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Die Geschichte des ostdeutschen Stromnetzes beginnt nach 1880 im Zentrum Berlins mit ersten kleinen Kraftwerken für die Beleuchtung von Straßen und Plätzen. 1912 gibt es die erste europäische 110 kV-Leitung zwischen Lauchhammer und Riesa.
Aus vielen hundert Insellösungen auch in Brandenburg wächst langsam ein Stromnetz mit Kraftwerken. Heute gerät es durch die Wind- und Solaranlagen an völlig neuen Standorten an seine Grenzen.
Manuskript:
Untergebracht war das erste öffentliche Kohlekraftwerk Deutschlands auf engstem Raum. Typisch für die Pionierzeit. Wenn in der unmittelbaren Nachbarschaft kein Strom gebraucht wurde, lief die Anlage im Leerlauf. Kraftwerke mit Stromleitungen zu verbinden, galt 1885 als zu riskant. Eine Zeit der unsicheren Insellösungen. Beim Elektropionier Siemens stand ein mobiles Kraftwerk im Garten. Für jedes Kraftwerk ein eigenes Netz – so konnte es nicht bleiben. Hunderte Kraftwerke wurden gebaut, wie in Charlottenburg 1900. Berliner Unternehmer wie AEG-Gründer Emil Rathenau, hier mit Thomas Alva Edison, lieferten die Leitungs-Technik.
Die „Überlandcentrale Heegermühle" bei Eberswalde gehörte 1909 zu den ersten Kraftwerken, die Strom über größere Distanzen lieferten. Noch war die Versorgung weitgehend dezentral. Das änderte sich, als 1913 die Berliner Elektrizitätswerke für Braunkohlekraftwerke eigene Gruben kauften. Regionalnetze entstanden. Die erste 110 kV-Leitung Europas von Lauchhammer nach Riesa im Jahr 1912. Erzeugung und Verbrauch entfernten sich immer weiter voneinander. Innerstädtische Kraftwerke, wie Klingenberg in Berlin konnten den Bedarf allein nicht mehr decken. Und der Energiehunger wuchs ständig. Die Berliner Fabriken der AEG lieferten die Kabel für Überlandleitungen. Kraftwerke wurden immer größer. Ein Riesengeschäft für die Industrie, Berlin war weltweit führend.
Tschornewitz, bei Bitterfeld, war 1915 das größte Braunkohlenkraftwerk der Welt. Und sollte Berlin versorgen. Schon von 1918 an deckten Kraftwerke außerhalb Berlins die Grundlast. Wenn die Wirtschaft lahmte, wurde der private Verbrauch angekurbelt. Siemens und AEG weckten den Hunger nach Elektrogeräten, der wiederum die Nachfrage nach neuen Kraftwerken beflügelte. Ab 1921 wurde der meiste Strom nicht mehr innerhalb Berlins erzeugt. Das glitzernde Nachtleben verdankte seine Existenz weit entfernten Kraftwerken. Das boomende Geschäft mit dem Strom teilten sich wenige Firmen mit streng aufgeteilten Märkten. Die Elektrowerke AG deckte den Osten ab.
Die Nazis führten auf dem Energiemarkt eine Kommandowirtschaft ein mit Monopolen und weitgehenden Privilegien. Eine Vorbereitung auf den Krieg. Die Berlin-Blockade machte nach dem Krieg die Abhängigkeit der Stadt von weit entfernten Stromquellen überdeutlich. Die Rosinenbomber transportierten nicht in erster Linie Nahrungsmittel. 80 Prozent der Luftfracht war Kohle und Kraftwerkstechnik. Das führte - wie in der Pionierzeit - zum Aufbau einer innerstädtischen Stromversorgung. Westberlin baute und erneuerte acht Kraftwerke. Die DDR, von den Bergwerken im Ruhrgebiet abgeschnitten, musste ganz auf die Braunkohle setzen. Große Anlagen entstanden direkt an den Braunkohlegruben als Mittelpunkte einer neuen Industrie.
Das ab 1976 errichtete Kraftwerk Jänschwalde zählt bis heute zu den größten seiner Art in Europa. Diese Art der Stromerzeugung ist bisher auch in der Marktwirtschaft lukrativ geblieben. 1994 war der Westen Berlins keine Strominsel mehr, sondern Teil des Europäischen Verbundnetzes. Nun verändert sich das Netz vielleicht grundlegender als je zuvor. Strom wird an ganz neuen Standorten produziert. Ihn abzutransportieren ist eine völlig neue Herausforderung.
Ein Bericht von Wolfgang Albus.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/ozon/archiv/ozon_unterwegs_am9/stromversorgung_im.html