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Das Bundesverdienstkreuz fürs CO2-Sparen? Johannes Hengstenberg hat mit seinen Ideen bereits drei Millionen Haushalten geholfen, Geld zu sparen. Und vor allem: 4,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermieden.
„Ich versuche einfach die Fehler, die wir von morgens bis abends beim Umgang mit Energie machen, zu reduzieren“. Ein Credo, nach dem er selbst lebt und das er mit seiner gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online jedem zugänglich macht. Klimaschutz ganz einfach im Alltag.
Manuskript:
O-Ton Dr. Johannes Hengstenberg:
Energieberater
„Ich habe diese Abrechnung vor 20 Jahren auch nicht verstanden. Aber jetzt im Laufe der Zeit gelernt, dass da wichtige Informationen über den Heizenergieverbrauch des Gebäudes und der Wohnung drin stehen und dass das Verständnis dieser Zahlen einen ganz wesentlichen Beitrag zum Energiesparen und zum Klimaschutz leisten kann. Und wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, diese Inhalte möglichst vielen Leuten verständlich zu machen.“
Johannes Hengstenberg will Bürger zu Kohlendioxid-Sparern machen. Vor sechs Jahren gründete er das gemeinnützige Unternehmen co2online. Vor allem vom Bundesumweltministerium finanziert. Das durchgestrichene C signalisiert – aus Klimakiller wird Sauerstoff. Einfach so?
O-Ton:
„Wir appellieren an die Sparsamkeit der Leute, nicht so sehr an das Verantwortungsgefühl gegenüber dem Klima. Es geht darum, die vielen, vielen kleinen Fehler, die man jeden Tag macht, dass man die vermeidet.“
Acht Büros gibt es inzwischen in Schöneberg. Und 60 Mitarbeiter. Hier im Herzstück der Firma übersetzen Ingenieure und Energieexperten das Zahlenwirrwarr der Heizkostenabrechnungen.
Rund hundert treffen täglich ein, wie die von Frau Heiss. Jeder kann mitmachen. Mieter, Hausbesitzer. Deutschlandweit. Einzige Bedingung: ein ausgefüllter Gutschein, den man im Internet erhält, mit Angaben zu Haus, Wohnung, Heizung. Die Daten werden mit dem Heizspiegel verglichen, den man ebenfalls hier erarbeitet hat. So entstehen individuelle Heizgutachten, die jeder versteht. Kostenlos.
O-Ton:
„Wir müssen den Energieverbrauch um 80% reduzieren und das Jahr 2050 ist vielleicht schon zu spät dafür. Die Möglichkeiten sind heute schon vorhanden. Wir brauchen nicht von künftigen Techniken träumen, sondern wir müssen die Potenziale ausschöpfen.“
Wenige Wochen später - Frau Heiss hat ihr Gutachten in der Hand. Die erfreuliche Botschaft: Ihre Heizkosten im Vergleich sind super. Trotzdem produziert sie durch das Verbrennen von Erdgas jährlich sechs Tonnen CO2.
Das lässt sich ändern, allein durch den Einbau elektronischer Funkthermostate. Die Zimmertemperatur wird entsprechend des Tagesablaufs programmiert. 20 Prozent der Kosten im Jahr kann Frau Heiss so sparen und eine Tonne CO2.
Der Heizenergieverbrauch des ganzen Hauses liegt zwar im Berliner Durchschnitt, ist aber nicht optimal. Das lässt auf „energetische Sanierungspotenziale“ schließen, heißt es in einem beiliegenden Schreiben an die Hausverwaltung.
O-Ton
„Wir sind darüber erfreut, dass 70% der Mieter ihren Hauseigentümer dieses Dokument aushändigen und dass jeder vierte Eigentümer mit einer positiven Maßnahme reagiert. Das kann der Austausch einer Heizung sein, oder auch die Dämmung einer Fassade.“
Der studierte Politologe und Volkswirtschaftler hat ein familiäres Verhältnis zur Energie. Der Großvater handelte mit Kohlen, der Vater verstromte sie im Kraftwerk. Er will sie überflüssig machen.
Immer wieder denken Hengstenberg und seine Mitarbeiter sich Neues aus. Untersuchen zum Beispiel den Stromverbrauch bei Nacht, wenn nur scheinbar nichts fließt.
O-Ton
"Wir haben jetzt unter unseren Mitarbeitern mal gemessen und ich war selbst erstaunt, dass es zwischen 40 und 50 Prozent ist. Durch den Kühlschrank, durch die Gefriertruhe, die Videoanlage, den Fernsehapparat, durch die Standby-Schaltung, durch Ladegeräte von Handys. Und ich denke, dass man die Hälfte dieses Ruhestroms wirklich vermeiden kann durch einen bewussten Umgang mit Strom und durch den Austausch ineffizienter Kühlgeräte.“
Wer wissen will, ob sein Kühlschrank ein Stromfresser ist, klickt auf den Kühlcheck von co2online. 18 solcher Ratgeber gibt es inzwischen und viele hat Johannes Hengstenberg zunächst im Selbstversuch getestet - wie das Energiesparkonto.
Aus den Stromzählerständen wird eine anschauliche Tabelle über den monatlichen Verbrauch – mit Spitzenwerten, die sonst in der Jahresrechnung untergehen. Die Ursachen kann man so schnell ermitteln, beseitigen - und sparen: 351 € in drei Jahren und 1 Tonne Kohlendioxid.
Zahlreiche Auszeichnungen hat er für seinen alltäglichen Klimaschutz bekommen. Internationale und europäische, jüngst das Bundesverdienstkreuz. Darauf ist er stolz, wie auch auf die Bilanz von co2online. Allein an diesem Vormittag haben sich 564 Ratsuchende eingeloggt, über drei Millionen seit dem Beginn 2004. Immerhin 4,6 Millionen Tonnen CO2 konnten seither vermieden werden.
O-Ton
„Das ist die Summe der kleinen vielen Maßnahmen. Aber die öffentliche Diskussion wird beherrscht von Kraftwerken in der Wüste oder von gigantischen Windparks in der Nordsee, aber einen alten Kühlschrank auszutauschen, eine alte Umwälzpumpe auszutauschen, das ist ein wenig attraktives Thema und das bekommt deswegen in der Öffentlichkeit nicht die Aufmerksamkeit, die es eigentlich verdiente.“
Jeden Tag arbeitet Johannes Hengstenberg noch anders an seiner persönlichen Klimabilanz. Der passionierte Bahn- und Radfahrer macht sich auf den Heimweg in seine Wohnung nach Dahlem. 20 Kilometer hin und zurück, bei jedem Wetter. Und garantiert CO2 frei.
Ein Bericht von Iduna Wünschmann.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/ozon/archiv/ozon_vom_08_02_2010/klima_im_alltagstest.html