ton Dr. Bodo Wichura:
Klimabüro Deutscher Wetterdienst Potsdam
„Aufgrund der klimatologischen Windmessdaten können wir den Windmüllern Anhaltspunkte geben, welches Windenergiepotential an einem Standort verfügbar ist. Wir machen das aufgrund von historischen Datenreihen mit der Annahme, dass sich das Windklima in der Zukunft nicht wesentlich ändern wird."
Die Windenergiepotentialkarte Brandenburgs. Mehr als die Hälfte der Landesfläche, hier braun, ist für Windkraft besonders geeignet. Früher suchte man die besten Windplätze außerhalb der Stadtmauern. Wenn möglich auf einem Hügel, um viel Höhenwind abzugreifen. Denn schon damals wussten die Müller die konstante Höhenströmung zu schätzen – unbeeinflusst von Landschaft und Bebauung. Hoch hinaus wollten auch die ersten Windkraftpioniere, die Strom erzeugten. Ab 1900 vor allem auf dem Land, wo Windstrom für Zeiten der Flaute sogar in Batterien gespeichert wurde. 1912 errichtete Max Triller in Marzahn eine 15 Meter hohe Windturbine. Sein Sohn Richard baute später schon 26 Meter hoch, neben der Marzahner Mühle. Bis zu 400 Meter hohe Windkraftwerke plante man in den 1940-er Jahren. Gigantismus des Nationalsozialismus. Aus Kriegsgründen nie realisiert. Einhundertfünfzig Meter hoch war dann 1983 ´Growian´, seinerzeit das größte Windrad der Welt. Es lief nur 18 Tage, weil bei diesen Ausmaßen Material und Technik versagten. Nach `Growians` Abbau kam eine Zeit kleiner Anlagen. Heute beherrscht die Windbranche die große Dimension. Viermeterzwanzig allein der Durchmesser dieses Rotorblatts. Hightechmaterialien wie Carbon, Glasfaser und Epoxydharz machen die Flügel leicht und flexibel, um selbst Windböen abfangen zu können.
In einhundertsechzig Meter Höhe wird dieses Rotorblatt mal Wind ernten. Seit dem beschlossenen Atomausstieg boomt das ´Geschäft mit dem Wind´ wie noch nie. Serienproduktion bei Vestas in Lauchhammer.
O-Ton Frank Weise:
Werksleiter bei Vestas Lauchhammer
„Bei diesen Flügeln kann man sehr schön sehen, dass es keine einzige gerade Linie mehr gibt. Die modernen Windanlagen arbeiten nach dem Auftriebsprinzip, d.h. ein Flügel wie die Tragfläche eines Flugzeuges bezieht ihre Kraft im Wesentlichen aus einem Auftrieb. Deswegen sind die auch so aerodynamisch geformt. Sie haben eine Druckseite und eine Saugseite, eine Leeseite und eine Luvseite.“
Der nächste Flügel-Gigant wird zur Verladung gebracht. Er soll bald in der Uckermark an einer drei Megawatt starken Anlage den Wind einfangen.
Ein Bericht von Maren Schibilsky.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/ozon/archiv/ozon_unterwegs_am10/wo_blaest_der_beste.html