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Know how und die teure Zerlegetechnik aus Rheinsberg sollen bald in Obrigheim am Neckar helfen, den Reaktor auseinander zu nehmen. Die Dimensionen sind gewaltig: an neun deutschen Atom-Standorten wird schon rückgebaut, 17 kommen durch den Atomausstieg dazu.
Eine Materialschlacht ohnegleichen. 330-tausend Tonnen, davon 40-tausend Tonnen radioaktiv verseucht, fallen allein im kleinen Rheinsberg an. Künftig könnten Roboter mit Saugnäpfen die Wände hoch kriechen und den kontaminierten Beton wegfräsen. Spezialmaschinen werden entwickelt zum schnelleren Zerlegen der Riesen-Meiler.
Manuskript:
Das hätten die Rheinsberger auch gern gehabt: Einen Roboter, der ihnen die Schuhe auszieht. Denn den Sohlen haftet schnell kontaminierter Staub an, der nicht mit Fingern in Berührung kommen darf. Auch auf solche Techniken wartet die Abriss-Industrie.
Im Westen Deutschlands sind die Reaktorblöcke ungleich größer. Mülheim-Kärlich bei Koblenz hatte fast die 20fache Leistung von Rheinsberg. Während den Rückbau im Osten der Bund finanziert, bezahlen im Westen die Betreiber. In Obrigheim am Neckar, 2005 abgeschaltet, soll bald der Reaktor zerlegt werden. Den Abriss-Auftrag bekam die Firma EWN, die schon lange Rheinsberg und Lubmin zerlegt. Sie will hier die im Osten bewährte Technik einsetzen.
An neun Standorten mit teils mehreren Blöcken wird derzeit in Deutschland zurück gebaut. Fast die doppelte Anzahl wird durch den Atomausstieg noch dazu kommen. Dimensionen, die auch Forscher herausfordern. Die Universität Karlsruhe interessiert sich sehr für die praktischen Erfahrungen aus Rheinsberg. Hier werden z.B. Spezialmaschinen entwickelt. Mit solchen Diamanten kann die Seilsäge Edelstahl in hoch kontaminierter Umgebung zerlegen. Sie muss extrem langsam laufen, damit gefährliche Späne nicht weit herumfliegen. Tests für Abrissmaschinen in Kernkraftwerken sind Neuland. Sie müssen aufwändig erprobt werden. Wie ferngesteuerte Schneidarbeiten unter Wasser im Inneren des Reaktors. Improvisieren ist in kerntechnischen Anlagen absolut fehl am Platz.
O-Ton Prof. Sascha Gentes:
Institut für Technologie und Management im Baubetrieb
„Das ist nicht nur die falsche Methode, das wird definitiv auch gar nicht zugelassen. Also es gibt im Rückbau von Kernkraftwerken nie den Ansatz, wir testen mal vor Ort, wie es funktioniert, wenn es nicht funktioniert machen wir es halt anders.“
Das Institut in Karlsruhe ist bisher das einzige, das Technologie und Management für den Rückbau kerntechnischer Anlagen erforscht. Dieses Gerät heißt Amanda. Ein Fräsroboter. Er wurde entwickelt, weil beim Beton oft nur die obere Schicht kontaminiert ist und entsorgt werden muss. Mit Unterdruck saugt er sich an der Wand fest und kann sich selbst auf rauem und unebenem Untergrund bewegen, die Wände hoch- und runtergehen. Er könnte verhindern, dass Arbeiter zu dicht an die Wände heran müssen. Bis zur Serienreife tragen Menschen den belasteten Beton ab.
Deutschland gilt derzeit weltweit als führend beim Rückbau. Eines Tages sollen die Roboter den Beton wegfräsen und den gefährlichen Staub absaugen. Dringend benötigte Technik.
O-Ton Prof. Sascha Gentes:
Institut für Technologie und Management im Baubetrieb
„Also ein Rückbau ist momentan absolut sicher durchführbar, wo es allerdings noch Potenzial gibt, ist einfach in der Leistungssteigerung. Wenn man sich ein Atomkraftwerk wie Würgassen anschaut, da müssen etwa 140.000 Quadratmeter Wände, Böden, Decken dekontaminiert werden. Und da gibt es einfach noch ein großes Potenzial, dass man das technisch so vorantreibt, dass es schneller und in einer höheren Leistungen erfolgt.“
Statt fräsen könnte man auch lasern. Eine Idee der Universität Dresden. Das gebündelte Licht erhitzt die belasteten Betonschichten so stark, dass sie blitzartig schmelzen. So wird das radioaktive Material gebunden. Das erleichtert die Endlagerung. Der Beton dahinter, kaum belastet, kann zum Straßenbau verwendet werden.
Dieser Meiler im bayerischen Niederaichbach, war eine Fehlkonstruktion und nur 18 Tage voll am Netz. Sein Abbau 1974 ging recht einfach. Durch die kurze Betriebszeit was das Gebäude noch nicht belastet. Als das radioaktive Material raus war, konnte einfach gesprengt werden. Es war der europaweit erste Rückbau bis zur grünen Wiese. Ganz unproblematisch aber sind nur kerntechnische Anlagen, die nie in Betrieb gegangen sind. Wie der Schnelle Brüter in Kalkar am Niederrhein. Fast 8 Mrd. Mark Baukosten. Zum Freizeitpark umgebaut unter dem Namen „Kernwasser-Wunderland“.
Ein Bericht von Wolfgang Albus.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/ozon/archiv/ozon_unterwegs_am12/wissen_ost_fuer_rueckbau.html