rbb Fernsehen

rbbonline | Archiv

OZON UNTERWEGS
OZON UNTERWEGS
Zwischenlager für verbrauchte Brennstäbe in Castoren (Quelle: rbb)

Mo 05.12.11 22:15

Wohin mit dem strahlenden Müll?

Meistens sind es blaue Container, die mit strahlender Fracht von Rheinsberg aus Richtung Ostsee rollen, ins Zwischenlager Nord bei Lubmin. Dort sollen die Teile abklingen, werden weiter zerlegt und dekontaminiert.

Auch die Rheinsberger Brennelemente liegen in Lubmin. Wie lange, hängt davon ab, wann die umstrittene Endlager-Frage geklärt ist. Der Salzstock bei Gorleben? Jetzt will die Bundesregierung die Suche nach einem Friedhof für hochradioaktive Abfälle ganz neu beginnen. Vielleicht auch in Brandenburg?

Manuskript:

Das war der entscheidende Transport, im Mai 2001. Auch der umstrittenste. Die Brennelemente in den Castoren. Die hochradioaktive Fracht auf dem Weg ins Zwischenlager Nord an der Ostsee. Auch nicht unumstritten, 2007, der Reaktordruckbehälter. Abgeschirmt durch eine Stahlmanschette unter der blauen Plane. Weniger gefährlich. Ziel ist das Zwischenlager neben dem abgeschalteten Kernkraftwerk Lubmin bei Greifswald. Betrieben vom Staatsunternehmen Energiewerke Nord. Strahlender Schrott so weit das Auge reicht. Eines der größten Zwischenlager weltweit. Der Kranbrückenfahrer hinter dickem Sicherheitsglas. Das ursprüngliche Versprechen, hier nur ostdeutschen Atommüll einzulagern, wurde längst gebrochen.

Vieles kann gereinigt werden. Auch das ist eine riskante Arbeit: in Spezialkleidung, mit dem Hochdruckreiniger. 98 Prozent eines Kernkraftwerks gelten als wiederverwertbar. Alles muss in solche Körbe passen. Das heißt: Ein Kernkraftwerk wird in hunderttausende Portionen zerteilt. Die Körbe entsprechen dem Fassungsvermögen der Strahlenmess-Schränke. Hier werden die Grenzwerte überprüft. Ohne sogenannte Frei-Messung darf nichts raus. Begegnung mit einem alten Bekannten: dem Rheinsberger Reaktordruckbehälter.

„Nicht stehen bleiben“ – lautet die Warnung ans Kamerateam. Die Strahlung sei gering,
aber trotzdem schädlich. Jedes Teil ist genau inventarisiert. In diesen Containern ist Schwach- und Mittelradioaktives. Dafür wird gerade das Endlager Schacht Konrad bei Salzgitter vorbereitet. Spezielle Strahlenschutz-Kleidung ist hier nicht vorgeschrieben - wo gerade weitere Reste des Rheinsberger Kraftwerks eingetroffen sind. Die roten Behälter stehen schon länger hier. Eingekapselt das Material aus dem Reaktorkern. Alles muss hier irgendwann wieder weg. Es ist ein Zwischen-Lager.

Das Gefährlichste: Die Brennstäbe in den Castoren. Vier davon aus Rheinsberg. Für sie gibt es noch kein Endlager. Ziel: ungewiss… Ob die Brennelemente eines Tages in den Salzstock bei Gorleben einfahren werden? Denn an seiner Tauglichkeit wird gezweifelt. Nur diesen Salzstock durfte das Bundesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe bisher untersuchen - und tut das seit 1979. Man fand auch Erdöl und Erdgas in den Stollen. Und war alarmiert: Das könnte darauf hindeuten, dass das Lager nicht dicht ist. Immerhin soll der Müll hier hunderttausende Jahre sicher lagern. Jetzt hat die Bundesregierung eine neue Suche angekündigt. Auf weißer Landkarte, d.h. offen für Lagerstätten überall in Deutschland. Und nicht nur Salz, auch Granit und Ton kommen in Betracht. Schnell sollen genaue Kriterien gefunden werden. Gerade in Norddeutschland gibt es spezielle Tonablagerungen, die das Bundesamt – theoretisch - als Endlager für geeignet hält. Große Vorkommen davon auch in Brandenburg, zum Beispiel im Havelland. Alternativ die Salzstöcke: Etwa in Gorleben oder, etwas nördlich, in Gülze-Sumte. Bisher mussten die Geologen des Bundes in die Schweiz ausweichen, um am Ton zu forschen. Dort hält man das Material durchaus für tauglich – trotz einiger Nachteile. Ton verträgt weniger Hitze als Salz. So müsste das heiße hochradioaktive Material vor dem Einlagern überJahrzehnte abkühlen, um auf die 100 Grad zu kommen, die Ton verkraften kann. Dafür aber kann sich Ton gegen Risse und Verwerfungen besonders gut abdichten. Brandenburg muss sich darauf einstellen, dass sein Untergrund auf Endlagertauglichkeit überprüft wird.

Ein Bericht von Wolfgang Albus.

Dieser Text gibt den Sachstand vom 05.12.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Infos im WWW

Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Hannover

E-Mail: kontaktbuero-rohstoffe@bgr.de

www.deutsche-rohstoffagentur.de

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/ozon/archiv/ozon_unterwegs_am12/wohin_mit_dem_strahlenden.html

Fenster schließen!