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OZON UNTERWEGS
OZON UNTERWEGS
Antiker Hof mit Brunnen (Quelle: rbb)

Mo 14.11.11 22:15

Bauklima – Historische Weisheiten

Die Bauklimatik als interdisziplinäre Wissenschaft wurde in den 1950er Jahren an der TU Dresden begründet. Einer ihrer wichtigsten Thesen: „Klimagerechtes Bauen ist besser als bauwerksgerechtes Klimatisieren“.

Schon in Herkulaneum und Pompeji oder in heißen persischen Städten fanden die frühen Baumeister vorbildliche Lösungen gegen Hitze, Sonne und Kälte. Eine kleine Zeitreise. Speichernde Mauern, nicht zu große Fenster, nur wenige Bauststoffe gelten bis heute als Grundsätze.

Manuskript:

79 nach Christus explodierte der Vesuv. Er begrub Herkulaneum und Pompeji unter einer dicken Schicht aus Asche und Gestein. Die Ausgrabungen brachten Häuser ans Tageslicht, die Erstaunen weckten: Die antiken Baumeister hatten ihre Häuser auf raffinierte Weise beheizt. Heiße Luft, die durch unterirdische Schächte strömte, erwärmte die Fußböden. Von einem verborgenen Ofen erhitzt. Durch Heizrohre in den Wänden gelangte die Wärme sogar in obere Stockwerke.

In heißen Ländern wie Persien gab es zur gleichen Zeit schon passive Kühlsysteme. Enge, Schatten spendende Gassen schützen die Bewohner bis heute vor zu großer Hitze. Und Kamine, raffinierte Lüftungsschächte, die den Wind einfangen und in den Keller leiten, wo er in Grundwassernähe abkühlt, wieder aufsteigt und im Haus eine erfrischende Brise erzeugt.

Wie ungemütlich dagegen die Arme-Leute-Häuser im Mittelalter. Wände aus Ästen und Lehm schützten kaum vor Hitze und Kälte, vor Feuchtigkeit und Wind. Nur ein Feuer im offenen Raum spendete etwas Wärme und Licht.

Zisterzienser-Mönche lebten schon komfortabler: Hinter den massiven Klosterwänden gab es auch eine kleine Wärmestube mit Fußbodenheizung. Schattige Kreuzgänge und Innenhöfe, nach antikem Vorbild waren angenehme Orte im heißen Sommer.

Mittelalterliche Burgen hatten gegen Angriffe noch mächtigere Mauern. Den Zwischenraum zwischen den Außenwänden füllten die Baumeister mit Bruchstein und Mörtel. Diese Mehrschichtigkeit hat auch eine gewisse Dämmwirkung. So konnten die Gebäude große Temperaturschwankungen wenigstens puffern.

Brandenburger Bauernhäuser wurden bis ins 18. Jahrhundert vorwiegend aus Fachwerk und Lehm gebaut. Warm waren sie nicht. Aber Lehm nimmt viel Wasser auf und hält die Luftfeuchtigkeit im Haus konstant. Zudem ließ er sich gut verarbeiten. Stroh und Holzhäxel wirkten auch dämmend. So sorgte der Jahrtausende alte Baustoff wenigstens für Sommerkühle und ein gutes Klima im Haus.
Weit verbreitet: überstehende Dächer. Sie schützten das Mauerwerk vor Nässe durch Regen und spendeten kühlenden Schatten. Ende des 18. Jahrhunderts kam der gebrannte Ziegel erneut in Mode. Karl Friedrich Schinkel verhalf dem ältesten Serienbaustein der Welt wieder zum Durchbruch. Mit unverputzten „Backstein“-Gebäuden. Wie seine Berliner Bauakademie. Deren Fenster nicht mehr als ein Drittel der Grundfläche ausmachten. Bis heute eine Regel für klimagerechtes Bauen in Mitteleuropa.

Wand an Wand errichtet, wärmten sich die Häuser gegenseitig. Markisen und Rollos brachten ab 1800 Schutz vor zu viel Sonne. Die kleine Eiszeit ging zu Ende, die Temperaturen stiegen. Klimagerechtes Bauen – Jahrtausende lang praktiziert. In Vergessenheit geraten? Bei der neuen Bibliothek in Köpenick wurde massiver Ziegelbau wieder aufgegriffen. Statt einer Klimaanlage hat sie 60 Zentimeter dicke Wände. Und kleine Fenster.

Ein Bericht von Cornelia Borrmann.

Dieser Text gibt den Sachstand vom 14.11.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Infos im WWW

Technische Universität Berlin

Fakultät Planen Bauen Umwelt
Prof. Dr.-Ing. Johannes Cramer
Straße des 17. Juni 152
10623 Berlin

baugeschichte.a.tu-berlin.de

Technische Universität Dresden

Institut für Bauklimatik
Prof. Dr.-Ing. John Grunewald
01062 Dresden
Fax: 0351-463-32627

tu-dresden.de

Geschichte der Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Solartechnik

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