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Plötzliche Sturmgewitter wie am 10. Juli 2002 über Berlin mit sieben Todesopfern oder wie am 11.September 2011 über Sachsen Anhalt und Südbrandenburg mit dramatischen Hagelschlägen könnten in Folge der Klimaveränderung häufiger auftreten.
Bereits im Sommer mahnte der Deutsche Wetterdienst Architekten und Bauwirtschaft, sich auf mehr Extremniederschläge einzustellen. Ein Paradigmenwechsel im Häuserbau und in der Städteplanung muss stattfinden.
Manuskript:
Der 10. Juli 2002: Bilderbuchwetter in Berlin, 34 Grad im Schatten. Einer der heißesten Tage des Jahres auch noch am Abend. Niemand ahnt, was sich hier gleich abspielen wird. 20:15 Uhr: Innerhalb Minuten wechselt das Wetter, die Katastrophe aus dem Nichts. Ein Gewitter – eine Superzelle entlädt sich über der Stadt. Windstärke: 160 kmh. Die schreckliche Bilanz: sieben Todesopfer im Großraum Berlin, tausende entwurzelte Bäume, Millionenschäden an Gebäuden.
O-Ton Thomas Dümmel:
Meteorologisches Institut, FU Berlin
„Wir haben eine Abkühlung von sieben bis 10 Grad innerhalb von ein, zwei Stunden – weil nämlich die kalte Luft aus der Höhe heruntergemischt wird zum Boden hin, das heißt, die Häuser als auch die Menschen müssen Temperaturschwankungen von 10 Grad in 20 Minuten überstehen und damit umgehen können.“
Extreme Wetterereignisse – immer unberechenbarer – immer schwerer vorherzusagen. Januar 2007: Drei Tage lang fegt der Wirbelsturm „Kyrill“ quer durch Europa. Eine Jahrhundertkatastrophe.
O-Ton Thomas Dümmel:
Meteorologisches Institut, FU Berlin
„Besondere Sturmereignisse wie Kyrill, jeder wird sich daran erinnern, hat eine Schneise von Verwüstung hinterlassen, das sind Fälle, wenn die Klimaerwärmung so weitergeht, immer häufiger auftreten werden.“
Der Sommer 2003 – das andere Extrem. Eine wochenlange Hitzewelle dörrt Mitteleuropa aus. Temperaturen von über 40 Grad - Milliardenverluste in der Landwirtschaft. 25 000 Hitzetote hat Europa zu beklagen. Insbesondere in großen Städten wird das Leben schier unerträglich – auch nachts sinken die Temperaturen nur wenig. Klimaanlagen helfen nicht mehr. Kreislaufzusammenbrüche sind an der Tagesordnung. Vor allem moderne Häuser und Gebäude werden zu Glutöfen. Sie können die aufgestaute Hitze des Tages nicht mehr abgeben.
Die Maxime der heutigen Architektur: möglichst viel Licht, Luft und Sonne in die Gebäude. In Zeiten des Klimawandels wird diese Philosophie zum Problem. Sind unsere Städte auf extreme Wetterereignisse vorbereitet?
O-Ton Matthias Sauerbruch:
Architekt
„Man kann sagen, dass der Klimawandel für die Architektur einen Paradigmenwechsel auslösen wird, beziehungsweise schon ausgelöst hat. Wir müssen ganz anders über Häuser nachdenken, als das zumindest in den vorherigen Generationen der Fall war.“
... bei denen in der Stadtplanung letztlich immer ökonomische und ästhetische Überlegungen im Vordergrund standen.
Der 11. September 2011. Über das südliche Brandenburg und Sachsen-Anhalt zieht ein Hagelsturm, wie man ihn dieser Region noch nicht erlebt hat. War es gar ein Tornado? In Brandenburg besonders betroffen: die Stadt Jüterbog. Es ist eines von mehreren schweren Unwettern mit Starkregen in diesem Herbst in Ostdeutschland. Millionenschäden an Häusern und Gebäuden, die für solche Naturereignisse nicht gerüstet sind. War es ein Unwetter, wie es immer mal vorkommen kann, oder ein Warnsignal?
O-Ton Thomas Dümmel:
Meteorologisches Institut, FU Berlin
„Aufgrund des Klimawandels werden wir im Wesentlichen drei starke Dinge berücksichtigen müssen – in der Stadtplanung, im Städtebau, in der Begrünung der Städte. Das eine ist zum Beispiel starke Hitzewellen wie 2003 der Hitzesommer. Zweitens – sehr starke Stürme, Orkane wie Kyrill, häufiger, dass die häufiger werden. Und Extremniederschläge werden auch häufiger eintreten.“
Die Statistik sagt: 2010 und 2011 gab es weltweit Wetterextreme in einem bislang nicht bekannten Ausmaß.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/ozon/archiv/ozon_unterwegs_am11/mehr_unwetter_ueber.html