Lein, Rizinusöl, Harz - Pflanzen können Erdöl ersetzen (Quelle: Anne Hoffmann/rbb)

- Pflanzen statt Erdöl – Die Chemie der Zukunft?

Müssen wir auf die bunte Plastikwelt verzichten, wenn das "schwarze Gold" in wenigen Jahrzehnten zu Ende geht? Fast alle Kunststoffe sind heute aus Erdöl. Wird es nach der Energiewende eine Chemiewende geben?

Drei Mohnpflanzen in Rot und Gelb (Quelle: rbb)

Chemiefabrik Pflanze

Ob Sonnenblume oder Rizinusstrauch, Hanf oder Kokospalme - jede Pflanze stellt wertvolle Stoffe her: Öle, Fasern, Stärke, Farben. Würden chemische Prozesse Geräusche machen, wäre die Natur ein grandioses Orchester. Den Taktstock schwingt die Sonne, sie dirigiert die Photosynthese. Jede Pflanze, ob groß oder klein, ist eine perfekte chemische Fabrik. Sie braucht dazu nur Kohlendioxid und Wasser.

Gezeichnetes Bild vom Kautschukabbau (Quelle: rbb)

Als Kunststoff noch aus Pflanzen war

Der erste Kunststoff war Birkenpech, der Alleskleber der Neandertaler und Steinzeitmenschen. Indianer machten aus dem Milchsaft des Kautschukbaumes Bälle und Schuhe. Der Mensch bediente sich jahrtausendelang in der Schatzkammer Natur. Aus Leinöl, Jute und Kork wurde 1860 Linoleum, aus Zellulose Zelluloid für das erste Filmmaterial. Dann drängte Erdöl auf den Kunststoffmarkt, leicht zu verarbeiten, sehr ergiebig - und billig.

Dr. Hermann Fischer (Quelle: rbb)

„Stoffwechsel“ als Passion

Hermann Fischer ist ein glühender Verfechter der sanften Chemie. Einen „Stoff-Wechsel“ – so auch der Titel seines Buches - hat er sich zur Lebensaufgabe gemacht. Statt Erdöl sollen wieder Pflanzen zu Kunststoff werden, doch nicht nur als „dumme Kohlenstoffquelle“, ihre ganze Vielfalt müsse genutzt werden, fordert Fischer, keine neuen Monokulturen dürfe es geben!

Bearbeitung von Buchenholzfasern (Quelle: rbb)

Fasern aus Buchenholz

Um nicht Nahrungsmittel zu Kunststoffen zu machen, suchen Forscher nach anderen Quellen: z.B. Haferspelzen und Strohmehl. Aus Buchenholzresten und Abfällen der Papierindustrie werden in verschiedenen Fraunhofer-Instituten Fasern mit völlig neuen Eigenschaften entwickelt. Die Wissenschaft ist ein Bündnis mit der Industrie eingegangen. Hochwertige Massenprodukte aus Pflanzen könnten sogar manchen Wirtschaftszweig revolutionieren, z.B. den Automobilbau.

Vier Tüten baumeln im Wind (Quelle: rbb)

Wie „bio“ ist die Biotüte?

Im Supermarkt an der Kasse zur Biotüte zu greifen, beruhigt das Gewissen: aus nachwachsendem Zuckerrohr oder Mais ist auf ihr zu lesen und manchmal auch noch: biologisch abbaubar. Doch halten die Bio-Tüten, was sie versprechen? In der Praxis landen die meisten in der Müllverbrennung. Der Weg zu einer sanfteren Chemie ist nicht ohne Stolpersteine.