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Wer heute durch Wald und Flur wandert, wird kaum auf Kinder treffen. Anders als noch vor 20 Jahren sind Abenteuer unter freiem Himmel, sich schmutzig machen und Kratzer holen, für unseren Nachwuchs selten noch ein Thema.
Studien belegen: Der Aktionsradius von Kindern wird immer kleiner, verlagert sich zunehmend auf das Innere von Häusern, hin zu Computer und Handy. Sucht und seelische Krankheiten nehmen dafür zu. „OZON unterwegs“ ist zu Gast im Indoorspielplatz „Bambooland“ Wildau.

Kinder ohne Natur?
Dass Kinder kaum noch im Freien herumstrolchen, hält der Berliner Naturphilosoph Andreas Weber für eine zivilisatorische Katastrophe. Er lädt uns zu einem Ausflug ein mit Kindern aus einem Waldkindergarten, seiner Tochter Emma und ihren Freundinnen. In seinen Büchern plädiert er dafür, Kinder einfach los zu lassen, weil nur im freien Spiel, ohne Aufsicht, unvorhersehbare Abenteuer entstehen, an denen Kinder wachsen können.

Geschichte des Kinderspiels
Unmerklich hat sich der Lebenskreis der Kinder über Jahrhunderte verengt. Im Bürgertum wurde das Kinderspiel zum pädagogischen Thema. Die Massenproduktion von Spielzeug und Kinderbüchern führte zur ersten Verhäuslichung des Spielens. Reformpädagogen forderten mehr Bewegung und frische Luft. Doch seit dem Aufkommen der Unterhaltungselektronik ziehen sich Kinder noch mehr in die umbaute Umwelt zurück.

Mit Mediensucht in der Klinik
Rund eintausend Jugendliche kommen jedes Jahr für sechs bis acht Wochen in die AHG Klinik für Kinder und Jugendliche Beelitz-Heilstätten. Viele von ihnen sitzen stundenlang vor Fernseher oder Computer, haben Schwierigkeiten in der Schule, Depressionen, Hyperaktivität oder andere Symptome. Sie bekommen ihr Handy täglich nur kurz, dafür viele Angebote. Natur ist ein wichtiges Thema, sagt Chefärztin Maike Pellarin, als Ausgleich für Leib und Seele.

Wandertage für letzte Wunder?
Auf eine Umfrage von „OZON unterwegs“ antworteten über 300 Schulen, dass sie bei ihren Schülern wachsendes Desinteresse an Natur und zunehmende Zerstreutheit durch den Mediengebrauch registrieren, aber selbst noch gezielt Wandertage in die eigene Umgebung anbieten. Wir begleiten eine 2. Klasse aus Fehrbellin auf einer Kranichwanderung und Eltern mit Kindern auf einem schwimmenden Labor, das man in Lübbenau mieten kann.

Wilde Kinderplätze in Berlin?
Jeanette Münch vom Jugendamt Berlin-Pankow möchte mehr Naturerfahrungsräume. Doch jede Freifläche in Berlin ist hart umkämpft. Auch beim verwunschenen 'Leise-Park', einem ehemaligen Friedhof, haben erst Bürgerproteste die Bebauung verhindert. Kinder der Berliner „Heinrich-Roller-Grundschule“ wirkten schon vor drei Jahren an diesem Pilotprojekt mit. Nun soll das ´Nasse Dreieck nahe der Bornholmer Brücke ein zweiter Pankower Naturerfahrungsraum werden.


