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2007 wurden an einer Leitung bei Ulm in Baden-Württemberg zum ersten Mal sogenannte Hochtemperaturseile getestet. Sie können heißer werden als herkömmliche Leitungen und dadurch bis zu 50 Prozent mehr Strom durchlassen.
Ihr Einsatz könnte an Engpässen im Stromnetz einen Leitungsneubau teilweise überflüssig machen. Der Netzbetreiber „50Hertz Transmission“ will Hochtemperaturseile testen und später punktuell einsetzen.
Manuskript:
September 2007. Unter Beobachtung der Fachwelt werden auf einer Stromtrasse bei Ulm testweise sogenannte Hochtemperaturleitungen installiert. Diese Leitungen können bis zu 50 Prozent mehr Strom transportieren. In Japan, den USA, aber auch zunehmend in Europa sind solche Seile im Einsatz. Hierzulande aber eine Rarität. Seit kurzem produziert sie auch ein deutscher Hersteller. Sie bestehen aus einem Stahlkern und hochtermischem Aluminium und sind etwas stärker als ein normales Seil.
O-Ton Michael Hegemann
Westfälische Drahtindustrie Berlin
„Ein Hochtemperaturseil kann besser Überspannungen abfangen, dass heißt eingesetzt an den Teilen eines Leitungsnetzes, wo temporär höhere Kapazität, heißt Energieleistungen durchgeführt werden, kann es die besser transportieren."
Die Strommenge in einer normalen Leitung ist durch die Seiltemperatur begrenzt. 80 Grad ist der Grenzwert. Sonst wird das Aluminium weich, hängt die Leitung gefährlich durch. Dieses Hochtemperaturseil verhält sich anders. Sein Stahlkern wird getrennt vom Aludraht am Mast unter Zug aufgehängt. Trotz hoher Strommenge wird das Aluminium nicht weich, hängt die Leitung nicht durch – verspricht der Hersteller.
Am Institut ´Prüffeld für elektrische Hochleistungstechnik´ Berlin hilft man uns mit einem Versuch. Ein normales Seil und ein Hochtemperaturseil hängen mit gleichem Bodenabstand parallel. Durch beide Seile wird zweitausend Ampere Strom geschickt. Die doppelte Menge wie in einer normalen Freileitung. Die Infrarotkamera zeigt, wie die Drähte heiß laufen. Maximal 120 Grad verträgt ein normales Seil. 310 Grad ein Hochtemperaturseil. Nach zehn Minuten wird erneut der Bodenabstand gemessen. Während sich das normale Seil um 13 Zentimeter senkte, bleibt der Bodenabstand beim Hochtemperaturseil gleich.
50 Hertz Transmission will jetzt an zwei Netzstrecken solche Seile erproben, um damit vielleicht einen Teil des Netzausbaus zu ersetzen?
O-Ton Dr. Frank Golletz:
50 Hertz Transmission
„Das ist genau die Hoffnung, dass wir die Hochtemperaturseile punktuell, wo es tatsächlich geht, ausnutzen können, um den weiteren Leitungsausbau zu vermeiden. Wir wollen tatsächlich nur soviel Leitungen bauen, wie wir tatsächlich brauchen.“
Netzverstärkung vor Leitungsneubau spart nicht nur Geld, sondern auch viele Auseinandersetzungen mit der Bevölkerung.
Ein Bericht von Maren Schibilsky.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/ozon/archiv/ozon_unterwegs_am9/streit_um_bessere.html